Außenhandel
Ist das deutsche Wirtschaftsmodell ein Problem für Deutschland und für die Welt?
Deutschland erzielt gegenüber dem Rest der Welt so große Überschüsse wie nie. Wie man das beurteilt, ist eine Frage der Perspektive. Die BZ hat mit Ökonomen unterschiedlicher Couleur gesprochen.
Was ist die Leistungsbilanz eines Landes und wie entstehen Überschüsse und Defizite?
Man schaut sich alle ins Ausland gelieferten und von dort eingeführten Güter an. In Stuttgart gebaute und nach Moskau gelieferte Daimler gehen genauso in diese Bilanz ein wie vor der Küste Norwegens gefördertes, aber in Karlsruhe raffiniertes Erdöl. Hinzu kommen sämtliche grenzüberschreitenden Dienstleistungen. Im- und Exporte von Waren und Dienstleistungen ergeben die Handelsbilanz eines Landes. Nimmt man grenzüberschreitende Zahlungen hinzu, ergibt sich die Leistungsbilanz. Der Würzburger Ökonom und Wirtschaftsweise Peter Bofinger erklärt: "Ein Leistungsbilanzüberschuss entsteht, wenn ein Land gegenüber den anderen Ländern im gesamten wirtschaftlichen Austausch mehr ausführt als einführt. Beim Defizit ist es umgekehrt." Deutschlands Überschuss ist der größte der Welt und auch gemessen an der hiesigen Wirtschaftsleistung (etwa 8,5 Prozent davon) so hoch wie nie. Das US-amerikanische Defizit in Höhe von 478 Milliarden Dollar wiederum ist Weltrekord.
Was ist der Grund für den deutschen Überschuss?
Das ist strittig. Bofingers Amtskollege im Rat der weisen Volkswirte, der Freiburger Lars Feld, sagt: "Der Überschuss rührt vor allem von den vielen Investitionen deutscher Unternehmen außerhalb der Bundesrepublik her. Es fließt viel deutsches Kapital ins Ausland." Wenn ein schwäbischer Autobauer ein Werk in den USA oder in Mexiko baut, um von dort aus den nordamerikanischen Markt zu beliefern, so macht sich das in der deutschen Leistungsbilanz mit einem ...