Freiburg

Wie der Künstler Max Siebenhaar die Galerie "gvbk" zum Treffpunkt machte

Anika Maldacker

Von Anika Maldacker

Sa, 07. Januar 2023 um 13:08 Uhr

Altstadt

Max Siebenhaar ist das prägende Gesicht hinter dem Verein Delphi Space, der 2022 mit der Galerie "gvbk" in der Bismarckallee durchstartete. Doch die Nutzung ist nur temporär.

Hinter Max Siebenhaar liegt ein Jahr voller Kreativität, Arbeit und Erfolg – und ein Jahr der Ungewissheit. Denn der 35-jährige Freiburger widmete einen Großteil seiner Zeit der Belebung der Bismarckallee 18-20. Dort hat Ende 2021 der Kunstraum "gvbk" eröffnet – eine Dependance des Delphi Space im Stadtteil Brühl-Beurbarung, das vom gleichnamigen Verein gegründet wurde.

Oft sind die Erdgeschossräume am Hauptbahnhof abends hell erleuchtet, vor und in dem ehemaligen Computerladen tummeln sich junge, hippe Menschen. Kunst, Tanz und Film zeigt der Verein Delphi Space dort – gegenüber vom Burger King, aus dessen Abkürzung resultiert der Name der Galerie.

Mittendrin: der gebürtige Freiburger Max Siebenhaar. Zuvor hat der 35-Jährige rund zehn Jahre in Berlin gelebt und dort unter anderem an der Universität der Künste studiert. Vor einigen Jahren kam er wieder nach Freiburg zurück, um der Stadt "kulturell etwas zurückzugeben", wie er sagt. Neben eigenen Werken, die er etwa im Kunstverein Freiburg, auf der Messe Freiburg Art Fair oder auf der Liegewiese im Faulerbad ausgestellt hat, bereichert er seither Südbaden mit dem 2019 gegründeten Verein Delphi Space. Dafür hat er sogar seinen Job als Lehrer gekündigt.

Das "gvbk" will mehr als eine Galerie sein

"Wir orientieren uns am antiken Delphi", sagt Siebenhaar. Der Ort in Griechenland galt in der Antike als Mittelpunkt der Welt und war für sein Orakel bekannt. Dennoch hegt der Verein, in dem sich etwa 15 Menschen in unterschiedlicher Besetzung engagieren, bodenständige Ansprüche. "Wir wollen einen Ort für alle bieten", sagt Siebenhaar. Alle Veranstaltungen sind daher kostenlos.

Dabei versteht sich die Gruppe nicht nur als Galerie für bildende Kunst, sondern auch als Ort für Architektur, Musik oder Theater. Inzwischen hat das Kunstprojekt in Zwischennutzung seinen Platz in der Freiburger Kulturszene gefunden. So läuft seit Dezember und noch bis diesen Sonntag dort die Ausstellung der Preisträgerinnen und Preisträger des von der Stadt ausgelobten Reinhold-Schneider-Preis.

In diese Richtung wollen sich Siebenhaar und der Verein weiter bewegen: "Wir wollen noch mehr Kooperationen mit Freiburger Institutionen aufgleisen", sagt er. Kollaborationen mit dem Tanznetz Freiburg, dem Literaturhaus oder dem Aka-Filmclub gab es schon.

Was der Verein noch anstrebt: eine institutionelle Förderung. Mithilfe einer einmaligen Förderung vom Kulturamt und dem Regierungspräsidium hat das Team die Miete für die beiden Räume bezahlt. "Zu Beginn haben wir auch Eigenkapital in den Ausbau gesteckt", sagt Siebenhaar. Und: Er hätte gerne etwas Entlastung bei der Vereinsarbeit. "Ich habe zu wenig Zeit für meine eigene Kunst", sagt er.

Das Kunstprojekt ist bisher nur als Zwischennutzung geplant

Bis Ende 2021 wurde in der Bismarckallee 18-20 Computer und Zubehör verkauft, dann übernahm Siebenhaar mit dem Verein Delphi Space die rund 330 Quadratmeter als Zwischennutzer. Zunächst hieß es, der Verein nutze die Räume nur wenige Wochen, doch die Frist wurde mehrmals verlängert. "Inzwischen gehen wir davon aus, dass wir bis kurz vor dem Abriss des Gebäudes bleiben können", sagt Siebenhaar. Sicher ist das aber nicht. Vor etwa zwei Jahren hat der Freiburger Investor Peter Unmüssig das ehemalige Commerzbank-Gebäude gekauft. Auch das Hochhaus nebenan gehört ihm. Seit Jahren gibt es Pläne, den Komplex Ecke Bismarckallee/Friedrichstraße abzureißen und umzugestalten. Bisher ist nicht viel passiert, auch weil das Areal zwei verschiedenen Eigentümern gehört und der Gemeinderat der Bebauung strenge Auflagen erteilt hat. Von seinem ursprünglichen Plan, das Hochhaus, sowie das frühere Commerzbank-Gebäude abzureißen, ist Unmüssig vor zwei Jahren abgerückt und vermietet einen Großteil als Büroflächen.

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