Wir brauchen mehr Naturschutz statt -reparatur

Yvon Broudeur

Von Yvon Broudeur (Merzhausen)

Fr, 13. März 2020

Leserbriefe

Zu: "Zehn Milliarden für Klimaschutz", Beitrag von Frank Herrmann (Wirtschaft, 19. Februar)

"Wir können die Erde retten", verkündet Herr Bezos auf Instagram. Dafür will er den überflüssigen Teil (immerhin zehn Milliarden Dollar) seines Vermögens Wissenschaftlern, Umweltorganisationen und anderen zur Verfügung stellen. Herr Bezos verliert aber kein Wort über die hunderttausende von Quadratmetern, über die zahlreichen Insekten, Blumen und Vögel, die dem unbegrenzten Wachstum seines überflüssigen Unternehmens zum Opfer fielen und weiterhin fallen. Unerwähnt bleiben die CO2-Emissionen, die Amazon weltweit produziert.

Die Erde braucht uns nicht, das wissen wir. Brauchen wir Amazon? Nicht alles steht zum (Ver-)Kauf, Herr Bezos! Um unseren Planeten zu retten, brauchen wir mehr als Ihr Geld, das ja zum Teil durch Umweltvernichtung verdient wurde. Und wenn Sie schon das Wort "retten" benutzen, dann wünsche ich Ihnen ein Damaskus-Erlebnis, damit Sie die Notwendigkeit eines radikalen Paradigmenwechsels verstehen. Weniger Konsum für alle, viel weniger Reichtum und Macht für einige über Menschen und Natur, viel mehr Naturschutz statt Naturreparatur. Somit würden sich Ihre zehn Milliarden Dollar erübrigen. Mehr "wir" und weniger "ich".

Und wir, namenlose, aber nicht machtlosen Verbraucher? Werden wir nach der nächsten Demonstration für die Umwelt eine neue Bestellung bei Amazon tätigen, bevor wir ins nächste Flugzeug einsteigen? Yvon Broudeur, Merzhausen