Saisonvorschau

Wie ist die Lage bei den 16 Bezirksligisten vor dem Auftakt?

Werner Hornig und Matthias Konzok

Von Werner Hornig & Matthias Konzok

Di, 13. August 2019 um 20:37 Uhr

Bezirksliga Hochrhein

Am Wochenende startet die Bezirksliga Hochrhein in die Saison 2019/20. Wie haben sich die Clubs verstärkt? Vor welchen Herausforderungen stehen die Fußballteams? Die Lage vor dem Auftakt.

SV Buch

In die Kategorie Lieblingsgegner schafft es der SV Buch wohl bei keinem Konkurrenten. Was eine Auszeichnung ist für die Bucher Fußballer, die sich mit außergewöhnlicher Mentalität und mannschaftlicher Geschlossenheit zu einer festen Größe in der Bezirksliga etabliert haben. Auch das Verdienst von Trainer Michael Hägele, der in seine vierte Amtszeit beim SVB geht.

Nach den Vorjahresplatzierungen neun und sieben steigt aber auch die Erwartungshaltung im Albbrucker Ortsteil. "Da muss ich immer etwas auf die Bremse treten", sagt Hägele schmunzelnd. Wobei die personelle Entwicklung die Zuversicht stärkt. "In den Jahren zuvor stellte sich die Elf praktisch von alleine auf", erklärt Hägele, heuer aber "sehe ich uns deutlich breiter aufgestellt", der größere Kader soll den Konkurrenzkampf erhöhen. Zwar beendeten zwei Routiniers (Marcel Amann, Michael Leber) ihre Laufbahn, doch stehen dem fünf vornehmlich junge, hoffnungsvolle Zugänge gegenüber.

"In der Vorbereitung hat alles gut gepasst", resümiert Hägele. In der Liga jedoch "haben wir ein Hammerauftaktprogramm. Mit dem TuS Efringen-Kirchen und dem FC Zell bekommen wir es gleich mit zwei Spitzenteams zu tun". In den Vorjahren misslang der Start, der SVB fiel auf den vorletzten Platz (sechster Spieltag/2017) respektive letzten Rang (9./2018). Am Ende aber blieb Buch dem Abstiegskampf fern. Vielleicht wäre ein Fehlstart also sogar ein gutes Omen.

TuS Efringen-Kirchen

Manchmal macht man sich den größten Stress ja selbst. Dennis Weiß aber kann sich derzeit relativ entspannt zurücklehnen. "Wir genießen die Ruhe im Verein", sagt der Efringer Trainer. "Manchmal ist es vielleicht sogar zu ruhig." Der TuS versprüht eine angenehme Bodenhaftung, bei einer kleinen Niederlagenserie "wird nicht gleich alles in Frage gestellt", bei einem Siegeslauf wiederum "fängt auch niemand an zu spinnen".

Sportlich indes könnte Efringen heuer abheben. Der Kader blieb zusammen, mit Kevin und Patrick Keller kam ein namhaftes Brüderpaar. "Wir haben uns bewusst breiter aufgestellt", erklärt Weiß, auch "um schwerer auszurechnen zu sein". Zugleich bereitet sich der TuS auf den Übergang vor, wenn jahrelange Stützen sich gen Ruhestand verabschieden sollten. Daher verpflichtete man "Akteure, die sofort helfen, und Perspektivspieler", die Bezirksliga-Erfahrung sammeln sollen. Darüber hinaus initiierte der Verein das Projekt TuSZwanzig25, um Jugend, Aktive und Trainer zu fördern. Die Perspektive erscheint positiv in Efringen-Kirchen. Und in der Bezirksliga "wollen wir den nächsten Schritt machen", sagt Weiß nach Rang sechs in der Vorsaison.

FC Erzingen

Nur kurz, für einen Moment, verharrt Klaus Gallmann in der Vergangenheit. "Natürlich hätten wir uns jetzt lieber auf die Landesligasaison vorbereitet", sagt der Fußballcoach des FC Erzingen. Doch nach dem Scheitern in den Aufstiegsspielen gegen die SG Nordweil/Wagenstadt "gibt es keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken", betont Gallmann, der nach dem geplatzten Aufstiegstraum erst gar keine negative Gedanken aufkommen lassen will.

Vielmehr geht er mit der Rolle des Gejagten, die wohl zunächst dem Vizemeister zuteil wird, offensiv um, "vielleicht wurde der Aufstieg nur um ein Jahr verschoben". Man wolle den "maximalen Erfolg", und ja, "wir würden gerne Meister werden", sagt Gallmann. "Aber das wollen auch noch andere Teams." Obgleich wichtige Akteure (D’Accurso, Kech, Torsello) den Verein verließen oder pausieren, haben die Klettgauer beispielsweise durch Nico Ködel (FC Tiengen) oder Gianpierre Notarpietrro (FC Singen) wiederum Qualität hinzugewonnen.

"Wir werden uns nicht kleiner machen, als wir sind", sagt der Erzinger Coach, man sei selbstbewusst genug zu behaupten, um den Aufstieg mitzuspielen. Von Verletzungen und Sperren jedoch "hängt natürlich einiges ab. Es muss alles optimal laufen", betont Gallmann, dessen Team erst am 25. August das Auftaktspiel bestreitet. Sicher sei: Es werde ein spannender Auftrag. Der Blick beim FCE geht nach vorne. Nur nach vorne.

Bosporus FC Friedlingen

An Vorschusslorbeeren mangelte es Bosporus FC Friedlingen im Sommer 2018 nicht. Ein Jahr später mangelte es dem Bezirksliga-Debütanten jedoch an: Punkten. Nur 18 Zähler sammelten die BFC-Kicker, kassierten 106 Gegentore, blieben auswärts sieglos - und scheiterten krachend.

Nun also der zweite Anlauf, erneut als Kreisliga-A-Meister. Riza Bilici ist zuversichtlich, dass sich die Geschichte nicht wiederholen wird. "Beide Aufstiegsmannschaften kann man nicht miteinander vergleichen", betont der Friedlinger Coach. Beim Aufstieg vor zwei Jahren verfügte BFC "in Arjenit und Endrit Gashi über zwei Ausnahmestürmer, auf die vieles zugeschnitten war. In dieser Saison sind wir schwerer auszurechnen". 2019 ist Bosporus im Ligabetrieb noch ungeschlagen, das Selbstvertrauen ist gestärkt, "wir reden nicht vom Abstieg", sagt Bilici, der sich mit seiner Elf "unter den ersten zehn Mannschaften platzieren" will.

Der Mix aus jungen, hungrigen Spielern und der älteren Generation soll es richten. Die Stärken sieht Bilici in der Homogenität und der mannschaftlichen Geschlossenheit, "wir sitzen viel zusammen, auch neben dem Fußball". Der Trainer ist "vollkommen überzeugt von meiner Truppe", die das Vertrauen beim Auftakt gegen den FV Lörrach-Brombach II zurückzahlen kann. "Sicherlich ein erster Gradmesser für uns, aber ich bin optimistisch", sagt Bilici. An Selbstvertrauen mangelt es den Friedlingern nicht.

SV Herten

Sportlich verlief die Saison 2011/12 für den SV Herten mit überschaubarem Erfolg und endete mit dem Abstieg aus der Landesliga. Doch allein ein Jahr überbezirklich zu spielen, war für den Club ein Erfolg. Sieben Jahre später räumt so mancher Bezirksliga-Beobachter den Hertenern durchaus realistische Chancen ein, wieder ans Landesliga-Tor zu klopfen.

Geheimfavorit? "Da kann ich nur milde lächeln", sagt Musa Musliu, 34, der seinerzeit zur Landesliga-Elf zählte und nun ein neues Amt beim SVH inne hat: Nach zwei Saisons als "Co" beerbte er Thorsten Szesniak als Chefcoach. "Wir haben einen Plan für die nächsten zwei, drei Jahre aufgestellt", erklärt Musliu. Herten strebt eine kontinuierliche Entwicklung an und "zu geraumer Zeit wollen wir sicher an die Tür zur Landesliga klopfen".

Heuer visieren die Hertener "eine gute und noch bessere Saison als im Vorjahr" an, als sie als Aufsteiger Achter wurden. Der Kader wurde verstärkt, unter den sieben Neuen: Lucas Eschbach, bisher Führungskraft bei Landesligist FSV Rheinfelden. Wie Eschbach, 29, verfügen die meisten Neuzugänge über einen Hertener Hintergrund. "Darauf haben wir besonderen Wert darauf gelegt", sagt Musliu, der die Verantwortlichen um Teammanager Szesniak, Vorstand Stefan Weber und Sportchef Matthias Tröndle lobt: "Sie haben eine super Arbeit geleistet." Der Kader biete "einen guten Mix aus jungen und erfahrenen Spielern".

Wunderdinge erwarten sie beim SV Herten aber noch nicht. "Durch die vielen Neuzugänge sind wir noch in der Findungsphase, das wird Zeit benötigen", betont Musliu. Diese Zeit "werde ich mit meinem Trainerkollegen Eike Elsasser auch bekommen". Der neue Chefcoach weiß zudem, dass er als Szesniak-Nachfolger in große Fußstapfen tritt. "Ich konnte von Thorsten natürlich sehr viel lernen, werde aber meine eigene Philosophie und Persönlichkeit in die Truppe reinbringen", sagt Musliu. "Ich werde meinen eigenen Weg finden." Und vielleicht führt der ihn ja dann, früher oder später, mit dem SVH zurück in die Landesliga.

FC Hochrhein

Als Trainer erarbeitete sich Felix Magath den Ruf des "Qäulix", dessen Fußballer unter Medizinbällen begraben wurden. Der Spaß? Abgemeldet. Da klingt das Modell des Bezirksliga-Aufsteigers FC Hochrhein als wellness-orientierter Gegenentwurf. Mitten in der Vorbereitung ging es nach Kroatien – zum Badeurlaub, "das eine oder andere Kaltgetränk inklusive", sagt Coach Philip Brandl schmunzelnd.

Den Ausflug nach Split, am "einzigen Termin, an dem alle konnten", plante der FCH bereits im Winter. Ohne Schweiß verlief die Vorbereitung dennoch nicht, "wir werden für die Saison fit sein", betont Brandl. Von der Kaderqualität ist er "absolut überzeugt", ob der Breite aber "darf nicht so viel passieren". Auch eine Etage höher soll Hochrhein variabel agieren, als große Stärke nennt Brandl "die Einheit. Die Mannschaft ist charakterstark", verweist er auf die Vorsaison, in der viermal der Siegtreffer in der Nachspielzeit gelang – darunter das Meistertor. Für manchen Gegner "wird es nicht angenehm, gegen uns zu spielen", prophezeit Brandl, denn "Aufgeben ist nicht unsers".

Den Ligaerhalt hat der FCH anvisiert, "wir müssen erst einmal schauen, Punkte zu holen", äußert sich Brandl defensiv, "wir werden sicher nicht die ganze Liga aufmischen". Doch sicher sei auch: "Wir werden uns nicht verstecken." Und der Teambuildung-Ausflug der Bade-Meister nach Kroatien verleiht "einen positiven Impuls". Ganz ohne Medizinball.

SV Jestetten

100 Jahre sind ein stolzes Alter. Am 1. März 2020 feiert der SV Jestetten sein Jubiläum, und die Vorbereitungen im östlichsten Zipfel des Fußballbezirks laufen auf Hochtouren. Allein, ob es auch sportlich etwas zu feiern geben wird? Lars Müller hält den Ball flach. "Wir stecken mitten in einem Umbruch", betont der neue SVJ-Coach, der nach einjähriger Pause die Nachfolge von Michele Masi (FC Tiengen) antrat.

Man benötige etwas Zeit, "auf Rückschläge sind wir vorbereitet", sagt Müller. Es hieße "kleinere Brötchen zu backen", auch weil sich unter den neun Abgängen mehrere Stammkräfte finden. Allen voran der Verlust von Thomas Rangnau (SG Lottstetten/Altenburg) und Simon Müller (studienbedingte Pause), die zusammen auf 26 Treffer kamen, sticht ins Auge. "Es wird schwer genug sein, diese Lücken zu schließen oder zu kompensieren", sagt Müller, doch "ich bin zuversichtlich". Neue Spieler holte der SVJ aus der Kreisliga und der eigenen U 19.

In der Bezirksliga erwarb Jestetten den Ruf eines unangenehmen Gegners, belegte seit der Rückkehr 2014 stets einen einstelligen Tabellenplatz. Für diese Runde "haben wir noch kein Ziel taxiert, dazu ist es noch zu früh", erklärt Müller. Der gebürtige Zeller und Ex-Coach von RW Weilheim kann zum Auftakt beim FC Wallbach nicht seine Wunsch-Elf aufbieten, "einige Spieler befinden sich im Urlaub". Hauptsache, zum Jubiläum sind alle rechtzeitig zurück.

FV Lörrach-Brombach II

In den vergangenen Jahren galt der FV Lörrach-Brombach II oft als Titelkandidat in der Fußball-Bezirksliga. Perspektivisch sollte die Reserve tatsächlich näher an die "Erste" in der Verbandsliga rücken. Doch die Lage hat sich gewandelt, auf beide Reserveteams "wartet eine sehr anspruchsvolle Saison", sagt Steffen Schramm, der für den gemeinsamen Kader verantwortlich zeichnet, und als Ziel jeweils den Ligaerhalt nennt.

Im Gesamtgebilde FVLB versteht sich Schramm als Entwicklungscoach, die Reserve soll eine clubinterne Perspektive bieten. "Wir wollen junge Leute aufbauen", betont Schramm, man benötige eine gute Basis für jene A-Junioren, die im Sommer 2020 aufrücken. "Wir verfügen über eine gute Mischung aus Jung und Alt", doch fehlen gestandene Bezirksliga-Spieler, nachdem beispielsweise die Brüder Kevin und Patrick Keller (TuS Efringen-Kirchen) oder Patrick Sorg (FC Wittlingen) zur Konkurrenz wechselten.

Von seinem Team fordert Schramm taktische Flexibilität ein, hofft zudem auf eine "physische Überlegenheit". Seiner Elf soll der Balanceakt zwischen Angriffsfußball und defensiver Stabilität gelingen, dank "ein, zwei guter Knipser" verspricht sich Schramm auch eine verlässliche Effektivität. Doch weil in der Vorbereitung nie der komplette Kader zur Verfügung stand, konstatiert der Coach einen unterschiedlichen Entwicklungsstand seiner Spieler. Auch deshalb setzt sich die FVLB-Reserve heuer bescheidenere Ziele.

FC Schlüchttal

Sie sind wieder da. Mal wieder. Die Schlüchttäler Fußballer sind in die Bezirksliga zurückgekehrt, und das auf ihrem traditionellen Weg: In den letzten 15 Jahren stand Schlüchttal sechsmal in den Aufstiegsspielen zur Bezirksliga. 2005, 2017 und 2019 gelang der Sprung, 2007 bis 2009 versuchte sich die damalige SG dreimal in Folge vergeblich. Da wirkt der Meistertitel 2010 glatt wie ein Ausrutscher.

Nun also wieder Bezirksliga. Dort wird der FCS eine veränderte Rolle einnehmen müssen, "wir werden keinen Hurra-Fußball spielen können", weiß auch Roberto Wenzler. Doch der FCS-Trainer will nicht, dass sich seine Elf in eine passive Rolle drängen lässt, sie soll "nicht nur reagieren, sondern auch mitspielen". An der Qualität seines Teams zweifelt Wenzler nicht, zur Stolperfalle könnte – wie traditionell im unterklassigen Bereich – eher die Quantität werden. Auch beim FCS "ist der Kader nicht der allergrößte". Die personelle Fluktuation blieb – in bester Schlüchttäler Tradition – überschaubar: ein externer Neuzugang, dazu zwei A-Junioren, während der torgefährliche Routinier Erdal Kizilay zum FC Tiengen zurückkehrte.

In seiner letzten Bezirksliga-Saison wurde Schlüchttal die gravierende Auswärtsschwäche zum Verhängnis: Aus 15 Spielen stand gerade mal ein Sieg zu Buche. Doch es muss sich ja nicht alles zu einer Tradition entwickeln. In der vergangenen Kreisliga-A-Runde holte der FCS auswärts sogar mehr Punkte als zuhause.

FC Schönau

Von höheren Sphären sind die Schönauer heuer wohl weit entfernt. Nachdem die vergangene Saison schon in einem Zittern um den Klassenerhalt mündete, gibt man sich derzeit keinen Illusionen hin: "Wir haben eine sehr junge Mannschaft und werden gegen den Abstieg spielen", sagt Trainer Faik Zikolli.

Zumal mit Tim Behringer (16 Tore) und Matthias Steinebrunner (14) zwei Schlüsselspieler aufhörten "und wir mit ihnen zwei überragende Menschen verlieren", so Zikolli. Man müsse versuchen, "sie im Kollektiv zu ersetzen". Der Coach hofft, das andere Spieler "aus dem Schatten herausspringen können und Verantwortung an sich ziehen". An jugendlichem Elan mangelt es nicht: Acht A-Junioren rückten auf, hinzu kommen die Haselwander-Brüder vom A-Ligisten FC Hausen.

Mit der Vorbereitung zeigt sich Zikolli "sehr zufrieden", doch weiß er, dass mit dem Auftakt beim SV Buch eine Herausforderung beginnt. Zum einen die Entwicklung der jungen Spieler zu fördern, zugleich aber positive Ergebnisse erzielen zu müssen. Zikolli will gepflegten Fußball spielen lassen, der jedoch auch erfolgreich sein muss. Es ist ein Spagat, auf den sich der FC Schönau einlassen muss.

FC Tiengen

Es gab Zeiten, da tummelten sich im Kader des FC Tiengen unzählige gestandene Fußballer. Eine Ansammlung von Spielern ohne intensivere Bindung zum Verein. Diese Zeiten, sie sollen vorbei sein beim Landesliga-Absteiger. Der neue Coach Michele Masi (SV Jestetten) soll in der Bezirksliga den Umbruch beim FCT vollziehen.

Die neue Vereinsphilosophie: "Auf die eigene Jugend zu setzen", erklärt Matthias Hertweck. Der ehemalige SVJ-Spieler folgte seinem langjährigen Coach als Co-Trainer nach Tiengen. Die Nachwuchsspieler sollen nicht vergrault werden, es sei wichtig, "dass man ihnen die Chance gibt, sich zu entwickeln". Den Umbruch hatte der Club während der Vorsaison eingeleitet, im Sommer stießen nun sechs Spieler aus der eigenen U 19 zu den Aktiven. Noch sei die Kaderbreite ausbaufähig, so Hertweck, doch perspektivisch solle sich dies "peu à peu durch A-Jugendspieler verbessern". In Martin Hackenberger, Sven Maier, Tomas Masek und Rückkehrer Erdal Kizilay (FC Schlüchttal) verfügt der FCT über erfahrene Stützen.

Das neue Trainergespann will einen attraktiven Offensivfußball etablieren. Höhere Ziele verfolgen die Tiengener während ihres Umbruchs nicht, "einen Platz im Mittelfeld" strebe man an, so Hertweck. Und derzeit "sind wir auf einem guten Weg". In das Ligageschehen greift der FCT erst am 24. August ein, doch dürfte die Vorbereitung nach Hertwecks Geschmack gerne noch ein, zwei Wochen länger gehen. Um den Umbruch noch besser vorbereiten zu können.

VfB Waldshut

Der Kontrast zwischen Winter und Sommer lässt sich beim VfB Waldshut deutlich ablesen. Vor acht Monaten war die Gefühlslage beim Fußballclub unterkühlt, die Tendenz in der Winterpause hieß: Kreisliga A. Nun, im Sommer, ist der VfB heiß auf die neue Bezirksliga-Saison und wird mitunter als Überraschungsteam gehandelt.

Denn heuer wollen die Waldshuter nicht um den Klassenerhalt zittern. Im Winter hatte der Club einen ersten personellen Wandlungsprozess initiiert, im Sommer stehen elf Neuzugängen – wie der Ex-Laufenburger Fayik Onurlu (Olympia Basel) – sieben Abgänge gegenüber. So muss der neue Trainer Danijel Kovacevic, 38, die Mannschaft zu einer Einheit zu formen. Hilfreich könnte sein, dass er vier Akteure seines bisherigen Clubs – den schweizerischen Sechstligisten FC Klingnau führte er zur Meisterschaft – mitbrachte, darunter Ex-Profi Bora Kalyon (Kayserispor). "Viel Qualität" attestiert Kovacevic den Neuzugängen, "wir sollten stark genug sein, nichts mit dem Abstieg zu tun haben müssen."

Für Kovacevic, der im schweizerischen Nachbarort Koblenz aufwuchs und 2005/06 für den SSV Reutlingen in der damals viertklassigen Oberliga auflief, ist die Bezirksliga Neuland. "Ich habe mich aber schon kundig gemacht, welche Vereine stark sind", zudem beobachte er einige Bezirksligisten in der Vorbereitung. Damit im Waldshuter Winter diesmal sommerliche Glücksgefühle dominieren.

FC Wallbach

Andreas Braunagel war noch nicht mal Trainer des FC Wallbach, und schon fertig mit seinen Nerven. "Ich habe die ganze Dramatik des Abstiegskampfes hautnah mitbekommen", erinnert er sich an das Finale der Vorsaison. Braunagel erlebte live, wie sich sein künftiges Fußballteam am letzten Spieltag durch ein Remis vermeintlich rettete, um im Fernduell durch den 11:2-Torrausch von RW Weilheim in letzter Sekunde auf einen Abstiegsplatz zu stürzen.

"Das zehrte gewaltig an den Nerven", sagt Braunagel, der Wallbach dann doch in der Bezirksliga übernehmen durfte – dem Verbandsliga-Aufstieg des SV Weil sei Dank. Jetzt geht der FCW mit frischem Elan daran, "nicht mehr so eine Horrorsaison erleben zu müssen". Erstmals betreut Braunagel ein Aktivteam in hauptverantwortlicher Position, mit seinem Co-Trainer Thomas Scherzinger will er die Mannschaft in ruhige Fahrwasser manövrieren. Variabel sollen die Wallbacher spielen, mit klarem Matchplan, und sich möglichst aus der Gefahrenzone halten.

"Wir haben einige erfahrene Abgänge zu verkraften, aber mit den Neuzugängen sind wir gut aufgestellt", so Braunagel über die vier neuen Kräfte (Barb, Rünzi, Sevda, Stengritt), die die Zuversicht stärken, eine möglichst sorgenfreie Saison zu erleben. Einen Grundstein hierfür hofft der Coach, mittels einer intensiven Vorbereitung gelegt zu haben: "Meine Jungs ziehen super mit", lobt Braunagel, der "guten Mutes" ist. Doch sagt er auch: "Wir müssen Geduld haben." Damit letztlich auch seine Nerven geschont werden.

FC RW Weilheim

Führt der FC RW Weilheim die Komplettüberwachung seiner Bezirksliga-Kicker an? Schließlich "führen wir penibel die Trainingsbesuche, welcher Spieler welche Einheiten absolviert hat", erklärt Michael Seifert, der mit Oliver Neff das neue Trainergespann bei den Rot-Weißen bildet. Beide sind indes keine Kontrollfreaks, vielmehr streben sie eine optimale Trainingssteuerung an.

Denn mehrere FC-Akteure können aus diversen Gründen nicht regelmäßig an den Einheiten teilnehmen. Die Folge: unterschiedliche Entwicklungslevel der Spieler. Um sich Anregungen zu holen, wie sich diese Herausforderung meistern lässt, hospitierte Seifert eine Woche bei Oberliga-Neuling 1. FC Rielasingen-Arlen. Weilheim entschied sich zu besagter Buchhaltung, das Modell als Trainergespann erleichtere es, "Trainingsinhalte nachholen", so Seifert. Doch das geplante System zu automatisieren ist ein langwieriger Prozess, "das erste halbe Jahr wird schwierig", schätzt Seifert, der mit Neff auf Pressing setzt. "Wir wollen den Spielaufbau des Gegners nicht zulassen, seine Stärken nicht zur Geltung kommen lassen." Ihre Elf soll schnell zum Abschluss kommen, defensiv stabil stehen.

Man verfüge nicht über herausragende Einzelspieler wie andere Teams, "wir müssen es über das Kollektiv lösen", erklärt Seifert, der es am liebsten sähe, stets "ein Tor zu erzielen und keines zu bekommen". Hauptsache, am Ende ist in den Büchern der Klassenerhalt vermerkt.

FC Wittlingen

Am Aufstieg in die Landesliga schrammte der FC Wittlingen in den vergangenen beiden Jahren, jeweils als Dritter, knapp vorbei. Auch in der neuen Bezirksliga-Saison zählen die Kandertal-Kicker wieder zu den Titelfavoriten. Vor einem Jahr gab Tiziano Di Domenico auch noch unumwunden zu, dass man aufsteigen möchte. Heuer aber formuliert der Wittlinger Trainer die Zielsetzung etwas zurückhaltender.

Denn "wir haben viel Erfahrung verloren", erklärt Di Domenico und verweist auf eine Reihe an Spielern (Arsentjew, Di Mattia, Eckermann, Stammler), die ihre Kickschuhe an den Nagel gehängt oder sich in die Reserve zurückgezogen haben. Man wolle mit etwas Bescheidenheit leben, sagt Di Domenico, aber "natürlich streben wir trotzdem den maximalen Erfolg an". Ohnehin muss der Bezirkspokalsieger sein Licht nicht unter den Scheffel stellen, in der Liga hat sich der FCW als Top-Team mit hochwertiger Infrastruktur etabliert. Und der Kandertäler Kader bietet weiterhin eine hohe Qualität, auch dank der vier Neuzugänge um den torgefährlichen Defensivspieler Patrick Sorg vom Ligakonkurrenten FV Lörrach-Brombach II.

Das Wittlinger Hauptmanko der zurückliegenden Spielzeit: In zu vielen Partien riefen sie ihr Optimum nicht ab. Das soll sich in der neuen Runde ändern, hofft der Coach. Mit dem SV 08 Laufenburg verabschiedete sich der Platzhirsch des Vorjahres gen Landesliga, in der Bezirksliga ist "vorne das Rennen völlig offen", vermutet Di Domenico.

FC Zell

Michael Schwald ist nicht dafür bekannt, zu lavieren. Der Bezirksliga-Coach des FC Zell pflegt klare Worte, tritt selbstbewusst auf, wenn es um die Qualitäten seiner Fußballelf geht. Doch heuer äußert er sich vor dem Auftakt tendenziell vorsichtig. Vorsichtig aus Erfahrung.

Da wäre zum einen der Hang seines Teams, zuweilen noch "zu verspielt, zu unkonzentriert" zu agieren. Für den Erfolg aber "müssen wir unser Ding durchziehen", mahnt Schwald, "sonst kommen wir in Schwierigkeiten". In der Summe habe das in der Vorsaison die Chance auf Rang zwei gekostet. Zum anderen sei Zell in der Breite prinzipiell "gut aufgestellt", so Schwald, der jedoch ein gebranntes Kind ist. "Nach den Vorjahren bin ich vorsichtig", sagt er. Zu sehr war Zell derart von Verletzungen gebeutelt, dass sich die Breite zu einer prekären Dünne wandelte. Heuer wäre für derlei Probleme die Defensive anfälliger als die Offensive, die unter anderem dank des Zugangs von Sergio Cammanaro (SV Schopfheim) und der nahenden Comebacks von Paboy Ceesay und Dario Muto komfortabel aufgestellt scheint. Ein Wermutstropfen: Der Heilungsprozess bei Ralf Kiefer nach dessen Knieverletzung verlief nicht optimal – er muss erneut operiert werden.

An der Spitze der Liga rechnet Schwald mit "sechs bis sieben Vereinen". Die Saison unter diesen Teams abzuschließen "wäre okay", sagt der Zeller Coach, fügt aber an: "Dafür muss auch alles passen." Selbstbewusst, aber vorsichtig eben.
Wer wird Meister? Wer steigt ab?

Mobbing in der Bezirksliga? Bei der obligatorischen Umfrage nach den Meisterfavoriten und Abstiegskandidaten wurden insgesamt 15 Clubs genannt. Fehlt nur einer: der SV Buch. Schon im Vorjahr waren die Bucher Kicker einfach so vergessen worden. Freilich, es gibt schlimmeres, was auch für den FC Wittlingen gilt, der zum Top-Favoriten auserkoren wurde. Ein Spitzenplatz wird sechs weiteren Teams zugetraut, der Abstieg hingegen gleich neun Vereinen – und erneut schafft es ein Club in beide Kategorien (je drei Nennungen waren möglich).

Welche Teams werden Meister respektive landen auf den Aufstiegsplätzen?
FC Wittlingen: 13 Nennungen; FC Erzingen: 12; TuS Efringen-Kirchen: 7; VfB Waldshut: 6; SV Herten, FC Zell: jeweils 3; BFC Friedlingen: 1.

Welche Clubs steigen ab?
FC Schlüchttal: 11 Nennungen; FC Hochrhein: 8; BFC Friedlingen, FC RW Weilheim: jeweils 6; FC Wallbach: 4; FC Schönau: 2; SV Jestetten, FV Lörrach-Brombach II, FC Tiengen: jeweils 1.