BZ-Interview mit dem Ökonomen Johannes Becker

"Der Steuerwettbewerb ist außer Kontrolle geraten"

Jörg Buteweg

Von Jörg Buteweg

Mi, 24. April 2019 um 10:00 Uhr

Wirtschaft

BZ-Plus Die Chancen stehen nicht schlecht, dass die internationale Staatengemeinschaft der Steuerflucht von internationalen Konzernen einen Riegel vorschiebt. Das sagt der Steuerexperte Johannes Becker.

BZ: In der Öffentlichkeit herrscht der Eindruck, große, international tätige Firmen zahlten dank trickreicher Konstruktionen praktisch keine Steuern und die Staaten könnten dem nur hilflos zusehen. Ist dieser Eindruck richtig?
Becker: Der Steuerwettbewerb ist tatsächlich außer Kontrolle geraten. Insbesondere große Tech-Unternehmen aus den USA wie Google oder Facebook schaffen es, die Steuern auf ihre europäischen Gewinne weitestgehend zu vermeiden.
"Statt des Gewinns den Umsatz zu besteuern, halte ich für einen Fehler."Johannes Becker BZ: Dass Firmen findig sind beim Austüfteln von Konstruktionen zur Steuervermeidung, haben Enthüllungen wie die Panama Papers gezeigt. Als Konsequenz haben Frankreich und Österreich jetzt eine spezielle Umsatzsteuer für Firmen wie Google, Facebook oder Apple eingeführt. Deutschland spricht sich auch für eine solche Umsatzsteuer, Digitalsteuer genannt, aus.
Becker: Statt des Gewinns den Umsatz zu besteuern, halte ich für einen Fehler. Erstens haben wir ja mit der Mehrwertsteuer bereits eine Umsatzsteuer. Zweitens müsste eine Digitalsteuer auch bezahlt werden, wenn eine Firma Verluste macht. Das ist aber ökonomisch nicht sinnvoll, weil sich damit die ohnehin schwierige Lage des Unternehmens noch verschlechtern würde. Ich glaube auch nicht, dass in Deutschland eine Digitalsteuer eingeführt wird. Die Bundesregierung ist dagegen.

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