Gutach

Gütermann: Der langsame Tod eines Familienunternehmens

Heinz Siebold

Von Heinz Siebold

Sa, 21. Juni 2014 um 00:00 Uhr

Wirtschaft (regional)

Nähgarn von Gütermann – jede gute Hausfrau kennt das. Doch ausgerechnet zum 150. Geburtstag wird die Firma jetzt nach Amerika verkauft. Vom langsamen Tod eines Familienunternehmens.

Die Geburtstagsfeier wird zugleich eine Abschiedsfeier sein: 150 Jahre lang war die Nähseidenfirma Gütermann in Gutach im Besitz der Familie gleichen Namens. Nun bleibt nur noch der Name, der neue Eigentümer kommt aus Amerika. Er heißt "American & Efird" (A&E). Der Konzern ist der zweitgrößte Nähfadenhersteller der Welt und gehört seit drei Jahren dem Finanzinvestor KPS Capital Partners aus New York. Die Aktionärsversammlung von Gütermann hat dem Verkauf zugestimmt, von den 100 Aktionären gehören die meisten der weit verzweigten Familie an.
Das Fest zum 150. Geburtstag am nächsten Samstag wird deshalb zwiespältig werden. Aber das gibt keiner zu: Die Unternehmensleitung feiert den Verkauf als Entscheidung für die Zukunft von Standort und Arbeitsplätzen. Die Familie schweigt, sie hat keinen Sprecher, und mit Journalisten redet man grundsätzlich nicht gern, und vor allem nicht darüber, was Journalisten interessieren würde.
Seit der letzte Gütermann vor sechs Jahren aus dem Vorstand ausgeschieden ist, sind die Aktienpakete das letzte Bindeglied der Familie zur Firma gewesen. Was bleibt, ist das wehmütige Gefühl, dass die Zeiten früher besser waren als heute. Es gibt schon lange Groll darüber, dass nun "Familienfremde" das Sagen in der Firma haben. Stolz gehört zu einem Familienunternehmen immer dazu.
Gütermann-Nähseide wurde zur Marke
Es begann alles mit der Leitidee von Gründer Max Gütermann (1828-1895): "Wir wollen die beste Nähseide auf die wirtschaftlichste Weise herstellen und sie so verkaufen, dass der Verbraucher sie so billig wie möglich erhalten kann." Gesagt, getan. Der Gründervater baute sein Unternehmen auf, entwickelte es weiter und übergab es schließlich seinen Söhnen und Enkeln. Auf Gedeih und Verderb.
Gütermann-Nähseide wurde zur Marke – jede gute Hausfrau hatte sie im Nähkästchen. Gütermann gehört zu den Fabriken, die den Ruf Südbadens als Hochburg der Textilindustrie vor über einem Jahrhundert begründet und in ...

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