Wer ausbildet, wird belohnt

dpa,bür

Von dpa & Ronny Gert Bürckholdt

Do, 25. Juni 2020

Wirtschaft

Regierung bringt Prämien von bis zu 3000 Euro pro Lehrstelle voran / Kritik aus dem Maschinenbau.

(dpa/bür). Aus der Wirtschaftskrise infolge der Corona-Pandemie soll nicht auch noch eine Ausbildungskrise werden. Daher hat das Bundeskabinett Hilfen für angeschlagene Betriebe auf den Weg gebracht, die ihre Lehrlinge halten und weiter ausbilden. Pro Ausbildungsplatz soll es bis zu 3000 Euro geben können. Lob kommt aus Südbadens Wirtschaft.

Man wolle dafür sorgen, "dass kein Schulabgänger und keine Schulabgängerin von der Schulbank ins Nichts fällt", sagte Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Das Programm werde 500 Millionen Euro kosten. Es basiert auf Vereinbarungen zwischen Bundesregierung, Bundesagentur für Arbeit (BA), Ländern, Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften.

Mit dem Programm soll kleinen und mittleren Unternehmen mit bis zu 249 Mitarbeitern geholfen werden, die mit starken Umsatzeinbrüchen und Kurzarbeit zu kämpfen haben, aber ihre Ausbildungsplätze erhalten oder ausbauen.

Wer weiter ausbildet wie in den vergangenen drei Jahren soll für jeden für das Ausbildungsjahr 2020 abgeschlossenen Vertrag einmalig 2000 Euro bekommen. Firmen, die ihre Plätze aufstocken, sollen 3000 Euro für jeden zusätzlichen Ausbildungsplatz bekommen. Außerdem ist eine Prämie von 3000 Euro geplant für Firmen, die Azubis von pandemiebedingt insolventen Betrieben übernehmen. Zudem will der Staat mit 75 Prozent bei der Zahlung der Ausbildungsvergütung einspringen, wenn Firmen ihre Auszubildenden und Ausbilder bei hohem Arbeitsausfall nicht in Kurzarbeit schicken.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Südlicher Oberrhein lobte die Prämie als psychologisch wichtig. "Derzeit stehen viele Ausbildungsbetriebe vor der Frage, ob und wie viele Ausbildungsplätze sie anbieten können. Da kann der Zuschuss am Ende den Ausschlag geben", sagte der bei der IHK für Aus- und Weiterbildung zuständige Simon Kaiser. In diesem Jahr habe die IHK bis Ende Mai 17 Prozent weniger Ausbildungsverhältnisse eingetragen als im Vorjahreszeitraum. Die Regierung müsse ihren Plan nun zügig umsetzen, so Kaiser, damit die Unternehmen Planungssicherheit hätten.

Der Maschinenbauverband VDMA kritisierte die Beschränkung des Hilfsprogramms auf Firmen bis maximal 249 Mitarbeiter. Die Initiative sei im Ansatz gut. "Aber leider werden viele Unternehmen im deutschen Maschinenbau davon nicht profitieren können", sagt der Leiter der VDMA-Bildungsabteilung, Jörg Friedrich.

Die BA hatte zuvor von einem "auffälligen Rückgang" bei den gemeldeten Ausbildungsstellen gesprochen – etwa in der Gastronomie, im Friseurhandwerk, im Maschinenbau, in kaufmännischen Berufen und im Berufskraftverkehr. Gleichzeitig waren aber noch 250 000 Ausbildungsstellen unbesetzt.