Seminar in Ebringen

Whisky-Kenner: "Ein guter Whisky sollte jedem schmecken"

Saskia Burkart

Von Saskia Burkart

Fr, 31. Januar 2020 um 15:07 Uhr

Ebringen

In den Regalen des Hartheimer Whiskyshops verbergen sich flüssige Schätze – Inhaber Bernd Tritschler leitet auch Whisky-Seminare für die Volkshochschule wie am heutigen Samstag in Ebringen.

BZ: Herr Tritschler, Sie werden am Samstag vier Stunden lang über Whisky reden. Dann legen Sie doch mal los.
Tritschler: Also vier Stunden am Stück werde ich nicht reden. Aber es gibt oft Teilnehmer, die noch nie einen Whisky getrunken haben. Dann erkläre ich zuerst, dass er aus Getreide gemacht wird. Wenn ich dann einen neuen Whisky einschenke, berichte ich etwas über die Destillerie, also darüber, wo der Whisky gebrannt wird. Um die Aromen zu zeigen, benutze ich eine Sprühflasche. (Sprüht sich etwas Whisky auf die Hand) Der hier hat ein starkes Raucharoma, das riecht sehr intensiv und lange. Wenn Damen in der Runde sind, verwende ich auch meistens Whiskys, die nicht so sehr stinken. Der "Floki" aus Finnland wird zum Beispiel mit Schafsdung geräuchert – das riecht man. Und für einige schmeckt es auch etwas gewöhnungsbedürftig.

BZ: Wie beschreiben Sie die einzelnen Aromen in einem Whisky?
Tritschler: Die Schotten benutzen ganz wirre Vergleiche, um ihren Whisky zu beschreiben. Zum Beispiel: Das riecht wie gelbe Blüten an einem Bachlauf bei Sonnenaufgang – das ist doch Quatsch. Erstens: Wer kennt schon die gelben Blüten? Zweitens: Wer ist denn bei Sonnenaufgang an einem Bachlauf? Ich gebe da vernünftigere Vergleiche, mit denen die Teilnehmer etwas anfangen können, wie "die Aromen sind kräftig, leicht süß und schmecken nach altem süßen Wein".

BZ: Wenn es ans Probieren geht, gibt es eine Technik, wie man die einzelnen Aromen am besten herausschmeckt?
Tritschler: 90 Prozent der Aromen kann man allein durch Riechen, das sogenannte Nosing, herausfinden. Um einen Whisky zu beschreiben, müsste man ihn eigentlich gar nicht probieren. Ein Glas, in dem ein guter Whisky war, duftet auch am nächsten Morgen noch nach ihm. Den Whisky auf meiner Hand riecht man auch immer noch (streckt die Hand hin).
BZ: Tatsächlich. Riecht genau so intensiv wie ein Parfüm.
Tritschler: Parfümhersteller sind ständig auf der Suche nach Gerüchen, die lange anhalten. Whisky eignet sich dafür ganz gut. Er sollte aber nicht nur gut riechen, sondern auch schmecken. Man darf Whisky nie zu kalt stellen. Sonst verschwinden die Aromen.
BZ: Brennen Sie auch selber?
Tritschler: Ich weiß zwar, wie es geht, mache es aber nicht. Ich kaufe die Whiskys beim Hersteller und setze hier dann bei manchen das Finish. Das heißt, ich lagere sie in Fässern. Dadurch bekommen sie neue Aromen und ändern die Farbe. Zurzeit habe ich drei Whiskys, bei denen ich selbst das Finish setze: Der "Hardemer Whisky" wird hier im Schwarzwald gebrannt und bei mir in Portweinfässern gelagert. Der "Tomatin" kommt aus den Highlands in Schottland, ich fülle ihn in ein Gewürztraminerfass aus Frankreich. Der "Glenlossi" ist aus der schottischen Region Speyside. Er reifte in Schottland in einem großen Sherry-Fass und erhielt hier sein Finish in einem Holzfass, das zuvor mit Markgräfler Gewürztraminer belegt war.
BZ: Ein Glas Whisky in der einen Hand, eine Zigarre in der anderen – das ist ziemlich in Mode. Wie erklären Sie sich die Begeisterung für Whisky?
Tritschler: Den Trend gibt es schon seit den 80er Jahren. Whisky war immer wieder mehr oder auch weniger gefragt – aber nie vom Markt wegzudenken. Ich bin überzeugt, dass das so bleiben wird. Zurzeit beobachte ich, dass jeder, der etwas von sich hält, meint, Whisky trinken zu müssen. Es gibt auch Sammler, die Flaschen von teuren Whiskys kaufen und sich die dann ins Regal stellen – aber für mich ist Whisky zum Trinken da. Ein Sammler in Vietnam soll die teuerste Sammlung der Welt haben, über 14 Millionen Dollar, alles nur Whisky. Im Moment gibt es den neuen Trend, dass sich Menschen selbst ein kleines Fass kaufen und bei sich zu Hause das Finish machen.
BZ: Verraten Sie zum Schluss noch, was für Sie einen guten Whisky ausmacht?
Tritschler: Ein guter Whisky sollte jedem schmecken und nicht zu stark sein. 55 bis 60 Prozent Alkoholanteil sind für mich das Optimum. Verdünnen kann ja jeder selber, so wie er es haben will.

Bernd Tritschler (68) ist seit 22 Jahren der Inhaber von "the-whisky-shop" in Hartheim. Am Samstag, 1. Februar, leitet er ab 17 Uhr ein Nosing und Tasting mit nordischen Whiskys in der Schlossscheune in Ebringen, Kosten: 60 Euro; Anmeldung unter vhs-bad-krozingen.de oder bei Christa Sutter per Mail an sutter@vhs-bad-krozingen.de