Verkehr

Wildtalspange in Freiburg-Zähringen rückt in weite Ferne

Holger Schindler

Von Holger Schindler

Fr, 24. Januar 2020 um 16:11 Uhr

Zähringen

Anwohner der Wildtalstraße in Zähringen müssen sich auf Zusatzverkehr einstellen. Die Wildtalstraße hat nur mittlere Priorität. Mit dieser Nachricht herrschte Ernüchterung beim Neujahrsempfang.

Finanzbürgermeister Stefan Breiter war sich im Klaren darüber, dass er da für die meisten eine Hiobsbotschaft zu überbringen hatte. "Die Wildtalspange hat nur mittlere Priorität", verkündete er am Mittwochabend beim Neujahrsempfang in Zähringen. Er habe laute Buhrufe als Antwort erwartet, fügte er nach kurzer Pause hinzu. Doch er erntete betretenes Gemurmel. "Damit rückt eine Verkehrsentlastung für die Wildtalstraße in Weite ferne", kommentierte Bernd Beßler, Vorsitzender des Bürgervereins, später die Neuigkeit aus dem Rathaus.

Seit vielen Jahren kämpft der Bürgerverein Zähringen für die sogenannte Wildtalspange. Gemeint ist damit eine Brücke über die Bahnlinie, welche die vom Gundelfinger Ortsteil Wildtal kommende Straße direkt an die Gundelfinger Straße anbinden soll (siehe Grafik). Von dort lässt sich die die Bundesstraße 3 (Isfahanallee) erreichen, ohne durchs Zähringer Stadtteilzentrum fahren zu müssen. Die erhoffte Folge: Weniger Autos auf der Wildtalstraße und den angrenzenden Straßen, insbesondere der Reutebachgasse, der Bernlappstraße und der Berggasse.

Anwohner der Wildtalstraße müssen sich auf mehr Verkehr einstellen

"Die Stadtverwaltung ist nun offensichtlich zu dem Entschluss gekommen, dass die Entlastung keinen besonderen Vorrang hat", so Beßler, "und das heißt für mich, dass realistisch gesehen da in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren wohl nichts geschehen wird." Jetzt noch den Gemeinderat zu beeinflussen, damit das Projekt doch noch vorgezogen werde, hält Beßler ebenfalls für aussichtslos.

Besonders im Zusammenhang mit der geplanten Bebauung des Höhe-Gewanns am Rand von Zähringen war die Wildtalspange nochmals verstärkt in den Fokus gerückt. Denn auf der Höhe sollen in den kommenden Jahren "bis maximal 300 Wohneinheiten" entstehen, wie Stefan Breiter beim Neujahrsempfang im Gemeindehaus St. Blasius nochmals bestätigte – mit einem entsprechenden zusätzlichen Verkehrsaufkommen für den Stadtteil. "Die neuen Höhe-Bewohner werden also künftig in aller Regel erst über den Höheweg nach Norden und anschließend über die Wildtalstraße wieder nach Süden fahren müssen", so Beßler. Die Anwohner der ohnehin schon stark befahrenen Wildtalstraße wiederum hätten sich wohl auf zusätzlichen Verkehr vor der Haustüre einzustellen.

Ausbau kann frühestens 2023 beginnen

Die Vorstandskollegen vom Bürgerverein und er selbst seien sehr ernüchtert nach dieser Entscheidung der Verwaltung. Hinzu kommt, dass auch beim Thema Ausbau B 3/Isfahanallee, einem anderen vom Bürgerverein seit Jahren forcierten Projekt, Breiter verklausuliert eine weitere Verschiebung in die Zukunft ankündigte. Der Ausbau könne frühestens nach Bau der Stadtbahn durch die Waldkircher Straße beginnen, also nicht vor 2023. "Ich persönlich denke, vor 2025 wird das kaum was werden mit dem Baubeginn", so Beßler. Einen kleinen Lichtblick sieht der Bürgervereinsvorsitzende immerhin in der noch fürs laufende Jahr geplanten Verkehrszählung im Stadtteil, die auch umfassend den Schleichverkehr zwischen Herdern und Zähringen durch die Hang-Wohngebiete erfassen soll. "Das könnte uns neue Argumente liefern", so Beßler.

Nicht alles im Stadtteil wird auf die lange Bank geschoben. Zeitnah realisiert werden soll, so erklärte Bürgermeister Breiter, ein sogenannter Pumptrack. Ein Pumptrack ist eine Bahn mit Wellen und Steilkurven, die sich im Prinzip mit allem befahren lässt, was rollt – Fahrräder, Tretroller, Laufräder, Skateboards oder Inliner. In der zweiten Jahreshälfte solle mit dem Bau der Strecke zwischen Bahn und Isfahanallee begonnen werden.

Quartiersarbeiter hat seinen Dienst angetreten

Schon in Gang gekommen ist die Quartiersarbeit. Zum neuen Jahr hat der Sozialarbeiter Jan Schiering (29) seinen Dienst angetreten. Träger der von der Stadt finanzierten Arbeit ist der Caritas-Verband Freiburg-Stadt. Schiering, der am Empfang teilnahm, hat eine volle Stelle. Sein Büro ist am Platz der Zähringer, Zähringer Straße 346. Wichtige Aufgaben seien für ihn das Gespräch mit den Menschen im Quartier sowie Beratung und Vernetzung bei allen Fragen und Problemen.

Musikalisch umrahmt wurde der Empfang durch ein Bläserquartett des Musikvereins Zähringen. Angesichts der Nachricht aus dem Rathaus, dass es die Stadt mit der Wildtalspange nun wohl definitiv langsam angehen will, fügte es sich, dass die vier Musiker das Stück "Probier’s mal mit Gemütlichkeit!" zum Besten gaben.