Freiburger Start-up

Wiferion verzeichnet 200 Prozent Umsatzplus

Bernd Kramer

Von Bernd Kramer

Mi, 24. November 2021 um 19:09 Uhr

Wirtschaft

Wiferion bietet Lösungen für das kontaktlose Laden in Firmen an. Die Nachfrage ist hoch. Auch die Autoindustrie setzt vermehrt auf die Technik aus Freiburg.

Vielleicht schaffen es Johannes Mayer, Florian Reiners, Benriah Goeldi und Johannes Tritschler, einen neuen industriellen Standard zu setzen. Zumindest findet ihre Technik in immer mehr Fabriken und Logistikzentren Anwendung. Die vier früheren Mitarbeiter des Freiburger Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme haben Lösungen für das kontaktlose Laden von Fahrzeugen entwickelt.

Auf Basis der elektromagnetischen Induktion holen sich batteriebetriebene Fabriktransporter, Gabelstapler oder Roboter ihren Strom an der Ladestation – ganz ohne Kabel. Wiferion, so heißt das 2015 ins Leben gerufene Freiburger Unternehmen der vier Gründer, hat in den vergangenen Monaten einen riesigen Sprung nach vorne gemacht. "Um rund 200 Prozent ist der Umsatz gestiegen", sagt Vertriebschef Julian Seume. "Beim Auftragseingang ist der Wert in etwa gleich." Der Umsatz liege nun im oberen siebenstelligen Bereich. Mitgründer und Geschäftsführer Johannes Mayer freut vor allem, dass Wiferion-Technik nach eigenen Angaben immer öfter in der Königsklasse des verarbeitenden Gewerbes zu finden ist – der Autoindustrie. Diese rüstet gerade ihre Produktion auf den Bau von E-Autos um. Die dafür notwendigen neuen Transportsysteme holten sich ihren Strom vor allem kabellos, sagt der studierte Physiker und Wirtschaftswissenschaftler Mayer.

Auch in den Chip-Fabriken kommt die Technik zum Einsatz

Aber auch in den Chip-Fabriken, an denen es gerade mangelt, kommen die Lösungen aus Freiburg zum Einsatz. "Über Kabel kann man stolpern", sagt Mayer. Teure Mikroelektronik könne so leicht zerstört werden.

Wie für andere Elektronikunternehmen war es aber auch für Wiferion nicht einfach, die Teile für die expandierende Produktion zu bekommen. "Es war ein echter Kraftakt. Lieferzeiten und Preise erhöhten sich plötzlich drastisch. Im Extremfall musste für ein Teil, das früher 20 Cent kostete, bis zu sieben Euro bezahlt werden", sagt Mayer.

"Unsere Technik gewinnt immer mehr an Akzeptanz, zumal sie auch mit deutlich weniger Verschleiß verbunden ist." Johannes Mayer
Er rechnet damit, dass die Engpässe erst Ende kommenden Jahres verschwunden sein werden. Dennoch ist er sehr zuversichtlich. "Unsere Technik gewinnt immer mehr an Akzeptanz, zumal sie auch mit deutlich weniger Verschleiß verbunden ist." Das Freiburger Start-up, an dem unter anderem der skandinavische Wagniskapitalfonds Nordic Alpha Partners und der Hightech-Gründerfonds beteiligt sind, beschäftigt derzeit rund 50 Menschen – zehn mehr als im vergangenen Jahr. "Wir werden weiter einstellen", sagt Mayer.

Johannes Fottner, Professor für technische Logistik an der Technischen Universität München, ist vom Ansatz aus Südbaden überzeugt: "Wiferion hat jede Chance, sich als wichtige Komponente in der innovativen Logistik zu etablieren und damit ein gewichtiger Baustein zu werden."