Früher schon ein Aufbegehren gegen Obrigkeiten

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 23. Februar 2019

Zell im Wiesental

Der Zeller Narrenfahrplan und die Geschichte des ursprünglichen Fasnachtstags, dem Fasnachtszieschdig.

ZELL (BZ). Mit den "Chappeobende" ist die Zeller Fasnacht bereits in vollem Gange. In der kommenden Woche geht nun auch endlich die Straßenfasnacht los. Damit die Veranstaltungen in der fünften Jahreszeit auch nicht verpasst werden, gibt’s hier den Narrenfahrplan.

Am Donnerstag, 28. Februar, beginnt um 19.30 Uhr der Hemdglunkiumzug mit anschließender Übernahme der Narrengewalt durch den Hürus am Fasnachtsbrunnen. Weiter geht es am Samstag, 2. März, um 20 Uhr mit dem Preismaskenball "Fasnacht wie in alte Zite" im Pfarrsaal. Eines der Highlights folgt dann am Sonntag, 3. März, um 13.30 Uhr mit dem großen Fasnachtsumzug durch die Stadt. Das närrische Volk kann den Abend ab 19.11 Uhr beim Hürusball (Einlass nur für Kostümierte) im Pfarrsaal mit dem Musiker Markus Kirsner sowie Bar mit DJ ausklingen lassen. Der Rosenmontagsumzug beginnt am 4. März um 14 Uhr, die Umzugsplatzierungen werden um 19.11 Uhr beim Vogteienball im Pfarrsaal bekanntgegeben (Einlass nur für Kostümierte).

Der Fasnachtsdienstag, 5. März, ist – wie viele nicht wissen – der eigentliche und ursprüngliche Fasnachtstag. Die Fastnachtsgesellschaft Zell hat die Historie zusammengetragen: Die Menschen begannen im 13. und 14. Jahrhundert die Nacht vor Beginn der Fastenzeit (die Fastnacht) ausgelassen zu feiern. Am Anfang war dies von der Kirche nicht gerne gesehen, alsbald jedoch wurde diese Fastnacht von der katholischen Kirche sogar gefördert. Man ließ die Leute bewusst "sündigen" und die Sau raus lassen, um so die reumütigen Sünder wieder in die moralische Geborgenheit der Kirche zurück heißen zu können.

Natürlich war es auch ein Austreiben des Winters. Ganz gezielt war Fasnacht jedoch immer ein Aufbegehren gegen Obrigkeiten. Man vermummte sich gerne, um so unerkannt seine Späße treiben zu können. So hatte man ein Schlupfloch, eine Möglichkeit, mal dem Bürgermeister, dem Amtsmann oder sonst jemand höher gestelltem ordentlich den Marsch zu blasen, ohne damit gleich mit Konsequenzen rechnen zu müssen.

Auch heute noch wird der Fasnachtszieschdig in Zell ganz besonders zelebriert. Los geht es am morgen mit der "Inspektion". Um 9.30 Uhr trifft sich der Hürus mit seinem Gefolge, den Schrätteli, dem Präsidium und der Hürusmusik, im Hotel Löwen. Man frühstückt noch kurz, dann geht’s auf zur Inspektion. Dies ist die Aufwartung, die der Hürus in den öffentlichen Einrichtungen des Städtlis macht. Auch ein Besuch im Rathaus darf dabei nicht fehlen. Manche Chefs freuen sich schon Wochen zuvor auf den Besuch, andere checken voller Panik nochmal alles ab und nutzen jede Sekunde, bevor die Hoheit eintrifft, wieder andere nutzen die Gunst der Stunde und ziehen anschließend einfach mit, schreibt die Fasnachtsgesellschaft Zell.

Der Nachmittag steht ganz im Zeichen der Kinderfasnacht. Um kurz vor 14 Uhr ist Aufstellung beim Fasnachtsbrunnen. Nach der festlichen Ansprache des Hürus’ geht der bunte Umzug, geleitet durch die großen Maskenträger und die Musiken, durchs Städtli und führt hinauf in den Pfarrsaal zum Kinderball.

Eines der Alleinstellungsmerkmale der Zeller Fasnacht ist das "Altwiiberrenne" um 19 Uhr. Dieses kann auf eine fast hundertjährige Tradition zurückblicken: Es entwickelte sich aus dem Chinderscheese-Rennen, das der Turnverein an Fasnacht zwischen 1925 und 1929 in der Kirchstraße organisierte. Auch heute findet dieses Spektakel noch dort statt. Meist junge, sportliche Männer, aber auch Frauen, verkleidet als Alti Wiiber, überwinden einen Hindernisparcours. Es zählt nicht die Zeit, in der man das Ziel erreicht, sondern die Sportlichkeit und Originalität, mit der man die Hindernisse passiert.

Nach dem Altwiiberrenne formiert sich am Latschi der Trauerzug, angeführt von der Stadtmusik, mit dem die Fasnacht in Form einer riesigen Puppe zum Fasnachtsbrunnen getragen und verbrannt wird. In allen Lokalen spielt im Anschluss Live-Musik und es wird gefeiert. Ganz offiziell ist die Fasnacht vorbei, wenn der Hürus um Mitternacht im Löwen auf dem Ofenbänkli seine letzten Worte spricht, bevor er seine Insignien abgibt und sein Achteli Rote auf den Boden knallt.