Erziehung

Wenn Eltern ihre Kinder mit dem GPS-Tracker überwachen

Mariella Hutt

Von Mariella Hutt

Mo, 24. Juni 2019 um 14:52 Uhr

Liebe & Familie

BZ-Plus Kontrollwahn oder Sicherheit? Eine Mutter, die bei der Freiburger Kriminalpolizei arbeitet, testet einen GPS-Tracker für ihre Tochter. Andere Eltern tun das schon lange. Von der Grenze zwischen Vertrauen und Freiheit.

Ein fast normaler Morgen im Haus der Familie Augustin in Freiburg. "Du stehst jetzt unter Beobachtung", sagt Nadine Augustin und schaut ihre Tochter an. "Ich weiß", antwortet Letizia und grinst. Es ist 7.20 Uhr. Die Neunjährige steht von der Couch auf, zieht ihre pinke Jacke an, schnallt ihren Schulranzen auf und nimmt den a schlüsselgroßen schwarzen GPS-Tracker in die Hand. Sie läuft die Gittertreppe zur Straße hinunter. Dann ist sie weg.

Tochter Letizia ist jetzt als kleiner orangefarbener Pfeil mit einer kleinen Figur auf dem Display zu erkennen
Nadine schaut ihrer Tochter nicht nach. Heute nicht. Sie blickt statt dessen auf ihr Handy, das auf dem Holztisch im Wohnzimmer liegt. Auf dem Display ist eine Karte des Freiburger Stadtteils St. Georgen zu sehen, darauf blinkt ein orangefarbener Pfeil mit einer kleinen Figur. Die kleine Figur ist Letizia. Alle 30 Sekunden aktualisiert sich ihr Standort. Blaue Pfeile und rote Streifen zeichnen den Schulweg der Drittklässlerin nach. Hält sie an, zeigt das ein gelber Pfeil mit einem Pausenzeichen an. "Cool", sagt die Mutter und schaut begeistert auf die Karte.

Begeistert sind auch die User im Internet. GPS-Tracker, Apps und Armbanduhren mit eingebauter Ortungsfunktion haben hunderte von Bewertungen. Laut der Befragung des Branchenverbands aus dem Jahr 2017 nutzt inzwischen schon mehr als jeder Zehnte einen GPS-Tracker – ein Gerät speziell zur Ortung von Gegenständen oder Personen. Jeder Zwanzigste überwacht seinen Nachwuchs damit. Die Sorge, dass sie Opfer eines Verbrechens werden könnten, wächst offenbar mit den technischen Möglichkeiten, obwohl die Zahl der Straftaten in Deutschland kontinuierlich zurückgeht.

Hat zuviel elterliche Überwachung Folgen für die Kinder?
2018 gab es laut Bundesinnenministerium die niedrigste Anzahl an verübten Straftaten seit 1992. Die Aufklärungsquote war noch nie so hoch – und doch scheint es, als würden Kinder und Jugendliche stärker kontrolliert als in allen vorherigen Generationen. Wie frei können sie angesichts der Überwachungstechnik heute überhaupt noch aufwachsen? Hat eine zu starke Fürsorge der Eltern sogar negative Folgen für den Nachwuchs?
Kolumne: In einer Emmendinger Kita ...

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