"Wir haben uns als Team ergänzt"

Eva Korinth

Von Eva Korinth

Fr, 15. Oktober 2021

Titisee-Neustadt

Dorothea Obermann und Edeltraud Sörgel vom Frauenverein tun sich noch schwer mit der Trennung vom Kindergarten St. Elisabeth, der an die Stadt übergeht.

. Der Frauenverein Neustadt löst sich auf und gibt seinen Kindergarten St. Elisabeth nach 145 Jahren an die Stadt ab (die BZ berichtete). Leicht gefallen ist Dorothea Obermann (65) und Edeltraud Sörgel (59) aus dem Präsidium dieser Schritt nicht. Doch die Zeit war reif: Die Grenzen des ehrenamtlichen Engagements seien erreicht, die Verantwortung zu groß geworden, weil die Aufgaben für den Betrieb des Kindergartens zu viel geworden waren. Hinzu kam seit vier Jahren die erfolglose Suche nach Nachfolgerinnen.

17 Jahre lang haben Obermann und Sörgel Verein und Kindergarten geleitet. Es war eine besondere Ära, in der viel passiert ist. Vor 24 Jahren haben die beiden diese mit einer Projektgruppe eingeläutet. Damals stand der Frauenverein vor einem Umbruch, die Mehrzahl der Vorstandsmitglieder war über 70 Jahre alt. Der Verein wurde neu definiert, nachdem sich die Projektgruppe alles angeschaut hatte, was die Frauen seit 1876 geleistet haben: den Kindergarten, Gebäudeunterhalt, das Vereinsleben. "Wir waren jung und der Frauenverein ist ein toller Verein", so Obermann. Ihre Vorgängerinnen hätten viel bewegt zum Wohle der Kinder, ein gutes Fundament geschaffen und eine soziale Einrichtung gesellschaftlich etabliert. "Das hat uns sehr angesprochen, wir wollten auch etwas bewegen, den Geist der Frauen und ihr Erbe weiterleben lassen."

Die Gruppe entwickelte Ideen, gestaltete das Vereinslogo Miteinander-Füreinander, formulierte Ziele, aktivierte das Vereinsleben. Nach und nach lösten die Frauen der Projektgruppe die Vorstandsfrauen ab. 1993 wurde Obermann in den Vorstand gewählt, 1994 zur stellvertretenden Präsidenten. 1999 kam Sörgel in den Vorstand. Beide wurden 2004 zur Präsidentin und Stellvertreterin gewählt.

"Wir haben uns als Team ergänzt, jede war trotzdem eigenständig", sagen sie. Ihr Umgang war von Respekt, Vertrauen, Loyalität und Anerkennung geprägt. Auch mit den anderen Vorstandsfrauen sei es immer ein respektvolles Miteinander gewesen. 14-tägig kam der Vorstand zusammen. Beide empfinden es als großes Glück, dass das Zusammenspiel und die Zusammensetzung des Vorstands immer passte, viel Wissen aus sozialen, pflegerischen und verwaltungstechnischen Berufen vorhanden war, alle offen und aufgeschlossen waren.

Das Telefon war das wichtigste Arbeitsgerät. Die Präsidentinnen waren immer Ansprechpartnerinnen für die Kindergartenleiterin Regina Wasmer, die Erzieherinnen, die Eltern und die Stadt.

Das Vereinsleben blühte auf. Es gab Kuchenstände, Theaterfahrten, Mitarbeiterbetriebsausflüge, Vorträge und Veranstaltungen für die Eltern, Schnittchenkino, ein Backbuch, die Chronik zum 125-jährigen Bestehen, Sommerfeste, die Kooperation mit dem Frauenverein Lenzkirch. Das neue Konzept funktionierte, weitere Frauen wurden Mitglieder und haben bis heute dem Verein die Treue gehalten. "Das hat unsere Arbeit stets getragen", sagt Edeltraud Sörgel.

Zwei große Umbauten mit Sanierungen der Gebäude bewältigten Obermann und Sörgel, wie auch die Umstrukturierung vom Regelkindergarten mit sechs Gruppen zur Einrichtung mit sieben Gruppen verschiedener Betreuungsformen von der Ganztags- bis hin zur Kleinkindgruppe. Noch tun sie sich schwer damit, dass St. Elisabeth Ende des Jahres nicht mehr "ihr" Kindergarten ist. "Wir haben gute und andere Erfahrungen gemacht, Freundschaften geschlossen, viel erlebt und dazugelernt", sagt Obermann rückblickend, "es braucht Zeit, bis das gesackt ist." Auch für den Frauenverein bricht eine neue Zeit an, er lebt das Erbe von 1875 in neuer Form weiter.