Gesundheit

Wenn die Geburt zum Trauma wird – Gewalterfahrungen im Kreißsaal

Ann Esswein

Von Ann Esswein

Do, 06. Februar 2020 um 13:16 Uhr

Gesundheit & Ernährung

BZ-Plus Geburten verlaufen nicht immer so komplikationslos wie von Schwangeren erhofft. Manche Frau empfindet das Erlebte als Gewalt und Respektlosigkeit – und leidet noch Jahre später darunter.

Ein kleiner Strich auf dem Türrahmen. 57 Zentimeter. Daneben das Foto eines Neugeborenen. 14. 02. 2016. Das Datum, an dem Nadine Laule ihre Tochter zur Welt brachte – und ihre Tortur begann. Die hörte auch nicht auf, als Laule 60, 70, 80 Zentimeter auf dem Türrahmen markierte. Ihre Tochter Ava wird kommende Woche vier Jahre alt.

Früher hat Laule drei Abteilungen eines Möbelherstellers geleitet. Sie ist Reiterin, eine, die fest im Sattel sitzt. Jetzt arbeitet die 41-Jährige als selbstständige Unternehmensberaterin von zu Hause aus. Durch die offene Balkontür blickt man auf einen Rasen und den Spielplatz für Ava. Die Dreijährige hat im Wohnzimmer aus Duplo-Steinen ein Krankenhaus gebaut. Sie wird Nadine Laules einziges Kind bleiben.

Eine Geburt mit Langzeitfolgen
Bei ihrer Geburt war Ava zu groß, verkeilte sich im Becken, erzählt Nadine Laule. Sie holt eine Mappe hervor, darin ein Geburtsbericht und ein Befund, zweieinhalb Jahr später erstellt. Nadine Laule, diagnostiziert eine Psychologin, leide als Folge der Umstände der Geburt an einer posttraumatischen Belastungsstörung, wie sie zum Beispiel Soldaten erleiden. Ein Trauma, das nicht auf dem Schlachtfeld, sondern im Kreißsaal entsteht?

Tatsächlich sprechen Frauen zunehmend von Gewalt bei der Geburt, vor allem in sozialen Medien, zum Beispiel in der Gruppe der "Roses Revolution". "Initiative für eine gerechte Geburtshilfe in Deutschland" nennt sich die 2013 ins Leben gerufene Bewegung. Auf ihrer Website ist von Beleidigungen und Demütigung die Rede. Von Dammschnitten oder Sterilisationen ohne Einwilligung, von Fixierungen, Prellungen, Einführen von Gegenständen in die Scheide ohne Nachfragen. Manche Frauen sprechen gar von ...

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