Bluttat bei Rosenmontagszug

Zahl der Verletzten in Volkmarsen steigt auf 52, darunter 18 Kinder

dpa, AFP

Von dpa & AFP

Mo, 24. Februar 2020 um 21:27 Uhr

Panorama

Nach der Bluttat in Hessen ist das Motiv des mutmaßlichen Täters weiter unklar. Der 29-Jährige, der ein Auto absichtlich in die Menschenmenge gesteuert haben soll, stand wohl nicht unter Alkoholeinfluss.

Unter den 52 Verletzten des Vorfalls beim Rosenmontagszug im nordhessischen Volkmarsen sind 18 Kinder. Insgesamt befanden sich nach der Fahrt eines Autos in eine Menschenmenge noch 35 Menschen in stationärer Behandlung im Krankenhaus, wie die Polizei in Kassel am Dienstagmorgen mitteilte. 17 weitere Menschen wurden demnach ambulant behandelt und konnten das Krankenhaus verlassen. Das Motiv des Täters war weiterhin unklar.

Nach der wohl vorsätzlichen Autofahrt des 29-jährigen Mannes aus Volkmarsen in die feiernde Menge hoffen die Fahnder mehr über das Motiv des mutmaßlichen Täters zu erfahren. "Wir ermitteln in alle Richtungen", sagte der Sprecher der Behörde, Alexander Badle.

Ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt sagte am Dienstagvormittag, der Mann, der vorsätzlich in den Fasnachtsumzug gefahren sein soll, sei nicht alkoholisiert gewesen. Ob er unter Drogeneinfluss gestanden habe, stehe noch nicht fest.

Was war passiert?

Am Montag war ein Auto im hessischen Volkmarsen in eine Menschenmenge gefahren. Nach ersten Erkenntnissen wurden dabei etwa 30 Menschen verletzt, die Zahl ist mittlerweile angestiegen. Zu Tode kam niemand. Nach ersten Angaben des hessischen Innenministers Peter Beuth waren rund ein Drittel der Verletzten Kinder. "Wir haben ungefähr 30 Opfer zu beklagen, zum Teil Schwerstverletzte und darunter auch Kinder", sagte der Politiker noch am Montag, die Zahlen mussten am Dienstag bereits nach oben korrigiert werden. Auch der Fahrer wurde verletzt. Über seinen Zustand und zur Frage, ob dieser am Dienstag vernehmungsfähig sei, wollte Badle keine Auskunft geben.

Gaffervideo führt zu weiterer Festnahme

Nach Informationen aus Sicherheitskreisen soll ein zweiter festgenommener Mann hinter dem Auto gefilmt haben. Zunächst war unklar, ob es sich bei ihm um einem filmenden Gaffer handelt oder ob er eingeweiht war. Am Dienstag sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt , gegen den Festgenommenen werde nun wegen "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Filmaufnahmen" ermittelt. Ob es darüber hinaus einen Zusammenhang zu dem Vorfall am Montag gegeben habe, müsse noch ermittelt werden.

Daneben hätten sich bereits Zeugen gemeldet, die während des Rosenmontagszuges Handyfotos oder Videos gemacht hatten, um ihre Aufnahmen den Ermittlern zur Verfügung zu stellen. "Das hilft natürlich für die Ermittlungen der Gesamtsituation", sagte der Sprecher.
Fahrt in Rosenmontagsumzug in Volkmarsen im Liveblog-Rückblick: Schockstarre im Fasching

Die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft ermittelt gegen den 29-jährigen deutschen Fahrer des Tatautos wegen eines versuchten Tötungsdelikts. Hinweise auf eine politisch motivierte Straftat liegen bisher nicht vor. Der Mann war nach ersten Erkenntnissen den Behörden nicht als Extremist bekannt, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen erfuhr. Allerdings war er der Polizei in der Vergangenheit durch Beleidigung, Hausfriedensbruch und Nötigung aufgefallen.

Im Internet kursiert ein falsches Bild des Täters

Die Polizei warnte vor dem Verbreiten angeblicher Fotos des Täters. "Bei der abgebildeten Person handelt es sich definitiv nicht um den Täter", schrieb die Polizei Nordhessen am späten Montagabend bei Twitter über ein Foto, das den Angaben zufolge kursierte. "Teilen Sie keine Falschnachrichten!", hieß es.



Unterdessen soll der beliebte Frankfurter Fastnachtszug im Stadtteil Heddernheim ("Klaa Paris") am Faschingsdienstag dennoch starten. Der Vorstand habe einstimmig beschlossen, "wir werden Fastnacht feiern", sagte der Vorsitzende der Zuggemeinschaft, Ulrich Fergenbauer, am Montag dem "Hessischen Rundfunk".

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