BZ-Serie

Wie realistisch ist ein Abschied von der Kernenergie?

Bernward Janzing

Von Bernward Janzing

Do, 28. April 2011 um 11:00 Uhr

Wirtschaft

Kommen auf die Verbraucher gewaltige Erhöhungen des Strompreises zu, wenn Kernkraftwerke abgeschaltet werden? Welche Konflikte bringt der Aufbau einer atomfreien Stromversorgung mit sich? Solche Fragen werden bei der Debatte um die Energiewende derzeit gestellt. In einer Serie gibt die Badische Zeitung Antworten.

Südbadener kennen solche Sprüche: "Ohne das Kernkraftwerk Wyhl werden zum Ende des Jahrzehnts in Baden-Württemberg die ersten Lichter ausgehen" – das sagte Ministerpräsident Hans Filbinger im Februar 1975. Doch es kam anders, Wyhl wurde nicht gebaut, die Lichter blieben trotzdem an. Jetzt will fast ganz Deutschland unter dem Eindruck der Fukushima-Katastrophe aus der Atomkraft aussteigen – und wieder warnen die Anhänger der Kernkraft. Wieder ist von der Stromlücke und erlöschenden Lichtern die Rede, von Gefahren für die Netzstabilität, von fehlenden Leitungen.

So mahnte nach dem jüngsten Abschalten von acht Meilern zum Beispiel Fritz Vahrenholt, Chef der RWE-Tochterfirma Innogy, dass es zum Blackout allein deswegen nicht komme, weil "Tag für Tag ein starker Import aus Frankreich und Tschechien stattfindet". Er warnte vor extremer Unterversorgung, in deren Folge zur Vermeidung eines Blackouts Industriebetriebe und vielleicht sogar ganze Städte abgeschaltet werden müssen. Natürlich gilt es solche Szenarien zu vermeiden. Somit stellt sich die Frage, wie zügig der Atomausstieg in der Praxis über die Bühne gehen kann.

Wie schaltet man die AKW ab?
Greenpeace hat nun nachgerechnet und zeigt sich optimistisch: Der Atomausstieg könne geordnet bis 2015 umgesetzt werden, bei einem gleichzeitigen Ausstieg aus der Kohle bis 2040. Der Umweltverband WWF und das Öko-Institut halten unterdessen ein Abschalten aller deutschen Reaktoren bis 2020 ohne Abstriche beim Klimaschutz für möglich. Doch wie kann der Ausstieg ablaufen, wie sieht eine Energieversorgung ohne Atomkraft aus? Vorweg eine Zahl: Atomstrom hatte im vergangenen Jahr in Deutschland einen Anteil an der Stromerzeugung von gut 23 Prozent. Gemessen an der politischen Aufregung, die es um die Nuklearmeiler gibt, ist ihr Anteil an der Stromversorgung also moderat. Entsprechend gut ist der Ausstieg zu organisieren. Zu beachten sind dabei verschiedene Aspekte. Zum einen will man ...

BZ-Archiv-Artikel

Einfach registrieren und Sie können pro Monat 10 Artikel kostenlos online lesen - inklusive BZ-Plus-Artikel und BZ-Archiv-Artikel.

Gleich können Sie weiterlesen!

Exklusive Vorteile:

  • 10 Artikel pro Monat kostenlos
  • BZ-Plus-Artikel lesen
  • Online-Zugriff auf BZ-Archiv-Artikel
  • Qualitätsjournalismus aus Ihrer Heimat
  • An 18 Standorten in Südbaden – von 150 Redakteuren und 1500 freien Journalisten
  • Verwurzelt in der Region. Kritisch. Unabhängig.
  • Komfortable Anzeigenaufgabe und -verwaltung
  • Weitere Dienste wie z.B. Nutzung der Kommentarfunktion
  • Zugang zu mehreren Portalen der bz.medien: badische-zeitung.de, fudder.de und schnapp.de

* Pflichtfelder

Anmeldung

* Pflichtfelder

Meine BZ