Kinderbetreuung

Wer mit Kindern im Homeoffice arbeitet, kennt die Situationen

Judith Mauch

Von Judith Mauch (Freiburg)

Mi, 17. Februar 2021

Leserbriefe

Zu: "Die Vorstellung von derzeitigen Familienalltag ist eine reine Utopie", Zuschrift von Matthias Schmid-Burgk (Forum, 1. Februar)

Es gibt Eltern, die zur Zeit in Präsenz arbeiten müssen, weil ihr Job nicht im Homeoffice leistbar ist (Pflege, Verkauf, Polizei, Notbetreuungen et cetera). Und es gibt Eltern, die gerade im Homeoffice arbeiten. Homeoffice mit Kindern ist anstrengend, vieles bleibt auf der Strecke, die Eltern sind manchmal gereizt und überfordert, die Kinder bekommen nicht die optimale Zuwendung und Unterstützung, während eines Telefonats braucht ein Kind Hilfe. Wer mit Kindern im Homeoffice arbeitet, kennt die Situationen. Ich spreche aus eigener Erfahrung mit vier Kindern zuhause (inklusive Grundschul- und Kindergartenalter).

Wenn jetzt aber zunehmend Eltern im Homeoffice auch ihre Kinder in die Notbetreuung schicken, dann ist es keine Notbetreuung mehr, sondern Regelbetrieb – und das ist in meinen Augen unverantwortlich gegenüber den Erzieherinnen und Erziehern und den Lehrerinnen und Lehrern an den Grundschulen. Und ein oder zwei gleichbleibende private Kontakte mit der Nachbarschaft sind nicht vergleichbar mit zehn bis 15 Kindern in einer Kindergartengruppe/Notbetreuung. Vielleicht würden die Betreuungspersonen auch lieber zuhause auf die eigenen Kinder aufpassen, anstatt diese selbst in die Notbetreuung zu geben, um dann "fremde" Kinder zu betreuen.

Der Hinweis, dass in Kindereinrichtungen meist junge Menschen arbeiten, deren Krankheitsverlauf harmlos ist, ist zynisch. Weil der Verlauf vielleicht harmlos ist, dürfen sie sich anstecken? Was für ein Menschenbild – zumal diese Menschen vielleicht auch Risikopatienten in ihrem Umfeld haben. Judith Mauch, Freiburg