WOCHENSCHAU: Respektlos

Moritz Lehmann

Von Moritz Lehmann

Sa, 14. November 2020

Lörrach

Für die Einen ist der Mund-Nasenschutz ein modisches, für die Anderen ein lästiges Accessoire. Zu Letzteren gehört der Mann, der kürzlich ohne Maske ein Geschäft in der Lörracher Innenstadt betrat. Wahrscheinlich glaubt er, nach ein paar Monaten Pandemie mehr über Sars-CoV-2 zu wissen als Virologen, die sich ihr ganzes Leben lang mit nichts anderem beschäftigt haben. Die sagen nämlich: Die Maske ist kein Accessoire, sondern ein einfaches Mittel, mit dem jeder dazu beitragen kann, dass das Gesundheitssystem nicht zusammenbricht. Besagter Mann weiß es besser. "Es wird ihnen nicht gefallen, was Sie jetzt sehen werden", sagte er, als ihn die Verkäuferin darum bat, eine Maske aufzusetzen. Und noch hinterher schob, dass ihr das auch unangenehm sei, aber so seien nun einmal die Regeln. Der Mann zog daraufhin ein Zitronennetz über Mund und Nase. Die Verkäuferin, zu diesem Zeitpunkt alleine am Laden, war überfordert. Sie wusste nicht, wie sie regieren soll. Also ließ sie den Mann gewähren. Man muss die Maskenpflicht nicht gut finden, um sich über diesen Mann zu empören. Allein die Respektlosigkeit, die er an den Tag legt, macht sauer. Die Botschaft, die er mit seinem Zitronennetz gegenüber der Verkäuferin ausdrückt, ist doch die: Deine berufliche Existenz ist mir – Pardon – scheißegal. Und deine Gesundheit auch.

Machtlos

2020 ist für die Oberligafußballer des FV Lörrach-Brombach eine Zumutung. Und es ist gar nicht absehbar, was alles noch folgen wird. Im Frühjahr verhalf die Pandemie ihnen unerwartet zum Aufstieg, weil die Saison in der Verbandsliga Südbaden abgebrochen worden war, als sie oben standen. Dann mussten sie sich mit den Auswirkungen einer auf 21 Mannschaften aufgeblasenen Oberliga Baden-Württemberg abfinden. Das bescherte ihnen drei Partien pro Woche, was für Amateure auf Dauer eine ungewöhnliche körperliche Herausforderung ist und angesichts der weiten Fahrten gerade wochentags auch zeitlich schwierig. Nun kommt es noch dicker: Trainingsverbot im Lörracher Grütt! Die Hygienebestimmungen legt die Stadt Stuttgart jedoch so aus, dass die dort heimischen Kickers sehr wohl trainieren dürfen. Der Lörrach-Brombacher Trainer Erkan Aktas spricht angesichts dessen von Wettbewerbsverzerrung und liegt richtig. Wann, ob und wie es weitergehen wird, ist unklar. Klar ist nur: Der FV Lörrach-Brombach ist dem machtlos ausgeliefert und hat bereits beide Seiten der Seuche miterlebt. Erst begünstigte sie seinen sportlichen Erfolg und nun erschwert sie ihn.

Alternativlos

Digitalisierung ist ein weites Feld. Und der Digitalisierungsschub, der aus der Not der Corona-Zeit entstand, ist bisher noch mehr ein Gefühl als greifbarer Tatbestand. Aus Sicht der Städte kommt vor dem Schub erst einmal die Kärrnerarbeit. Zunächst müssen die Schulen für Sondersituationen gerüstet werden. Doch auch ohne Corona wäre und ist viel zu tun. Vor allem: Digitalisierung wird Sisyphusarbeit und ist doch alternativlos. Dass im kommunalen Bereich auch die Verwaltung selbst einen Digitalisierungsschub und die dafür nötigen gesetzlichen Regeln bräuchte, wird OB Jörg Lutz nicht müde zu betonen. Digitalisierung bedeutet jedoch mehr als nur elektronische Akte und elektronische Erledigung von Amtsgeschäften. Wie bei einer Veranstaltung im Rahmen des Beteiligungssommers deutlich wurde, könnten Städte auch mit der Erhebung von Daten gute Erkenntnisse über Sinn, Zweck und vor allem Kosten von Maßnahmen gewinnen – und somit Geld sparen. Geld, das sie freilich erst in Technik und personal investieren müssten – und das sie derzeit nicht haben.