Weltgesundheitsorganisation

WHO sieht Anzeichen für Corona-Übertragung in der Luft – USA ausgetreten

dpa

Von dpa

Di, 07. Juli 2020 um 20:42 Uhr

Ausland

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht zunehmende Indizien dafür, dass sich das neuartige Coronavirus auch über mehrere Meter hinweg in der Luft übertragen kann.

Die USA sind nach Angaben des führenden Demokraten im Auswärtigen Ausschuss des Senats, Bob Menendez, offiziell aus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgetreten. Darüber sei der Kongress am Dienstag informiert worden, twitterte Menendez. US-Präsident Donald Trump hatte Ende Mai mitten in der Corona-Pandemie den Abbruch der Beziehungen seines Landes mit der WHO verkündet. Ende Juni hatte es von Seiten der WHO geheißen, dass noch kein offizielles Schreiben zur Beendigung der Zusammenarbeit eingegangen sei. Der Austritt wird mit der heutigen Ankündigung, deren Eingang von der UN bestätigt wurde, in einem Jahr wirksam, am 6. Juli 2021.

Trump wirft der WHO vor, zu spät über die Gefahr des Coronavirus informiert zu haben und unter der Kontrolle der Regierung in Peking zu stehen, obwohl China geringere Beiträge an die Organisation zahle als die USA. Er machte die in Genf ansässige Organisation mitverantwortlich für die hohe Anzahl der Toten. Die WHO habe sich zudem notwendigen Reformen verschlossen. Der US-Präsident beschuldigt zudem China, die weltweite Verbreitung des Coronavirus nicht verhindert zu haben, und droht mit Konsequenzen.

WHO sieht Anzeichen für Corona-Übertragung in der Luft

Die WHO sieht zunehmende Indizien dafür, dass sich das neuartige Coronavirus auch über mehrere Meter hinweg in der Luft übertragen kann. WHO-Expertin Benedetta Allegranzi sprach am Dienstag von möglichen Beweisen für diese These. Sie forderte die Mitgliedstaaten auf, "offen" für diese Erkenntnisse zu sein – und für "die Vorsichtsmaßnahmen, die getroffen werden müssen".

Eine Gruppe aus 239 internationalen Wissenschaftlern hatte zuvor angesichts der weltweiten Lockerungen bei den Corona-Einschränkungen Alarm geschlagen und auf Studien verwiesen, wonach sich das neuartige Coronavirus auch über einen Abstand von mehr als zwei Metern in der Luft übertragen kann.

Schutz vor Aerosolen unzureichend

In einem am Montag in der Fachzeitschrift "Clinical Infectious Diseases" veröffentlichten Artikel warnten die Experten davor, dass sich das Virus über "kleine bis mittlere Distanzen" in der Luft übertragen könne. Diese Distanzen reichten von "mehreren Metern bis zur Größe eines Raums". Zwar seien häufiges Händewaschen und Abstandsregeln "angemessene" Maßnahmen, schrieben die Wissenschaftler. Zugleich seien sie aber unzureichend, um ausreichenden Schutz vor Mikrotröpfchen zu gewährleisten, die als Aerosole in der Luft schweben und das Virus in sich tragen können.

WHO-Chef warnt vor Verharmlosung

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus warnte am Dienstag erneut davor, die Corona-Pandemie zu verharmlosen. "Der Ausbruch beschleunigt sich, und wir haben eindeutig noch nicht den Höhepunkt der Pandemie erreicht", sagte er.

Nach WHO-Angaben wurden am Wochenende weltweit 400.000 Neuinfektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 registriert. Die USA sind nach wie vor das weltweit am schwersten betroffene Land. Dort starben bereits mehr als 130.000 Menschen an den Folgen einer Corona-Infektion, mehr als 2,9 Millionen Menschen haben sich angesteckt. An zweiter Stelle der Statistik folgt Brasilien mit 1,6 Millionen Infektions- und 65.000 Todesfällen. Am Dienstag wurde bekannt, dass auch Präsident Jair Bolsonaro positiv auf das Coronavirus getestet wurde.