Gesundheit

Wetterfühligkeit ist keine Einbildung

Julia Felicitas Allmann

Von Julia Felicitas Allmann (dpa)

Do, 29. Oktober 2020 um 21:03 Uhr

Gesundheit & Ernährung

Viele Menschen bezeichnen sich selbst als wetterfühlig. Freiburger Forscher geben ihnen Recht: Kopfschmerzen, schlechter Schlaf, und Schwindel können vom Wetter ausgelöst werden.

"Es ist eindeutig nachgewiesen, dass Wetterfühligkeit existiert", betont Angela Schuh, Leiterin des Fachbereichs für Medizinische Klimatologie, Kurortmedizin und Prävention an der Ludwig-Maximilians-Universität München. "Knapp die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland leidet darunter." Doch nicht jeder, der Auswirkungen des Wetters spürt, ist unbedingt wetterfühlig. "Wir unterteilen Menschen in verschiedene Gruppen", erklärt Andreas Matzarakis, der als wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg arbeitet. Er führt aus: "Wetterreagierend sind wir eigentlich alle. Wenn die Sonne scheint, freuen wir uns. Wenn es drei Tage hintereinander regnet, schlägt das auf die Stimmung."

"Wetterempfindliche Menschen haben meist eine längere Krankheitsgeschichte." Andreas Matzarakis
Bei wetterfühligen Menschen reagiert jedoch nicht nur die Stimmung, sondern auch der Organismus auf Wetteränderungen. "Wenn etwa nach einem Hochdruckgebiet ein Tiefdruckgebiet kommt, wird das zu einer verstärkten Herausforderung für den Körper", so der Biometeorologe. Die dritte Gruppe – neben wetterreagierenden und wetterfühligen – sind wetterempfindliche Menschen: "Sie zeigen sehr starke Symptome, zum Beispiel schmerzt ihr Knie oder sie haben Atembeschwerden", sagt Matzarakis. In diesen Fällen sei das Wetter nicht die Ursache für die Probleme, aber es verstärke sie. "Wetterempfindliche Menschen haben meist eine längere Krankheitsgeschichte."

Bei einer Wetterfühligkeit müssen keine chronischen Erkrankungen vorliegen. Es gibt jedoch verschiedene Voraussetzungen, die Menschen anfällig dafür machen: "Mitverantwortlich für Wetterfühligkeit ist der Trainingszustand des Körpers", erklärt Angela Schuh. "Ein Ausdauertrainingsmangel wirkt sich negativ aus, gleichzeitig sind auch Menschen, die übertrainiert sind, besonders empfindlich", sagt die Expertin. Zur Prävention wirke am besten leichtes, moderates Ausdauertraining. Auch ein sogenannter thermoregulatorischer Trainingsmangel führe zur Wetterfühligkeit. "Dieses System können wir ebenfalls trainieren", so Schuh. "Zum Beispiel durch Kneippsche Anwendungen, Warm-Kalt-Duschen oder Saunabesuche – immer in Absprache mit einem Arzt."

Tiefdruckgebiete gelten als besonders heikel

Ernährung und Schlafverhalten sind weitere Faktoren: "Wer Wetterfühligkeit wegtrainieren will, sollte allgemein ein gesundes Leben führen", sagt die Expertin. "Dazu gehört auch die Beachtung der inneren Uhr und ausreichender Schlaf." Insgesamt hilft ein guter Gesundheitszustand dabei, Wetterwechsel ohne Probleme zu überstehen. Vor allem ein Wetterumschwung kann wetterfühlige Personen aus dem Gleichgewicht bringen und neben Schwindel oder Kopfschmerzen auch zu gereizter Stimmung, Konzentrationsstörungen und Nervosität führen. "Die meisten Symptome der Wetterfühligkeit zeigen sich bei Tiefdruckgebieten", erklärt Matzarakis. Durch Hochdruckgebiete treten in der Regel die wenigsten Beschwerden auf, es sei denn, sie bringen starke Hitze mit sich.

Das Wetter kann nicht nur negative, sondern auch positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben: "Rheumatische Beschwerden oder Herz-Kreislauf-Probleme können gelindert werden." Ist man anfällig für Wetterwechsel und möchte gewappnet sein, kann man sich Vorhersagen zum Bio- oder Gesundheitswetter ansehen. Wie wirksam diese sind, darüber sind Fachleute allerdings uneinig. Der DWD stellt diese Informationen online zur Verfügung. Matzarakis ist der Meinung, dass sie Betroffenen helfen können: "Wer wetterfühlig ist und sich die Vorhersagen ansieht, kann reagieren", sagt er. "Man kann sich besonders gut ernähren oder mehr Flüssigkeit zu sich nehmen." Das könne Beschwerden mildern.

Frauen sind stärker betroffen als Männer

Angela Schuh steht den Vorhersagen eher skeptisch gegenüber: "Wer wirklich darunter leidet, der weiß auch anhand des normalen Wetterberichts, was auf ihn zukommt", sagt sie. "Wir befürchten eher, dass diese Vorhersagen die Menschen nervös machen können." Von Wetterfühligkeit seien Frauen etwas mehr als Männer betroffen, weil ihre Thermophysiologie anfälliger sei, erklärt Matzarakis. "Sie haben eine größere Körperoberfläche in Bezug auf ihr Gewicht, außerdem weniger Schweißdrüsen. Deshalb leiden sie stärker unter Hitze und großer Kälte."

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