Zauberwelt der Bücher entdeckt

Martha Weishaar

Von Martha Weishaar

Sa, 31. Juli 2021

Bonndorf

Erste Lesenacht der Zweitklässler im Epizentrum des örtlichen Literaturangebots, der Stadtbibliothek Bonndorf.

Ein besonderer Zauber lag auf den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Bonndorf. In den alten Gemäuern des Schlosses fand erstmals eine Lesenacht statt. Zweitklässler lümmelten, versunken in die Bücher, auf Isomatten, Sesseln oder Hockern. Ganz still war es, kaum traute sich jemand zu sprechen. Fragen wurden allenfalls geflüstert und wer zu den Regalen huschte, um neuen Lesestoff zu besorgen, schlich auf leisen Sohlen.

Thomas Pforte, Klassenlehrer in Gündelwangen, stieß bei Flora Jägler vom Leitungsteam der Bücherei sofort auf Begeisterung, als er sein Ansinnen vortrug. Eine Lesenacht in der Bücherei, mitten im Epizentrum des örtlichen Literaturangebotes – die Idee gefiel beiden. Gerne hätten Schüler und Lehrer dort auch übernachtet, um vielleicht herauszufinden, was es mit dem Schlossgeist auf sich hat. Das aber war aufgrund geltender Corona-Regeln nicht möglich. Bei Einbruch der Dunkelheit war Feierabend.

Nichtsdestotrotz genossen die Mädchen und Jungen den schieren Überfluss an spannenden Büchern, das Stöbern in Regalen oder Truhen und nicht zuletzt die heimelige Atmosphäre. Flora Jägler stand mit Rat und Tat zur Seite, wenn bestimmte Wünsche geäußert wurden oder eines der Kinder ein Exemplar mit nach Hause nehmen wollte.

Die Lesebegeisterung der Schüler ist so unterschiedlich wie die Kinder selbst. Manche versanken in einen dicken Schmöker, andere suchten dünne Exemplare mit möglichst vielen Bildern aus. Manche wurden ertappt, dass sie kein Buch vollständig lasen, sondern nach wenigen Seiten ein weiteres aus den Regalen fischten oder ausgiebig am Suchsystem des Bibliothek-Computers verweilten.

Wenn ein Buch zu Ende gelesen war, konnten die Leser auf der Schülerplattform "Antolin" unmittelbar Fragen zum jeweiligen Titel beantworten. Fünf hierfür zur Verfügung stehende Tablets waren ebenso heiß begehrt wie die technische Hilfestellung des Lehrers beim Einloggen. "Antolin gibt Hinweise über das Textverständnis der Schüler unter Berücksichtigung des Schwierigkeitsgrades der jeweiligen Literatur. Auch unter dem Aspekt, die Medienkompetenz der Schüler zu stärken, ist das ein geeignetes Hilfsmittel", erklärt Thomas Pforte.

Er selbst hat Zugriff auf sämtliche Resultate seiner Schüler. Rund 850 Bücher lasen diese im zurückliegenden Schuljahr. "Es zeigt mir auch, ob ein Kind aufgrund sprachlicher Defizite Verständnisschwierigkeiten hat und der Wortschatz erweitert werden muss", beschreibt Thomas Pforte weitere Vorzüge des Programms.

Zwischendurch wurde die Lesenacht gemeinsam bilanziert. "Was gefällt euch? Was habt ihr gelesen?", will der Lehrer von seinen Schützlingen wissen. Manche sprudeln dabei den Inhalt eines ganzen Buches heraus, andere antworten eher zögerlich. Anhand des Klassikers "Wir Kinder aus Bullerbü" werden am Ende die Unterschiede zwischen Lesen, Hörbuch oder Film zum selben Titel verdeutlicht. Die Kinder dürften sich noch lange an ihr denkwürdiges Leseerlebnis im Schloss erinnern, brachte es ihnen die Bücherei doch als angenehme, vertraute Umgebung näher.