Interview

Wie wird man Spieleerfinder? Wolfgang Warsch verrät es

Tanja Liebmann-Décombe

Von Tanja Liebmann-Décombe

Sa, 17. September 2022 um 05:36 Uhr

Neues für Kinder

Wie wird man Spieleerfinder? Und ist Geduld dabei wichtig? Spieleautor Wolfgang Warsch im Interview

Anfang Oktober findet in Essen die weltweit größte Spielemesse statt. Dort präsentieren mehr als 950 Aussteller aus 56 Ländern rund 1500 Neuheiten – unter anderem auch von Wolfgang Warsch. Zwei seiner Spiele waren kürzlich auf der Nominierungsliste für den Preis "Kinderspiel des Jahres 2022". Im Interview mit Tanja Liebmann-Décombe gibt er Tipps für angehende Spieleautorinnen und -autoren.

BZ: Wie wird man Spieleerfinder?
Warsch: Indem man einfach anfängt und sich traut, seine Idee umzusetzen. Man kann das nicht lernen und nicht studieren und es kann einem eigentlich auch niemand beibringen. Wichtig ist, dass man Freude am Spielen hat. Auch Bastelfreude ist von Vorteil und der Drang, Dinge ausprobieren und weiterentwickeln zu wollen.
BZ: Offenbar haben Sie diesen Drang?
Warsch: Ja, den habe ich. Bei mir ist es sogar so, dass ich lieber Spiele entwickle, als selbst Spiele zu spielen. Ich bin zwar mit zwei älteren Geschwistern aufgewachsen, aber wegen des großen Altersunterschieds war ich wie ein Einzelkind. Daher habe ich öfter kleine Spiele für mich erfunden.
BZ: Wann haben Sie damit angefangen?
Warsch: Da war ich etwa elf oder zwölf Jahre alt. Erfunden habe ich die Spiele nicht nur für mich, sondern auch fürs gemeinsame Spielen mit meinen Sitznachbarn im Gymnasium.

BZ: Gibt es einen Ort, an dem Ihnen besonders viele Spielideen einfallen?
Warsch: Ja, tatsächlich beim Spazierengehen. Ich laufe rund vier Mal in der Woche etwa sechs bis acht Kilometer alleine durch den Wald. Da habe ich viel Zeit, um mir Gedanken zu machen.
BZ: Welche Tipps haben Sie für Kinder, die ein Spiel erfinden möchten?
Warsch: Ganz wichtig ist am Anfang die Idee. Wenn man die hat, ist der schwerste Schritt schon getan. Dann muss man sich nur noch trauen, weiterzugehen – zum Beispiel indem man Zeichnungen macht und versucht, Regelideen weiterzuentwickeln.
BZ: Was kann noch helfen?
Warsch: Angehende Spieleerfinder können Eltern oder andere Erwachsene zu ihren Verbündeten machen. Die können Tipps geben und dabei helfen, Material für die Spielidee einzukaufen.
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BZ: Oder es erlauben, Packungen von anderen Spielen zu plündern?
Warsch: Ja, das wäre gut. Mein Tipp: Würfel, Figuren, Karten oder Ähnliches von anderen Spielen hernehmen und damit experimentieren.
BZ: Wie wichtig ist Geduld?
Warsch: Die ist entscheidend wichtig. Wer ein Spiel erfinden will, sollte sich auf keinen Fall entmutigen lassen. Nur weil Freunde oder Geschwister von der Spielidee nicht begeistert sind, muss das noch lange nicht heißen, dass die Idee schlecht ist.