Wenn Mieter modernisieren

Monika Hillemacher

Von Monika Hillemacher (dpa)

Sa, 24. Oktober 2020

Haus & Garten

Vereinbarung zwischen Parteien empfohlen.

Bröckelnde Fugen, unansehnliche Fliesen, dunkle Ränder an der Toilette: Da wird es Zeit für eine Bad-Verjüngungskur. Meistens ist das ein aufwendiges Unterfangen. Mietern stellt sich die Frage, ob sie bei ihrem Vermieter Anspruch auf eine grundlegende Renovierung des Bads haben oder die Sache selbst in die Hand nehmen müssen.

Wohnungsgesellschaften bringen Bäder in der Regel in einem Rhythmus von 25 bis 30 Jahren auf Vordermann. "Das geschieht dann meist im Zuge umfangreicher Sanierungsarbeiten an den gesamten Wohnhäusern", erläutert ein Sprecher des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), der rund 3000 Unternehmen repräsentiert. Eine solche Grundrenovierung fällt meistens unter den Begriff Modernisierung, die wiederum eine Mieterhöhung nach sich ziehen kann.

Anspruch auf ein modernes, schönes Bad haben alteingesessene Mieter indes nicht. Gleiches gilt für eine bestimmte Badausstattung. Sie können lediglich erwarten, dass der bei Einzug bestehende Standard erhalten bleibt.

Wer 70er-Jahre-Charme in eigener Regie aus dem Bad verbannen will, redet am besten mit dem Eigentümer. Er allein entscheidet, ob er den Wunsch nach Erneuerung und Modernisierung erfüllt. "Ein Anspruch auf eine neue Wanne, eine neue Toilette oder ein Waschbecken besteht für Mieter erst, wenn die vorhandenen Teile defekt sind", erläutert Jutta Hartmann vom Deutschen Mieterbund (DMB) in Berlin. Auf die Instandsetzung haben Mieter im Unterschied zur Bad-Modernisierung ein Recht.

Grundsätzlich können Mieter ohne Rücksprache mit dem Vermieter auf eigene Kosten aktiv werden. Zumindest gilt das für kleinere Umgestaltungen wie frische Farbe, einen neuen Duschvorhang oder eine transportable Duschkabine. Bei weitergehenden Plänen ist aber Vorsicht geboten. "Veränderungen, die in die Substanz eingreifen, oder größere bauliche Maßnahmen erfordern eine Erlaubnis des Vermieters", sagt Hartmann. In diese Kategorien fallen unter anderem Fliesen abklopfen und neue anbringen, der Austausch von Waschbecken, Toiletten, Badewannen, Duschen und Heizungen. Selbst das Erneuern von Fugen kann heikel sein.

Eingriffe nicht ohne Vermieterzustimmung

Ohne Zustimmung des Vermieters drohen Probleme. "Im besten Fall bleiben Mieter auf ihren Kosten sitzen. Im schlechtesten Fall kann der Vermieter verlangen, dass der Mieter die Modernisierung wieder rückgängig macht", warnt Julia Wagner, Referentin Recht beim Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland. Dann müssten Mieter spätestens bei Auszug den alten Zustand wieder herstellen. Das kann schwierig werden.

In der Praxis werden Vermieter sich eher über die Eigeninitiative ihrer Mieter freuen. Ersetzen Mieter etwa die noch funktionstüchtige Standtoilette durch ein komfortables, wandhängendes WC, erhöht sich der Gebrauchswert der Wohnung. Das könnte der Vermieter nutzen, um die Miete zu erhöhen. Aus Mietersicht wäre die Renovierung dann doppelt teuer.

Zur Absicherung ihres Investments empfehlen Wagner und Hartmann Mietern, vor Beginn selbstgeplanter Modernisierungen eine schriftliche Vereinbarung zu treffen. Darin regeln sie mit dem Vermieter, welche Arbeiten gemacht werden und verständigen sich über die Kosten.

Denkbar sind verschiedene Varianten. Der Mieter zahlt allein, im Gegenzug setzt der Vermieter für einen bestimmten Zeitraum die Miete aus oder verzichtet auf deren Erhöhung. Oder beide Seiten einigen sich darauf, Arbeits- und Materialausgaben aufzuteilen.

Festgelegt werden sollte außerdem, ob der Vermieter Wertersatz leisten muss, falls der Mieter auszieht, bevor er seine Bad-Investition abgewohnt hat. Es ist ratsam, Installationsarbeiten einem Fachbetrieb zu überlassen, um später für eventuelle Mängel nicht haftbar gemacht zu werden.