Kritik

Wie war's bei... Ebow im Theater im Marienbad?

Stefan Mertlik

Von Stefan Mertlik

Mo, 09. Dezember 2019 um 10:53 Uhr

Der gute Ton (fudder)

30-jährigen Geburtstag feiert das Theater im Marienbad – am Sonntag läutete die Spielstätte in der Marienstraße das Geburtstagsjahr ein. Nachmittags stellte das Ensemble das neue Stück "Satelliten am Nachthimmel" vor, abends übernahm Rapperin Ebow die Bühne.

Der erste Eindruck

Ebow tritt auf Wunsch der Theatergruppe auf. Damit beschenkt sich das Marienbad quasi selbst. Die 29-Jährige hat noch nie in Freiburg gespielt, entsprechend interessiert zeigt sich das Publikum an diesem Sonntagabend. Wenige Tage nach der Ankündigung war das Konzert ausverkauft.

Die Location

Ein erster Blick ins Innere des Marienbads wirft nur eine Frage auf: Weshalb finden hier nicht häufiger Konzerte statt? Inmitten des trockengelegten Schwimmbeckens steht eine Bühne mit verspiegeltem Boden. Vor einer mehrstufigen Tribüne mit Sitzmöglichkeiten bietet ein breiter Stehbereich Raum für Tanz. Die hohe Decke verleiht der Location eine Großzügigkeit, die durch das warme Bühnenlicht trotzdem gemütlich wirkt.

Die Musik

Nicht nur die Sitzplätze sind für ein Hip-Hop-Konzert ungewöhnlich. Auch die Mikrofonständer gehören nicht zur Grundausstattung einer Rap-Show. "Immer wenn ich den Mikrofonständer hole, kommt ein ruhiges Lied", erklärt Ebow die Idee dahinter. Und tatsächlich, zu Songs wie "Butterflies" und "High" verzichtet die Wahl-Wienerin auf typische Rapper-Bewegungen und tänzelt stattdessen gefühlvoll um das Stativ.

Ebow, die mit dem "All Black Female Kollektiv" Bad & Boujee auftritt, kann aber auch laut und schnell. Dem Publikum gefällt das. Auf Stücke wie "Schmeck mein Blut", "K4L" und "Ja Ja" reagiert das ausverkaufte Haus mit einer ausgeprägten Tanzlaune. "Mach noch was schnelles", ruft eine Zuschauerin, als Ebow wieder zum Mikrofonständer greift. Sitzplätze braucht zu diesem Zeitpunkt niemand mehr.

Das Publikum

120 Menschen füllen das Marienbad bis auf den letzten Platz. Für ein Hip-Hop-Konzert befinden sich erstaunlich viele Frauen im Publikum. Das hier ist aber kein durchschnittliches Hip-Hop-Konzert. Statt Macho-Gehabe und coole Posen bietet Ebow einen Safe Space. Sie selbst feiert dieses Gefühl mit einem Medley aus Hits von Rapperinnen wie Eve, Lauryn Hill und Salt'n'Peppa.

Die Zugabe

Mit Zugaben kann Ebow nichts anfangen. Ihren Gästen erklärt die Rapperin, wie sie es stattdessen anstellt: "Wir spielen jetzt den letzten Song und danach spielen wir die anderen letzten Songs." Nach einer guten Stunde beendet sie die Show mit "Ebow 400" und "AMK". Kurz bevor die gebürtige Münchnerin die Bühne verlässt, grinst sie ins Publikum und greift zur Bierflasche neben den Turntables. "Ist noch Kuchen da?", wendet sie sich ein letztes Mal an die Menge und meint damit das Gebäck, das es zur Feier des Tages kostenlos gibt.

Das Fazit

Ein paar weitere Songs hätte Ebow zwar spielen können, dennoch hat das Marienbad mit diesem Booking Geschmackssicherheit bewiesen. Hoffentlich entscheiden sich die Verantwortlichen für weitere Konzerte in dieser außergewöhnlichen Location.

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