Kleine Löcher, großer Ärger

Wie beim Auszug mit Bohrlöchern umgegangen werden muss

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Von dpa

Do, 18. März 2021 um 19:06 Uhr

Haus & Garten

Den Spiegel in der Wand oder den Badezimmerschrank in den Fliesen verdübeln: Wer seine Wohnung einrichtet, setzt öfter mal den Bohrer an. Beim Auszug können die kleinen Löcher aber für Streit sorgen.

» Müssen Mieter beim Auszug alle Bohrlöcher schließen?
"Grundsätzlich hat der Mieter eine Dekorationsfreiheit für seine Wohnung", stellt Rechtsanwältin Beate Heilmann von der Arbeitsgemeinschaft Mietrecht und Immobilien im Deutschen Anwaltverein in Berlin klar. Der Deutsche Mieterbund weist auf eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs hin (Az.: VIII ZR 10/92). Demnach ist eine Regelung im Mietvertrag, wonach der Mieter bei Beendigung des Mietverhältnisses verpflichtet ist, Dübeleinsätze zu entfernen, Löcher ordnungsgemäß und unkenntlich zu verschließen und durchbohrte Kacheln zu ersetzen, unwirksam. Das Landgericht Wuppertal entschied zwar, dass Mieter immer zur Beseitigung von Dübel- oder Bohrlöchern verpflichtet seien (Az.: 9 S 18/20), das sei allerdings laut Heilmann ein einzelnes Urteil, das keine allgemeine Gültigkeit hat.

Was gilt, wenn Mieter zu Schönheitsreparaturen verpflichtet sind?
Sind Mieter beim Auszug verpflichtet, Schönheitsreparaturen in der Wohnung auszuführen, gehört dazu auch das Beseitigen der Dübellöcher, so der Deutsche Mieterbund. Das hat auch praktische Gründe, sagt Siegmund Chychla, Geschäftsführer des Mietervereins zu Hamburg. "Wenn der Mieter zu Schönheitsreparaturen verpflichtet ist, muss er in der Regel die Wände streichen oder tapezieren", erklärt er. "Werden vorher die Bohrlöcher nicht fachgerecht verschlossen, kann ein frischer Anstrich die Unebenheiten der Wand oder der Tapete nicht beseitigen." Ohne diese Verpflichtung könnten Bohrlöcher dagegen bleiben und auch die Wände müssten nicht gestrichen oder tapeziert werden.
» Wie viele Bohrlöcher muss ein Vermieter dulden?
Dafür gibt es keine einheitliche Zahl. Die Auffassungen der Gerichte, wie viele Bohrlöcher noch zum vertragsgemäßen Gebrauch der Wohnung zählen, gehen weit auseinander. Wer seine Wände aber durchlöchert wie einen Schweizer Käse, muss mit Schadenersatzforderungen rechnen, auch wenn er laut Mietvertrag nicht zur Ausführung von Schönheitsreparaturen verpflichtet ist.

In welcher Qualität sind Bohrlöcher zu verschließen?
"Sie müssen unsichtbar sein", sagt Chychla. Geeignet sind Gips oder andere Spachtelmassen, die man besser mehrmals aufträgt, um eine glatte Oberfläche zu bekommen.

Was ist beim Anbohren von Fliesen zu beachten?
Am besten wird in eine Fuge statt mitten in die Keramik gebohrt. "Aber wenn es nicht anders geht, kann natürlich auch in die Fliese gebohrt werden, um Zahnputzbecher, Hängeschränke oder Spiegel zu befestigen", sagt Julia Wagner. Anders als Bohrlöcher in den Wänden müssen Mieter Löcher in Fliesen nicht schließen, wenn sie ausziehen. Übersteigt die Anzahl der beschädigten Fliesen allerdings ein normales Maß, kann es auch hier sein, dass Mieter ausbessern müssen.