Wie war’s beim Chaos-Theater Oropax im Autokino Titisee?

Philippe Thines

Von Philippe Thines

Mo, 18. Mai 2020 um 18:04 Uhr

Titisee-Neustadt

Die Comedy-Brüder Martins aus Freiburg boten den ersten Liv-Act auf der Bühne des Autokinos in Titisee. Der Titel: "Mit Abstand am lustigsten".

Die Veranstaltung
Der Parkplatz am Badeparadies verhilft seit Wochen mit Filmvorführungen und Gottesdiensten zu einem Stückchen Normalität. Neu am vergangenen Wochenende: eine Comedyshow mit dem Chaos-Theater Oropax. Nicht nur Kleinkunstfans scharren schon geraume Zeit mit den Hufen, um endlich wieder Live-Auftritte erleben zu können. Auch die Künstler sehnen sich den Moment herbei, mit dem Publikum in Kontakt zu treten. Doch kann das funktionieren, auch wenn das Publikum abgeschottet in Autos sitzt?

Der erste Eindruck
Es ist nicht wichtig, besonders früh da zu sein, um den besten Platz zu ergattern. Von allen Plätzen herrscht einwandfreie Sicht auf die große Leinwand, auf der die Show übertragen wird. Auch in der letzten Reihe kann man jedes Detail erkennen und verpasst nichts.
Die Bühne
Kleinkunst lebt von der Interaktion zwischen Künstler und Publikum. Allerdings ist der Zuschauerraum von den üblichen hundert Quadratmetern auf gut einen Hektar angeschwollen und will bespielt werden. Damit es keine statische Filmvorführung wird muss der Abstand zwischen Bühne und Publikum überbrückt werden. Dafür hatten Künstler und Bühnenteam ein altes Auto als Laufsteg und Rampe installiert.

Die Requisiten
Um auf dem großen Terrain des Parkplatzes nicht lächerlich zu wirken, durften die Requisiten ein bisschen größer ausfallen. So auch der Zorbingball, mit dem Thomas Martins sich den Weg zum Bühnenauftritt durch die Autos bahnte.

Die Zuschauer
Leicht auszumachen waren die Profis unter den Autokino-Besuchern. Handtücher wurden in die Fenster eingeklemmt um sich vor der Abendsonne zu schützen, die das geschlossene Auto im Handumdrehen aufheizte. Campingbusbesitzer klappten ihr Aufstelldach auf und verfolgen die Show gemütlich von oben. Und für Fortgeschrittene: Eine orangefarbene Drehsignalleuchte auf einem Autodach ließ für alle rundum den Beifall erkennen.

Die entscheidende Aufgabe
Ganz klar – jeder Angestellte für sich hatte eine wichtige Rolle. Sei es bei der Ticketkontrolle, beim Einweisen des Parkplatzes oder bei der Tontechnik. Aber ohne den Kameramann, der die Künstler auf der Bühne verfolgte oder die Autos und ihre Insassen, die gerade in den Fokus von Oropax gerieten, einfing, wäre die Show nicht machbar gewesen.

Die besten Gags
Das Auflaufen der Comedy-Brüder zur Nordic-Walking-Einheit im Nylon-Jogginganzug der 80er Jahre hatte ein Hupkonzert der Meisterklasse zur Folge – aus Begeisterung versteht sich. Es mussten alle Zuschauer auf ihren Sitzen munter mitmachen, indem sie kräftig mit den Armen ruderten und die Autos so zum Wackeln brachten. Ebenfalls köstlich: Die Motorhaubeninspektion des roten Ford Focus von Zuschauerin Sandra. Letztendlich lag Thomas Martins im Motorraum und Sandra bekam einen zusätzlichen (Herren-)Zylinder zur Verstärkung ihres Motors überreicht.

Der Applaus
Statt zu klatschen wurde den Künstlern kräftig (Licht-)Hupe gegeben. Auch zum Leidwesen einer Autobatterie, die nach der Show einer Überbrückung bedurfte. Und wer einen Gag verpasst hatte, konnte durch sein zeitversetztes Hupen ganz leicht enttarnt werden.

Die schöne Geste
Zum Abschied winkten die Künstler in ihren silbernen Anoraks persönlich jedem Besucher bei der Ausfahrt zu.

Das Fazit
Kann so ein Auftritt funktionieren, auch wenn das Publikum abgeschottet in Autos sitzt? Ja, er kann. Der Besuch der Brüder Martins im Autokino Titisee-Neustadt war rundum gelungen. Auch, weil er so eine schöne Abwechslung war. Wie sagte Verena Möst, die bei der BZ zwei Karten für die Show gewonnen hatte: "Endlich mal wieder etwas vorhaben."