Retter auf 4 Pfoten

Was macht einen guten Rettungshund aus?

Karl-Heinz Fesenmeier

Von Karl-Heinz Fesenmeier

Mi, 25. November 2020 um 16:01 Uhr

Südwest

Bei der Suche nach einer vermissten Wanderin auf dem Schluchtensteig waren diesen Sommer auch 35 Rettungshunde im Einsatz. Woher kommen all diese Hunde und wer sind ihre Halter?

Als in diesem Sommer eine 26-jährige Studentin nicht von ihrer Wanderung auf dem Schluchtensteig im Südschwarzwald zurückkam, machten sich zahlreiche Männer und Frauen von Polizei, Feuerwehr, Bergwacht, Rotes Kreuz, Technisches Hilfswerk und Freiwillige auf die Suche nach ihr. Im Einsatz waren auch 35 Rettungshunde. Sie alle haben eine Ausbildung absolviert. Woher kommen all diese Hunde und wer sind ihre Halter?

In Baden-Württemberg sind knapp 650 Rettungshunde bei der Landesarbeitsgemeinschaft Rettungshunde registriert. Die Hunde und ihre Halter gehören zu verschiedenen Rettungshundestaffeln. Diese wiederum sind entweder Hilfsorganisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz, den Maltesern oder dem Technischen Hilfswerk angegliedert oder sie sind Mitglieder des Bundesverbands Rettungshunde (BRH).

All diese Hundehalter sind mit ihren Hunden Teil des Katastrophenschutzes und praktisch jederzeit einsetzbar. Sie arbeiten ehrenamtlich, auch für Einsätze bekommen sie kein Geld. "Profis" wie Polizei- und Zollhunde oder Hunde der Bergwacht und ihre Halter sind nicht Teil dieser Organisation.

Die Ausbildung zum Rettungshund

Bei der Landesarbeitsgemeinschaft Baden-Württemberg sind zurzeit 490 Flächensuchhunde, 100 Trümmersuchhunde, 55 Mantrailer (für gezielte Personensuche) und 6 Hunde für die Wassersuche gemeldet. Zu ihnen sollte bald auch die Hündin Susi zählen, die aber in diesem Sommer jung an Krebs gestorben ist. Ihr Halter, der Freiburger Stephan Reifsteck, der über viel Erfahrung mit Rettungshunden verfügt, will sich nach einer Trauerphase wieder einen vierbeinigen Begleiter zulegen, den er dann ausbilden will. "Zwei bis drei Jahre braucht es, bis ein Hund reif ist für die erste Prüfung", sagt Reifsteck. Er gehört zur Rettungshundestaffel (RHS) Breisgau-Ortenau. "Wir trainieren mit unseren Hunden normalerweise zwei Mal in der Woche", sagt er.

Es ist nicht immer der gleiche Trainingsplatz, sondern es sind verschiedene Areale, auf denen sich die Hundehalter mit ihren Hunden abwechselnd zum gemeinsamen Training treffen. Jeden Samstag und jeden Dienstagabend. Allerdings sei wegen der Corona-Krise zur Zeit kein Training. Im Moment zählt die RHS Breisgau-Ortenau 16 Teams für die Flächensuche und acht für die Trümmersuche. Flächensuchhunde würden etwa eingesetzt, um ein großes Waldstück nach einer vermissten Person abzusuchen. Der Hund sei immer mit seinem Hundeführer und einem Helfer unterwegs. Der Helfer kümmere sich um Funkverbindungen und GPS, er führt Karte, Kompass und Licht mit sich und ist für Erste Hilfe zuständig. Zusammen bilden die drei einen Suchtrupp.

Die Nase immer im Wind

"Der Vorteil von Rettungshundestaffeln ist, dass man in kurzer Zeit ein großes Gebiet absuchen kann." Das komme zum Beispiel vor, wenn sich jemand aus einem Altenheim in einem Wald verirrt hat. "Ältere Menschen laufen immer weiter, sie wollen nach Hause. Ein Kind, das nicht mehr aus dem Wald herausfindet, versteckt sich eher." Der Hund spüre, wonach er suche. "Einen Jogger oder Mountainbiker zeigt er nicht an", sagt Reifsteck. "Der Hund hat bei der Suche immer die Nase in der Luft." Dabei spielt der Wind eine wichtige Rolle. "Kommt er von links, kann der Hund nach rechts etwa 100 Meter weit riechen, aber nach links halt gar nicht", sagt Reifsteck.

Ganz anders gehen Trümmersuchhunde vor. "Sie lernen, langsam und kontrolliert über die Trümmer zu gehen, sind mit der Nase am Boden und suchen nach jedem Menschen." Sie würden hierzulande eingesetzt bei Gasexplosionen, Erdrutschen oder Zugunglücken. Dem Bundesverband stehen auch 50 Mitglieder mit ihrer Ausrüstung bereit, um bei Erdbeben oder anderen Katastrophen in anderen Ländern innerhalb weniger Stunden ins Einsatzgebiet abzureisen.

Jeder Hund muss die Prüfung jährlich wiederholen

Mit dem Mischling Barney wird der RHS Breisgau-Ortenau demnächst auch einen Mantrailer in ihren Reihen haben. Nur noch eine Teilprüfung fehle ihm, sagt Reifsteck. Diese Hunde durchlaufen die aufwändigste Ausbildung. "Sie nehmen den Geruch einer bestimmten Person auf und suchen ganz gezielt nach dieser." Führe die Spur in den Wald, könne man zusätzlich Flächensuchhunde einsetzen.

"Viel wichtiger als die Rasse ist es, dass ein Hund grundsätzlich freundlich und willig ist und Spaß an der Ausbildung hat." Stephan Reifsteck
"Jeder Hund muss eine Prüfung machen, die jährlich wiederholt wird", erzählt Reifsteck. Das gelte auch für den Hundehalter. Besonders geeignete Rassen gebe es nicht. "Bei uns sind die meisten Mischlinge." Allerdings gebe es schon Hunderassen, die für eine Ausbildung eher ungeeignet seien. Doggen etwa oder Windhunde oder winzige Hunde. Teilweise auch sogenannte Kampfhunde, die Reifsteck Listenhunde nennt. Allerdings befindet sich in den Reihen des RHS Breisgau-Ortenau mit einem American Staffordshire Terrier ein sogenannter Listenhund. "Viel wichtiger als die Rasse ist es, dass ein Hund grundsätzlich freundlich und willig ist und Spaß an der Ausbildung hat", sagt Stephan Reifsteck.

Die Rettungshundestaffel ist ständig in Verbindung mit dem Katastrophenschutz, der sich meldet, wenn er Hilfe braucht. In diesem Jahr wurde die Staffel 23 mal gerufen. Sehr oft werde nach älteren Menschen gesucht oder solchen, die sich in einer psychischen Ausnahmesituation befinden, sagt Reifsteck.