Coronavirus

Wie sie für andere Einkäufe erledigt, erzählt eine BZ-Mitarbeiterin

Helena Hiss

Von Helena Hiss

Di, 24. März 2020 um 17:03 Uhr

Eschbach

Vielerorts gibt es Bürger, die für andere einkaufen, um sie zu schützen. BZ-Mitarbeiterin Helena Hiss erzählt, wie sie für Eschbacher einkaufen geht und welche Hürden es gibt. Ein Erfahrungsbericht.

Vielerorts organisieren Bürger einen Einkaufsservice für ältere oder kranke Menschen – mal wird das von Vereinen koordiniert, mal von Nachbarn, mal vom Rathaus. BZ-Mitarbeiterin Helena Hiss geht derzeit in Eschbach für andere einkaufen und erzählt, wie das funktioniert.

Als am 13. März Eschbachs Bürgermeister Mario Schlafke durch eine E-Mail und Soziale Netzwerke dazu aufrief, am Coronavirus Erkrankten, unter Quarantäne Stehenden oder Menschen der Risikogruppe durch Einkäufe zu unterstützen, war ich sofort dabei. Die Idee: Wer Einkäufe für andere erledigen will, hinterlässt beim Hauptamt seine Kontaktdaten, und wer Einkäufe benötigt, kann sich ebenfalls auf dem Rathaus melden und wird vermittelt.

Vielleicht hat diese Pandemie ja doch irgendwo ihre guten Seiten, und wir rücken alle näher zusammen.
Die Uni ist derzeit geschlossen und meine Prüfungen wurden bis auf Weiteres verschoben oder abgesagt. Bei all den Nachrichten und Veränderungen, die unser privates Leben betreffen, war ich froh, etwas tun zu können und nicht mehr nur hilflos auf dem Sofa zu sitzen. Also schrieb ich der Gemeindeverwaltung eine E-Mail und ließ mich in die Liste eintragen.

Es dauerte nicht lange und ich bekam eine Antwort. Eine ältere Frau aus Eschbach, die zur Risikogruppe gehört, benötigte verschiedene Einkäufe. Wir verabredeten einen Treffpunkt, bei dem sie uns, meiner Schwester und mir, ihre Einkaufsliste sowie Geld übergab. Es ist schon eine komische Situation, wenn dir Vertrauen entgegengebracht wird, von jemandem, den du zuvor noch nicht gekannt hast. Vielleicht hat diese Pandemie ja doch irgendwo ihre guten Seiten, und wir rücken alle näher zusammen.
Kontakt wegen Einkaufsdienst beim Rathaus Eschbach unter Tel. 07634/550415 oder steiger@gemeinde-eschbach.de

Meine Schwester und ich beschlossen, gleich auch noch für unsere Großeltern und für uns selbst einzukaufen. Der Umwelt zuliebe wurden die Fahrräder gesattelt, und mit Rucksäcken und Fahrradkörben ausgerüstet ging es in das benachbarte Heitersheim. Im ersten Laden erkannten wir schnell: So einfach wie gedacht, wird der Einkauf für eine fremde Person nicht. Welche Marke möchte die Person? Was, wenn die benötigten Spaghetti im ganzen Laden ausverkauft sind? Was heißt Topfreiniger, ist damit jetzt der Schwamm oder ein Putzmittel gemeint? Während wir im Laden standen und uns über den Einkaufslisten den Kopf zerbrachen, trafen wir viele Bekannte – so viel zu sozialer Isolierung.

Die Dorfgemeinschaft lebt wieder auf.
Ich habe mich vor dieser Einkaufstour immer lustig über Hamsterkäufer. Doch in fünf Läden gab es nicht eine Rolle Klopapier. Pro Person darf man nur eine Packung Nudeln kaufen – ein echtes Problem, wenn man für drei Haushalte einkaufen geht. Und wenn es dann doch irgendwo Klopapier gibt, stürzen sich alle darauf. Auch der Heimweg auf dem Fahrrad wurde zur Herausforderung. Wer schonmal mit einem vollen Rucksack auf dem Rücken versucht, auf einem vollen Fahrradkorb ein Brot zu balancieren und damit einen Berg herunterzufahren, der weiß – Akrobatik ist gefragt. Wieder in Eschbach angekommen teilten wir uns auf, um die Lebensmittel schnell an ihre Besitzer zu bringen.

Um Körperkontakt zu vermeiden, legten wir die Einkäufe sowie das Rückgeld und die Kassenzettel einfach ab und gaben sie nicht in die Hand. Auch unsere Telefonnummer ließen wir da, damit wir das nächste Mal direkt telefonisch Kontakt aufnehmen können.

Bisher haben sich 18 Freiwillige bei der Verwaltung in Eschbach gemeldet, die Einkaufsfahrten übernehmen wollen. Es werden jeden Tag mehr. Bisher nutzen lediglich zwei Familien regelmäßig den Einkaufsdienst. Die Verwaltung weiß aber, dass sich viele Eschbacher selbstständig vernetzt haben und füreinander sorgen.

Wenn diese Coronakrise für etwas gut ist, dann vielleicht dafür, dass sie uns Menschen einander näher bringt und das Gefühl von Dorfgemeinschaft aufleben lassen kann.