Wer sind die Bewerber?

Ralf Strittmatter

Von Ralf Strittmatter

So, 06. Oktober 2019

Müllheim

Der Sonntag Die Kandidatenvorstellung zur Bürgermeisterwahl Müllheim war gut besucht.

In einer Woche wird in Müllheim ein neuer Bürgermeister gewählt. Diese Woche stellten sich die Kandidaten im Bürgerhaus offiziell vor. Noch ist nichts entschieden, aber erste Tendenzen sind zu erkennen.

Bekannt sind die Namen der Bewerber seit Wochen. Am Dienstag präsentierten sich nun fünf der sechs Kandidaten um das Amt des Bürgermeisters im Bürgerhaus bei der offiziellen Kandidatenvorstellung.

Die Möglichkeit, sich ein Bild der Anwärter Martin Löffler, Raphael Fechler, Lucas Lacher, Frank Lindstedt und Markus Bortoli zu machen – Dauerkandidat Samuel Speitelsbach war nicht da – nahmen gut 1000 Einwohner im und vor dem Bürgerhaus wahr, das Geschehen wurde nach draußen auf eine Leinwand übertragen. Zudem richteten die Verantwortlichen der Gemeindeverwaltung für Interessierte einen Livestream der Veranstaltung im Internet ein.

Zu Beginn erklärte die amtierende Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich, der Abend sei zweigeteilt in Einzelvorstellung und Fragerunde. Die Reihenfolge im ersten Teil richte sich nach dem Wahlzettel, also dem Eingang der Bewerbungen. Jeder Kandidat habe 15 Minuten Redezeit, während die Mitbewerber, vom Geschehen abgeschirmt, warten müssten.

Heitersheims Noch-Bürgermeister Martin Löffler wird im Ort als Favorit gehandelt. Sein Auftritt wirkte routiniert und rhetorisch gut ausgearbeitet. Löffler setzt vor allem auf seine Erfahrung, als Bürgermeister, im Kreistag und als Vorsitzender des Bürgermeistersprengels Markgräflerland. Als Grund für die Kandidatur gab er an, dass Müllheim für ihn attraktiv sei, nicht wegen der Größe, sondern als untere Verwaltungsbehörde für Baurecht oder Verkehr: "Das bietet tolle Gestaltungsmöglichkeiten, die ich in Heitersheim nicht habe."

Als Themen nannte er bezahlbares Wohnen durch Genossenschaftswohnbau und möglichst viele Bauflächen in städtischem Eigentum, sowie eine Stadtentwicklung mit moderatem Wachstum, damit die Infrastruktur mitwachsen könne.

Der Karlsruher Raphael Fechler wirkte bei seiner Einzelvorstellung nervös. Er beteuerte, für Müllheim zu brennen, brachte das aber selten zum Ausdruck. Fechlers inneres Feuer bekamen die Zuschauer zu sehen, als er Müllheim bildhaft als Haus beschrieb – "mit guter Substanz und tollen Ecken". Dieses Haus auch für künftige Generationen neu aufzustellen, hieße, Dinge zu hinterfragen. "Wir brauchen einen Plan, eine Perspektive", so Fechler und bezeichnete die Bürgermeisterwahl als Schicksalswahl. Als Themen, die ihn bewegen, nannte er die Stadtplanung und soziale Gerechtigkeit. Die Mittel, um Müllheim zukunftsfähig aufzustellen, seien für den Arzt der enge Dialog mit den Bürgern und Haushaltskonsolidierung.

Die Innenstadt beleben

Lucas Lacher trat mit kurzen, klaren Sätzen zielstrebig auf und wirkte, trotz Mitgliedschaft in der Satirepartei "Die Partei" ernster als erwartet. "Müllheim hat mir viel gegeben, darum will ich Bürgermeister werden." Seine direkte Art brachte Schwung in die Veranstaltung, die Zuschauer belohnten es mit Zwischenapplaus. Inhaltlich brachte Lacher viele konstruktive Vorschläge, etwa ein Kulturzentrum mit Hostel im ehemaligen Jugendgefängnis einzurichten, um Leben in die Stadt zu bringen, eine Verkehrsberuhigung der Innenstadt oder das kostenlose Busfahren für Senioren. Wie er das umsetzen wolle, gab Lacher zu, wisse er noch nicht.

Frank Lindstedt kandidiert in Müllheim, weil er Verantwortung übernehmen möchte. Lindstedt sagte, die Stadt müsse als Wirtschaftsstandort stark bleiben: "Wenn die Stadt wächst, braucht es Arbeitsplätze." Lindstedt äußerte eine klare Vorstellung davon, was er in Müllheim realisieren will, falls er gewählt würde: Förderung des lokalen Handels, Nahverkehr (ÖPNV) etwa durch Rufbusse stützen, Baugebiete für bezahlbaren Wohnraum erschließen oder das Radwegenetz in der Innenstadt ausbauen. Er räumte aber ein: "Nur mit konsolidiertem Haushalt können Ideen realisiert werden."

Der zweite Kandidat von "Die Partei", Markus Bortoli, kam bei den Zuschauern nicht gut an. Sein Satireprogramm bei der Einzelvorstellung wirkte mit Wortspielen und Kalauern eher bemüht als scharf. Applaus erntete er, als er das Ende seiner Rede ankündigte, um "die Aufmerksamkeit der Zuschauer nicht unnötig zu strapazieren". In der Fragerunde gab Bortoli überraschend seriöse Antworten. Deutlich wurde im zweiten Teil der Veranstaltung aber, dass die Bürger mit Fragen vor allem an Löffler, Fechler und Lindstedt eher nach konstruktiven Antworten suchten. Die wesentlichen Themen, die sie beschäftigten: der Bahnhof, ÖPNV, Gewerbe, Schulen, Klimawandel und Haushalt.