Zeitlosigkeit ohne modischen Schnickschnack

Dorothea Scherle

Von Dorothea Scherle

Fr, 07. Februar 2020

Waldkirch

Das Gebäude der Winzergenossenschaft Buchholz-Sexau hat den sechsten Architekturpreis bekommen / Siegel "Wein und Architektur" wurde jetzt verliehen.

WALDKIRCH-BUCHHOLZ. Den mittlerweile sechsten Architekturpreis hat die Winzergenossenschaft Buchholz-Sexau erhalten: Die Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg (TMBW) hat zusammen mit der Architektenkammer im Land einen neu ausgelobten Preis an 21 Bauwerke rund um Wein und Architektur verliehen. Die WG Buchholz-Sexau darf nun das Siegel "Wein und Architektur" tragen. Im Weinbaugebiet Breisgau wurde außerdem das Weingut Weber in Ettenheim ausgezeichnet.

Bei der Ausschreibung wurden Bauwerke gesucht, die in den vergangenen zehn Jahren fertiggestellt wurden. Bewerben konnten sich Weingüter, Winzergenossenschaften, Aussichtspunkte in Weinbergen, Weinwanderwege, Weinbaumuseen, Vinotheken und Verkostungsräume. Die architektonischen Anforderungen waren unter anderem originärer Charakter, Zeitlosigkeit ohne modischen Schnickschnack, natürliche Materialien und konzeptionelle Schlüssigkeit. Zu den touristischen Kriterien zählen enger Bezug zum regionalem Weinbau, regelmäßige Öffnungszeiten, Weinverkostungsmöglichkeit, regelmäßige Veranstaltungen, aktuelle Website und Gastfreundschaft gegenüber Touristen.

Isabella Vetter, Geschäftsführerin der Breisgauer Wein GmbH, überreichte den Preis an die Vertreter der Winzergenossenschaft mit dem Vorstandsvorsitzenden Bernhard Reichenbach und Geschäftsführerin Margarete Kane. Bernhard Reichenbach rekapitulierte kurz die Baugeschichte des vom Kollnauer Architektenbüro Fuchs-Maucher entworfenen Baus. 800 000 Euro hätten damals brutto zur Verfügung gestanden, der Bau sei dann auch "voll in diesem Rahmen geblieben". In den Holzbau sei der von Sichtbeton gehaltene Glaskörper als Vinothek eingezogen worden. Seit dem Umzug ins neue Gebäude sei der Umsatz um 30 Prozent gestiegen. Im Jahr 2019 sei dann die 800-000-Euro-Marke geknackt worden. Geburtstage, Polterabende, Weinproben und Firmenfeiern fänden neben den eigenen Veranstaltungen in den WG-Räumen statt.

Der Standort, der ursprünglich umstritten war, habe sich mit seinem schönen Blick auf den Buchholzer Weinberg bewährt. Mit voller Absicht sei die WG nicht der Minimalismustendenz gefolgt, nur einige wenige Regale aufzustellen. Bewusst habe man sich für eine Regalwand entschieden, um die ganze Produktpalette ausstellen zu können, so dass Besucher nicht nur anhand des Katalogs entscheiden müssten, sondern den Wein in die Hand nehmen und natürlich auch verkosten könnten, der sie interessiere, denn die WG habe eine Wirtekonzession und dürfe deshalb glasweise ausschenken. In der WG seien derzeit 68 Winzer mit einer Gesamtfläche von 42 Hektar organisiert.

Isabella Vetter bescheinigte der WG eine "Strahlkraft in der Region". Damit werde ein Signal für das Genossenschaftswesen gesendet. Ortsvorsteher Christian Ringwald sprach von einem "Leuchtpunkt für Buchholz". Er würdigte Bernhard Reichenbach, der den Mut und die Geradlinigkeit besessen habe, das Neubauprojekt voranzutreiben. Ulrike Weiß, Geschäftsführerin der Zweitälerland Tourismus, lobte, dass sich die WG mit ihren Veranstaltungen immer wieder neu erfinde, etwa mit dem Winterweinzauber.

Die WG Buchholz-Sexau hatte 2015 den Holzbaupreis Baden-Württemberg, 2016 den Architekturpreis Baukultur Schwarzwald und einen weiteren Architekturpreis, 2017 den Hugo-Häring-Preis und 2018 den Preis Beispielhaftes Bauen erhalten.