Weniger Klinikbetten als bislang geplant

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Do, 16. April 2020

Offenburg

Architektenwettbewerbe für Bauprojekte in Offenburg, Achern und Lahr sollen bald starten.

ORTENAU (hrö). 724 Betten im KlinikNeubau in Offenburg, 234 im Neubau in Achern und 431 Betten im umgebauten Krankenhaus in Lahr: Diese Bettenzahlen sollen Grundlagen sein für die anstehenden Architektenwettbewerbe. Der Kreistag, so der Wunsch der Kreisverwaltung, möge sie in der Sitzung am Dienstag, 21. April, beschließen. Sie bilden das "Szenario A" des vom Beratungsunternehmen Roland Berger erstellten Gutachtens. Die Verwaltung lässt vorsorglich wissen, dass die Kreistagssitzung, wie einige Ausschusssitzungen davor schon, aufgrund der Corona-Pandemie auf der Kippe steht.

2019 hat das Ortenau-Klinikum eine Projektskizze zur Förderung beim Ministerium eingereicht – ein erster grober Rahmen für die vorgesehenen Neu- und Teilneubauten. Roland Berger habe bei der Ausschreibung den Zuschlag erhalten. Es sollte das Strategiegutachten von Lohfert & Lohfert in ein Medizinkonzept überführen. Bergers Abschlussbericht besage, so die Verwaltung, dass der Marktanteil des Ortenau-Klinikums im Ortenaukreis mit über 80 Prozent sehr hoch sei und der Markt für stationäre Fälle stagniere – und sich eher in den ambulanten Bereich verschiebe. Die Verweildauer der Patienten habe 2019 mit 5,7 Tagen leicht über dem Schnitt gelegen. Bis 2030 sei von einem Rückgang um 1,5 Prozent auszugehen. Die Auslastung der Planbetten habe 2019 bei 74 Prozent gelegen.

Das Gutachten hatte, so die Verwaltung, zur Ermittlung des künftigen Bettenbedarfs zwei Szenarien erarbeitet: A nimmt für das Jahr 2030 eine Verweildauer von 5,5 Tagen und eine Auslastung von 82 Prozent an. Es geht von einem Bedarf von 1459 Betten aus – 14 Prozent weniger als bisher geplant. Szenario B nimmt eine Verweildauer von gar nur 5,0 Tagen und eine Auslastung von rund 85 Prozent an. Es geht von einem Bedarf von nur 1269 Betten aus. Szenario A wird von der Kreisverwaltung auch deshalb favorisiert, weil es der Landeskrankenhausplanung entspreche "und daher auch für die Förderentscheidungen herangezogen werden dürfte". Alle weiteren Planungen seien von den Förderzusagen des Landes abhängen.

Die Verwaltung wünscht sich vom Kreistag zudem den Auftrag, für den Standort Lahr einen baulichen Masterplan zu erstellen. Das Architekturbüro Beeg/Lemke war beauftragt worden zu prüfen, wie ein leistungsfähiges Krankenhaus für Lahr aussehen könnte. Das Konzept wurde auf der Grundlage von 470 Betten erstellt, Roland Berger sieht in Szenario A für Lahr aber lediglich 431 Betten vor. Aktuell finden Gespräche zwischen dem Klinikum und der Mediclin-Herzklinik statt. Beide wollen auf dem Herzsektor enger zusammenarbeiten. Geprüft werde auch ein gemeinsames Gebäude auf dem Klinikum-Gelände. Je nach Ausgang der Verhandlungen werde eine Überarbeitung der Konzeption des Architektenbüros erforderlich.

Zwischenzeitliche Überlegungen hinsichtlich eines Komplettneubaus des Lahrer Hauses im Westen der Stadt würden nicht weiter verfolgt, heißt es weiter, weil sonst möglicherweise bereits geflossene Landesfördermittel zurückzuzahlen wären, zudem eine ausreichende Förderung eines weiteren Neubaus im Ortenaukreis unrealistisch sei. Am Standort Wolfach (70-80 Betten) wurden bereits umfangreiche Umbauarbeiten getätigt.

Im Gutachten wurden zudem zur Steigerung der Qualität für das gesamte Klinikum acht interdisziplinäre sowie standortübergreifende medizinische Zentren definiert: Ortenau Cancer Center (OCC), Herz- und Gefäßzentrum Ortenau, Traumazentrum Ortenau, Wirbelsäulen-Zentrum Ortenau, Endoprothetik-Zentrum Ortenau, Altersmedizinisches Zentrum Ortenau, Mutter-Kind-Zentrum Ortenau und Schlaganfall-Zentrum Ortenau. Mit der Zentrenbildung soll der Ressourceneinsatz wirtschaftlicher erfolgen. Der Großteil der Zentren soll von Offenburg oder Lahr aus betrieben werden.