Wie Authentizität zum Desaster bei der Familienfeier ausarten kann

Nicolaus Wilhelm

Von Nicolaus Wilhelm

Mi, 14. Oktober 2020

Rust

Im Rahmen des BZ-Wissensforums im Europa-Park in Rust referierte die Psychologin Monika Matschnig über "Authentizität, Souveränität, Präsenz".

. In der Vortragsreihe des BZ-Wissensforum der Badischen Zeitung im Europa-Park in Rust war am Montagabend die Referentin Monika Matschnig eingeladen. Unter strenger Berücksichtigung der Corona-Hygieneregeln verfolgten etwa 80 Zuhörer den Vortrag zum Thema "Authentizität, Souveränität, Präsenz".

Die Referentin
Monika Matschnig ist Psychologin und Fachfrau für Körpersprache und Wirkungskompetenz. Der Focus adelt sie als "Deutschlands Körpersprache-Expertin Nr. 1". Sie ist Dauergast bei fast allen Sendeanstalten und als Keynote-Speaker, Buchautorin, Beraterin und Coach tätig. Ihre Expertise nehmen Manager, Politiker, Führungskräfte, aber auch Privatpersonen in Anspruch.

Die Österreicherin spielte früher in der österreichischen Volleyball-Nationalmannschaft und schon damals erkannte sie: Wer gewinnen will, muss innere Haltung und körperlichen Ausdruck in Einklang bringen. In ihrem Flyer drückt Monika Matschnig es so aus: "Wirkungskompetenz hat Sachkompetenz überholt: Nur wer wirkt, wird gesehen, gehört und verstanden".

Ein verkannter Mythos?
Monika Matschnig erfragte unter den Zuhörern, welche Persönlichkeiten sie als besonders echt erfahren. Sehr schnell identifizierte das Plenum den früheren US-Präsidenten Barrack Obama als die Person, die landläufig in jeder Lebenslage authentisch bezeichnet wird. Dies ist jedoch nicht Resultat einer allgegenwärtigen Authentizität, sondern Ergebnis seines Charismas, das sich zusammensetzt aus den Elementen Expressivität, Kontrolle und Sensitivität, so Matschnig. Selbst, wenn Obama die Tränen in die Augen schießen, verliere er nie die Kontrolle – seine Wirkung erreiche er durch bewusste Inszenierung. Matschnig räumte mit dem Mythos der Authentizität auf: "Wenn man sich immer authentisch zeigen würde, wird man schnell sehr einsam und jede Familienfeier würde zum kompletten Desaster ausarten."

Körpersprache in Zeiten von Corona
Auch ihre Aktivitäten seien durch die Corona-Pandemie eingeschränkt, sagte Matschnig. Auch wenn sie froh sei, überhaupt wieder Vorträge halten zu können, stelle es sich als ein Referieren in leeren Räume dar. Das aktive Interagieren mit dem Publikum sei aufgrund der Abstandsregeln erheblich limitiert. Selbstredend sei das bewusste Einsetzen der Körpersprache, wobei die Mimik ein wesentliches Element ist, durch die Maskenpflicht erheblich eingeschränkt. Der Einsatz eines gewinnenden Lächelns sei schlichtweg nicht möglich – Matschnigs Tipp: "Bringen sie durch Grinsen ihre Augenfältchen zum Einsatz."

Wer in pflegenden Berufe oder mit Kindern arbeite, dem empfahl Matschnig den Einsatz von Aufklebern mit einem Porträtbild, damit das Gegenüber trotz Maske eine bessere Vorstellung hat, mit wem er es zu tun hat.

Bei den allgegenwärtigen Videokonferenzen sollte man vor allem Bewegungen und Gesten nach vorne vermeiden, welche den Effekt hätten, dass sie das Gegenüber einschüchtern.

Praktische Demonstrationen.
Mit mehreren Beispielen demonstrierte Monika Matschnig die Wirkung der Inkongruenz von verbaler Aussage und Gestik und Mimik. Sie demonstrierte eindrucksvoll, wie wertvolle Aussagen verpuffen, wenn sie nicht überzeugend präsentiert werden. Auch gab sie dem Publikum praktische Tipps, wie man selbst die eigene Stimmung durch veränderte Körperhaltung manipulieren kann. In diesem Teil hatte Matschnig ihre stärksten Momente, humorvoll und charmant begeisterte sie das Plenum und animierte den Saal zur intensiven Teilnahme, trotz der gebotenen räumlichen Distanz.

Fazit
Trotz erheblicher coronabedingter Einschränkungen konnte der Vortrag von Monika Matschnig begeistern. Gemäß einem Motto auf ihrer Homepage "Sie lebt, was sie lehrt". Trotz ihrer körperlich eher zierlichen Erscheinung zeigt sie eine unglaubliche Bühnenpräsenz. Sie dokumentierte eine humorvolle Expressivität, hatte immer die Kontrolle über das Geschehen und ist mit einer hohen Sensitivität auf das Publikum zugegangen – und hat damit alle Kriterien für eine charismatisches Erscheinungsbild erfüllt.

Der nächste Vortrag im Rahmen des BZ-Wissensforum im Europa-Park ist am Dienstag, November, 19.30 Uhr. René Borbonus spricht über das Thema "Wissen, was zählt – und darüber reden". Weitere Informationen und Eintrittskarten gibt es unter http://mehr.bz/bzwissen