Geschützte Art

Wilderer in Italien schießen seltene Waldrappen vom Bodensee ab

dpa, Bernhard Amelung

Von dpa & Bernhard Amelung

Fr, 20. November 2020 um 11:30 Uhr

Südwest

Illegale Jäger sollen in Italien mehrere Waldrappen getötet haben. Die vom Aussterben bedrohten Vögel kommen vom Bodensee. Dort will sie ein Projekt wieder heimisch machen

Illegale Jäger in Italien sollen der Wiederansiedlung der seltenen Vogelart Waldrapp am Bodensee einen Rückschlag versetzt haben. Nach Angaben der Vogelschützer könnten sieben der vom Aussterben bedrohten Vögel aus dem Nachzucht-Projekt in Österreich und Überlingen in Italien abgeschossen worden sein. Das Artenschutzprojekt bemüht sich seit Jahren, den Waldrapp in Europa wieder heimisch zu machen.

Inzwischen ist die Population auf mehr als 150 Vögel angewachsen, sagte Projektleiter Johannes Fritz am Freitag. Die Verluste durch illegale Jagd seien mehr als halbiert worden. "Doch in diesem Jahr hat sich die Situation wieder geändert", sagte Fritz. Die jüngsten Abschüsse seien schockierend und alarmierend.

Die illegale Jagd ist eine mögliche Folge der Corona-Pandemie

Zu den jüngsten Fällen gehört nach Angaben von Fritz auch das Weibchen "Afra". Es gehörte zur neu gegründeten Brutkolonie in Überlingen und überflog die Küstenstadt La Spezia in Ligurien (Italien). "Kurz danach zeigte der Solarsender, mit dem es wie jeder andere Vogel des Waldrapp-Projektes ausgestattet war, seinen Tod an", sagte der Projektleiter.

Es sei wahrscheinlich, dass die steigende Zahl von Abschüssen auch eine Folge der Corona-Pandemie sei. Das Jagen sei in Italien beliebt und die Menschen seien durch die Pandemie häufiger im Freien. Zum anderen werde weniger kontrolliert. "Das Potenzial ist immer da, nun haben die Jäger auch den Spielraum", sagte Fritz.

Alle Waldrappe sind mit GPS-Sender ausgestattet

Das Waldrapp-Team um den Biologen Johannes Fritz hatte 2017 erstmals Waldrappen über die Alpen in ihr Winterquartier in der Toskana geführt. Wie das Waldrapp-Team auf seiner Webseite berichtet, kehrte 2019 erstmals ein Waldrapp selbständig aus der Toskana nach Überlingen zurück. Im Frühjahr 2020 kehrten die ersten geschlechtsreifen Waldrappe selbstständig zurück. Die Flugrouten der Waldrappen lassen sich auf der Webseite und der App des Waldrappteams nachverfolgen. Das Projekt hat alle Waldrappe mit GPS-Sendern ausgestattet. Diese übertragen ihre Positionen in Echtzeit auf eine Datenbank.

Die gänsegroßen Vögel lebten bis ins 17. Jahrhundert im Alpen- und Mittelmeerraum, unter anderem auch an Felswänden in Überlingen. Dann wurden ihnen Vogeljäger zum Verhängnis. Heute sind die Zugvögel in freier Wildbahn praktisch ausgestorben.

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