Infektionsschutz

Wie geht’s mit den Bläserklassen der Jugendmusikschule Südlicher Breisgau weiter?

Friederike Zimmermann

Von Friederike Zimmermann

So, 13. September 2020 um 15:35 Uhr

Bad Krozingen

Im neuen Schuljahr erschwert das Coronavirus den Musikunterricht, den die Jugendmusikschule gemeinsam mit Grundschulen anbietet.

Heute beginnt der Schulunterricht, coronabedingt unter besonderen Voraussetzungen. Das gilt auch für die Bläserklassen, die die Jugendmusikschule Südlicher Breisgau gemeinsam mit acht Grundschulen in der Region anbietet und so vielen Schülern einen vereinfachten Zugang zu musikalischer Bildung ermöglicht. Denn noch immer verbietet der Infektionsschutz in Baden-Württemberg jeglichen Bläserklassenunterricht. Wie wird es im neuen Schuljahr mit den Bläserklassen weitergehen?

Die Ankündigung des Kultusministeriums das Singen in geschlossenen Räumen und das Musizieren mit Blasinstrumenten zu untersagen, stößt auf großen Widerstand. Gegen das Konzept von Kultusministerin Susanne Eisenmann formulierten die vier Verbände – Landesmusikrat, Bundesverband Musikunterricht, Landesmusikverband und der Verband der Musikschulen Baden-Württemberg – einen offenen Brief, in dem es heißt: "In ihrer Gesamtheit werfen die vom Ministerium getroffenen Maßnahmen die Frage auf, inwieweit ein direkter Bezug zum Infektionsgeschehen noch gegeben ist. Ein sachbezogenes und differenziertes Eingehen auf die Spezifika musikalischer Ensemblearbeit ist jedenfalls nicht erkennbar", weshalb eine Präzisierung und Nachjustierung in vielen Details sehr hilfreich wäre.

Das Modell Bläserklasse gilt als Erfolgsmodell

Längst gilt das Modell Bläserklasse als Erfolgsmodell. Schon vielen Hunderten von Kindern wurde auf diesem Weg das Erlernen eines Blasinstruments ermöglicht. Alle Schüler einer Klasse lernen ihre Instrumente gemeinsam im regulären Musikunterricht, der meist auf eine Dauer von zwei Jahren angelegt ist und mindestens zwei Mal pro Woche stattfindet. Den professionellen Instrumentalunterricht bietet die Musikschule, die Instrumente werden gestellt. So leistet sie auch die Nachwuchsarbeit für die 26 Musikvereine im Bereich ihrer Mitgliedsgemeinden, mit denen sie kooperiert. Die Schüler der Bläserklasse umrahmen Schulveranstaltungen und bereichern damit das musikalische Leben in den Grundschulen.

Die Bläserklasse ist dabei kein Ersatz für den Instrumentalunterricht, wie ihn die Musikschule anbietet, sondern versteht sich als Chance, möglichst vielen Kindern den Zugang zum Instrument zu ermöglichen. Dadurch wird eine Vielzahl von Nachwuchsmusikern generiert, welche sich nach den beiden Unterrichtsjahren in der Musikklasse häufig dem Einzel- oder Kleingruppenunterricht zuwenden und in den Jungmusikorchestern der Musikvereine spielen. Eine klassische Win-win-Situation für alle Beteiligten also, insbesondere für die Schüler, was sich allein schon darin zeigt, dass ein Großteil der Kinder nach der Bläserklasse weiterhin ihrem Instrument und den beteiligten Vereinen treu bleibt.

Erst Instrumentenvorstellung, dann wieder Unterricht?

Durch die Verordnung des Kultusministeriums können die Musikschulen weder in den Schulen – etwa mit Instrumentenvorstellungen – noch in ihrer Einrichtung selbst Werbung für die Bläserklassen im kommenden Schuljahr machen. Indes stehen die Zweitklässler, die im kommenden Schuljahr für die Bläserklasse in Frage kommen, in den Startlöchern. Häufig ist diese nach dem Vorbild eines sinfonischen Blasorchesters oder einer Bigband besetzt, und so wäre es nun an der Zeit gewesen, den Zweitklässlern Flöte oder Klarinette, Horn oder Trompete, Saxophon oder Tuba zum Ausprobieren in die Hand zu geben. Dies ist jedoch unter den gegebenen Hygienemaßnahmen ausgeschlossen.

Hiervon betroffen sind auch die Bläserklassen in Staufen, Grunern, Bollschweil, Ehrenkirchen, Sölden, Tunsel, Biengen und Bad Krozingen. "Wir leben im Moment mit vielen Fragezeichen", bedauert Joseph Heckle, der an der Jugendmusikschule Südlicher Breisgau den Bereich Bad Krozingen leitet. Niemand weiß, wie es weitergeht, ob und wie oder wo überhaupt man Proben abhalten kann oder darf. Angestrengt suchen Jugendmusikschule, Schulen und Gemeinden nach Orten und Lösungen. "Im Moment sind wir dabei, die Schulkooperationen mit den Bläserklassen, die derzeit alle nicht stattfinden dürfen, im Hinblick auf das nächste Schuljahr zu organisieren, um nach den Ferien sofort mit den Instrumentenvorstellungen beginnen zu können, sobald sich dafür ein erlaubtes Format innerhalb oder außerhalb der Schule finden lässt", sagt Musikschulleiter Joachim Baar. Bis dahin können interessierte Kinder und Eltern jederzeit Kontakt mit der Musikschule aufnehmen, um sich zur Bläserklasse beraten zu lassen.