Zarok fördert neue Schule im Nordirak

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mi, 28. August 2019

Kenzingen

Mit einer neuen Pop-Up-Schule unterstützt der Kenzinger Verein jesidische Kinder jenseits der Lager für Geflüchtete.

KENZINGEN (BZ). Der Kenzinger Verein Zarok fördert im Nordirak eine Pop-Up-Schule in Kharshaniya. 2000 Euro steuert der Verein dafür bei, dass die Schule für zwei Monate die Arbeit aufnehmen kann. Eine Pop-Up-Schule ermögliche mit sehr wenig Aufwand einen Lernraum – entweder direkt unter freiem Himmel oder in verlassenen Gebäuden, teilte der Verein in einer Pressemitteilung mit.

Nach der Vertreibung der religiösen Minderheit der Jesiden aus ihren angestammten Siedlungsgebieten rund um das Sindschargebirge im Nordirak leben viele Geflüchtete seit dem Sommer 2014 in Lagern. Diejenigen, die keinen Platz in den Lagern fanden, haben auch in zerstörten Dörfern und leerstehenden Gebäuden Unterschlupf gesucht. So leben derzeit noch 63 jesidische Familien in der leerstehenden Schule von Kharshaniya nahe Sharya. Das Dorf war 1988 vom Baath-Regime Saddam Husseins im Rahmen der sogenannten "Anfal-Operation" zerstört worden. Die gewaltsamen Arabisierungsbestrebungen richteten sich gegen die kurdische, aber auch die assyrische Bevölkerung im Nordirak. Nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch wurden rund 100 000 Menschen ermordet, tausende Ansiedlungen und landwirtschaftliche Strukturen zerstört.

Das seit 1988 leerstehende Schulgebäude in Kharshaniya sei inzwischen so marode, dass die kurdischen Behörden die Räumung angeordnet haben. Die aus dem Sindschar geflüchteten Familien bauen derzeit Zelte und Provisorien rund um das Gebäude auf, in dem sie fünf Jahre lang eine Zuflucht gefunden hatten.

Die Kinder werden, je nach Vorbildung und Alter, in kleineren Gruppen im Schichtbetrieb je drei Stunden unterrichtet. Die Klassen seien mit 20 bis 25 Kindern für nordirakische Verhältnisse sehr klein. Alle Kinder erhalten Sprach-, Kunst- und Hygieneunterricht, täglich gebe es für alle einen kleinen Imbiss. Auch Mathematik und das Fach Charakter werden unterrichtet – dabei stehen Themen wie Zusammenhalt, Solidarität, Frieden und Freundschaft im Vordergrund.

Es gehe nicht um reine Wissensvermittlung, heißt es vom Verein. Die geflüchteten Kinder sollen Entlastung und Stabilität, positive Gemeinschaftserfahrungen machen und Spaß am Lernen gewinnen. Vorschulkinder können kommen, um Geschichten zu hören.

Die Kinder sitzen auf Decken oder mitgebrachten Stapelstühlen, vieles werde improvisiert. Eine Gruppe Freiwilliger arbeitet mit den Lehrkräften der Partnerorganisation Panaga Organization for Education Hand in Hand. Es gebe zwar ein festgelegtes pädagogisches Programm und entsprechende fachliche Inhalte, die Freiwilligen und die pädagogischen Fachkräfte der Panaga Haven Organization for Education würden jedoch viel Improvisationstalent und Einfühlungsvermögen brauchen, heißt es weiter.

Mehr Informationen zum Verein unter https://www.zarok.de