"Wir kommen an unsere Grenzen"

Annemarie Zwick und Jürgen Ruoff

Von Annemarie Zwick & Jürgen Ruoff

Fr, 20. August 2021

Landesliga Staffel 3

Löffinger Trainer Jörg Klausmann kämpft mit extremen Personalproblemen / Landesligist FC Neustadt im Derby beim FC Schonach.

. Unsere Landesliga-Platzhirsche warten noch auf den ersten Sieg: Der FC Neustadt hat zweimal 1:1 gespielt, der FC Löffingen hat am ersten und zweiten Spieltag verloren. Am Wochenende treten beide Mannschaften auswärts an und stellen sich auf heftige Gegenwehr ein: der FC Neustadt in Schonach und der FC Löffingen beim SV Denkingen.

SV Denkingen – FC Löffingen (Samstag, 15.30 Uhr). Vor dem Auswärtsspiel in Denkingen sei die personelle Situation beim FC Löffingen "extrem". "Es ist wirklich fatal", sagt Jörg Klausmann, der Löffinger Trainer, gedanklich bastelt er unentwegt an elf Aufrechten, die er aufs Feld schicken kann. Einfach hören sich die Planspiele nicht an: Mir fehlen vorne zwei Offensive, dann schiebe ich den nach vorne, aber dann fehlt mir wieder hinten einer... Fest steht, dass ihm etliche Spieler, die gegen Hegau im Kader waren, am Samstag nicht zur Verfügung stehen: Marco Kopp, Marco Schwirtz, Julan Reich, Dennis Beha und Marcel Wetterer sind weg. Und Felix Kohler ist nicht rechtzeitig aus dem Urlaub zurück, um spielen zu können. Fraglich ist der Einsatz von Florian Hofmann, der Vater geworden ist, ebenso der von Daniel Fuß, der nach einer Sperre wieder frei ist. Bei Fuß musste das gestrige Abschlusstraining Klarheit bringen, ob er einsatzfähig ist oder nicht. Zudem ist Maximilian Benz angeschlagen. "Ich muss ein bisschen tricksen, aber wir kriegen auf jeden Fall 13, 14 Spieler zusammen", sagt Klausmann. Herschenken, nein, dafür ist er nicht der Typ. Er redet davon, die Erwartungshaltung an die Situation anzupassen, zurückzuschrauben. Aber wenn der Ball rollt, will einer wie Klausmann immer gewinnen, auch wenn die Schwierigkeiten sich auftürmen wie Alpengipfel. "Vielleicht haben wir ja mal Spielglück oder wir gehen durch eine Standardsituation in Führung und stellen dann einen Bus vor unser Tor." Doppeldecker-Busse sind da besonders wirkungsvoll.

Einige Spieler aus der zweiten Reihe werden wohl befördert, viel Landesliga-Erfahrung haben sie nicht. Was nicht nachteilig sein muss, manchmal findet man auf diese Art und Weise ein Talent. "Ich weiß noch nicht, wie ich es mache", sagt Klausmann, "aber ich befürchte, dieses Mal kommen wir an unsere Grenzen".

FC Schonach – FC Neustadt (Sonntag, 15 Uhr). "In Schonach muss man immer ans Maximum gehen, wenn man etwas holen will", sagt Florian Heitzmann, "mit angezogener Handbremse geht da nichts. Es ist immer sehr schwierig und kompliziert, dort was mitzunehmen. Das ist uns bewusst". Heitzmann, der den FC Neustadt zusammen mit Ranil Weerakkody coacht, hat die Leistung der eigenen Mannschaft beim 1:1 im Heimspiel gegen Furtwangen nicht so schlecht gesehen wie einige andere. "Wir müssen das Spiel gewinnen, wir hatten in der zweiten Halbzeit genug Chancen", sagt Heitzmann, wirbt aber auch für Nachsicht: "Wir hatten zwei 18-Jährige und einen 19-Jährigen auf dem Platz." Gleichwohl räumt er ein, dass es einen Leistungsanstieg von der ersten, nicht so guten Halbzeit zur zweiten gab. "Die Wechsel haben funktioniert, in der zweiten Halbzeit war vieles gut", sagt Heitzmann, "ich war nicht unzufrieden mit der Leistung, aber auch nicht ganz zufrieden". Die Mannschaft sei auf einem guten Weg allgemein – und speziell bei den Jungen.

Was System und Aufstellung angeht, lassen sich Heitzmann und Weerakkody nicht gerne in die Karten schauen – wie eigentlich alle Trainer. Nur so viel: Josip Katava ist noch im Urlaub. Raphael Klein, der sich mit Beschwerden in der hinteren Oberschenkel-Muskulatur herumplagt, hat Montag und Dienstag nicht trainiert, wollte es gestern Abend im Abschlusstraining jedoch probieren. Stammtorwart Manuel Werner, der sich nach einem Kreuzbandriss auf dem langen Weg hin zur sportlichen Belastbarkeit befindet, wird wohl erst nach der winterlichen Spielpause Ende Januar wieder in die fußballspezifischen Trainingseinheiten einsteigen.

Beim Schonacher Kader entspannt sich die Lage

Die Derbys seiner Mannschaft gegen die Neustädter waren meistens eng, sagt Alexander Fischinger. In der Vorsaison fielen allerdings beide der Pandemie zum Opfer. Von der Qualität der Wälderstädter hat der Trainer des FC Schonach eine hohe Meinung: Sie seien nicht schwächer als etwa der FC Überlingen, aktuell Tabellenzweiter mit zwei Siegen. Dort hätten seine Schonacher vergangene Woche "’was holen können", denn Einstellung und Leistung seien nicht schlecht gewesen bei der 1:3-Niederlage. Doch bei den Gegentreffern habe man "Lehrgeld gezahlt". Und die Personalnot war laut Fischinger wie schon in der Woche zuvor "grausam". In der Nachspielzeit schickte er mangels Alternativen zwei Torhüter aufs Feld. Es sei "alles zusammengekommen: Impfen, Urlaub, Angeschlagene".

"Jetzt kommt noch Qualität dazu", sagt der Schonacher Coach mit Blick auf vier Rückkehrer. Elvin Kljajic und Markus Dold würden der Mannschaft Stabilität geben, auch Tim Hettich und Innenverteidiger Lorenz Spiegelhalter seien wichtige Spieler. Ob er sie alle schon gleich wieder einsetzen wird, will Fischinger von seinen Trainingseindrücken abhängig machen. "Einstellung ist wichtiger als Aufstellung", betont er, denn "die beste Einstellung gibt die beste Mannschaft". Zuletzt habe die Leistung gestimmt, die Ergebnisse nicht. Das soll sich am Sonntag vor eigenem Anhang mit dem ersten Punktgewinn ändern. "Ich freu’ mich drauf", sagt Fischinger.