Schule

Kultusministerin Susanne Eisenmann war zu Besuch in Bad Bellingen

Jutta Schütz

Von Jutta Schütz

So, 02. August 2020 um 08:03 Uhr

Bad Bellingen

Schule in Corona-Zeiten und schlechte Breitbandversorgung: Diese Themen standen beim Besuch von Landeskultusministerin Susanne Eisenmann im Bad Bellinger Kurhaus im Fokus.

Seit März 2020 gilt der Ausnahmezustand: "Von mir aus kann das Virus auch weg, aber wir werden wohl noch lange Zeit mit ihm leben müssen", stellte deshalb Eisenmann vor mehr als 40 Gästen im Kurhaus Bad Bellingen fest, darunter Bundestags-, Landtagsabgeordnete, Bürgermeister, Kommunalpolitiker, Eltern und interessierte Bürger. Eingeladen wurde die Kultusministerin von der Kommunalpolitischen Vereinigung der CDU Südbaden. Gekommen war unter anderem Bundestagsabgeordneter Armin Schuster.

Digitalisierung der Schulen

Als "Hausherr" begrüßte Bad Bellingens Bürgermeister Carsten Vogelpohl die Gäste und leitete gleich zum Kernthema über: Die Digitalisierung der Schulen und der damit verbundene Medienentwicklungsplan haben auch in der Sonnenraingrundschule Bad Bellingen durch die Corona-Situation einen Schub erfahren.

"14 000 Euro haben wir aus dem Corona-Fördertopf auf dem Schulkonto gefunden, davon werden wir nun zwei Klassensätze Tablets kaufen, elektronische Tafeln wollen wir auch nachrüsten", sagte Vogelpohl. Mit einem millionenschweren Geldpaket fördern Bund und Land die Digitalisierung der Schulen im sogenannten "Digitalpakt".

Vor den Ferien hat das Land 20 Millionen Euro bezahlt, eigentlich sollten damit Schüler in Baden-Württemberg schon vor den Ferien größtenteils mit Tablets ausgestattet werden, aber: "Wir wissen noch nicht, wie wir diese übergeben", sagte Eisenmann.

Breitbandausbau verschlafen

Eigentlich sei "Homeschooling" in Deutschland nicht erlaubt, jetzt aber erforderlich. "Eine Blaupause dafür hatten wir nicht", so die Ministerin. Mehrere Eltern kritisierten den schleppenden Breitbandausbau im ländlichen Raum, was Menschen beim Homeoffice und "Schule-online" benachteilige.

Zwar wurden seit 2016 6500 Kilometer Glasfaser verlegt, so Eisenmann, sie gab aber zu: "Das haben wir 15 Jahre verschlafen." Im Schulbetrieb wolle sie nach den Ferien deshalb möglichst viel Präsenzunterricht. Der Lockdown habe Eisenmann gezeigt: Häufig hätten Lehrer nach Online-Weiterbildungsangebote gefragt. Für ihr Engagement beim Online-Unterricht erfuhren die Lehrkräfte viel Wertschätzung von Eltern.

Bad Bellingens Gemeinderat Wolfgang Schwab regte an, in Sachen Digitalisierung für Schulen über eine landesweit einheitliche Computerausstattung nachzudenken. Einig war sich das Plenum auch, an Schulen künftig IT-Fachkräfte einzustellen. Eisenmann gab noch bekannt, dass sie sich für eine verbindliche Grundschulempfehlung einsetzen möchte, und das Realschulkonzept neu überdenken will.

Nach der Wiedereinführung des G9 gab es keine Fragen, obwohl dazu eine Petition aufgelegt wurde. Angesprochen wurde seitens der Gäste aber, dass die Investitionen in die Sanierung in die Jahre gekommener Schulgebäude steigen müssen.

Lehrermangel in Grenznähe

Schliengens Bürgermeister Christian Renkert sprach die angespannte Situation der Lehrerversorgung in Grenznähe zur Schweiz an. Mit Schweizer Gehältern könne man nicht konkurrieren. Eisenmann sagte, dass die Schweiz nicht gesprächsbereit sei, "was das Abwerben von gut ausgebildetem Personal angeht".

Der ehemalige Bad Bellinger Bürgermeister Eberhard Stotz kritisierte, dass das Land im Gegensatz zu anderen Bundesländern vor den Ferien viele Lehrer in die Arbeitslosigkeit schickt. Eisenmann erklärte, dass dies nur bei nicht beamteten Lehrern der Fall sei. An der bisherigen Praxis will sie trotz Kritik festhalten.

Betriebe sollen ausbilden

Obwohl 130 Milliarden Euro zur Konjunkturförderung bereitgestellt wurden, sei das Land insgesamt in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation, so Eisenmann. "Für uns zählt, ob Betriebe und Wirtschaft wieder Fuß fassen können." Sorge bereiteten ihr dabei die Schulabgänger. Angesichts der Lage würden nur noch 20 Prozent der Betriebe ausbilden und viele Firmen Ausgebildete nicht übernehmen.

Sie verwies darauf, dass das Land die Kommunen mit drei Milliarden Euro unterstütze und "so hilft, Strukturen vor Ort zu erhalten". Ausbildung und Wissenschaft müssten in einem Land ohne Bodenschätze hochgehalten werden: "Wer es nicht im Boden hat, muss es in der Birne haben."