Zinsen könnten 2023 wieder steigen

dpa

Von dpa

Fr, 18. Juni 2021

Wirtschaft

Die US-amerikanische Notenbank deutet eine Änderung ihrer lockeren Geldpolitik an.

Die US-amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) beginnt langsam, die Finanzmärkte auf ein absehbares Ende der Geldflut einzustellen. Aktuell setzt sie zwar trotz hoher Inflation und einer starken Erholung der US-Wirtschaft von der Corona-Krise ihre extrem lockere Geldpolitik fort. Die Währungshüter beließen die US-Leitzinsen am Mittwochabend in einer rekordniedrigen Spanne von null bis 0,25 Prozent. Auch ihre konjunkturstützenden Wertpapierkäufe im Wert von 120 Milliarden Dollar pro Monat setzt die Fed vorerst unverändert fort.

Allerdings signalisieren die Prognosen der Währungshüter die Zinswende nun schon für 2023 – bislang hatten die Notenbanker erst im Jahr darauf damit gerechnet. Die Fed-Vertreter haben zudem eine Diskussion über eine Anpassung der milliardenschweren Anleihekäufe begonnen, mit denen sie versuchen, das Wirtschaftswachstum zusätzlich anzuschieben. Bei Anlegern in den USA kam die Aussicht auf eine Drosselung dieser Geldspritzen und steigende Zinsen nicht gut an. US-Staatsanleihen gerieten im Laufe des Mittwoch erheblich unter Druck und der Aktienmarkt rutschte ins Minus. Am Donnerstag war die Unruhe in Deutschland aber kaum noch zu spüren.

Der Deutsche Aktienindex schloss sogar leicht im Plus. Lediglich der Goldpreis reagierte stark auf die Ansage. Am Mittwochabend sank der Preis für das Edelmetall bereits um etwa 60 Dollar oder um mehr als drei Prozent. Am Donnerstagmittag wurde eine Feinunze (31,1 Gramm) dann an der Börse in London zwischenzeitlich mit 1795 Dollar gehandelt. Damit lag der Goldpreis auf dem tiefsten Stand seit Anfang Mai.

"Die Fed vollzog heute einen Wandel", kommentierte Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. Es sei klar, dass die Notenbank den Weg aus der expansiven Geldpolitik suche. "Die Inflationsraten klettern höher als ursprünglich zu erwarten war." Tatsächlich legte die Teuerung in den USA zuletzt rasant zu. Im April lag die Inflationsrate bei 4,2 Prozent und im Mai bei 5,0 Prozent. Die Notenbanker sehen aber weiterhin kein Risiko, dass die Teuerung ausufert, und betrachten den Preisauftrieb als vorübergehendes Phänomen.

Fed-Chef Jerome Powell machte in einer Pressekonferenz deutlich, dass sich aus den Prognosen der Notenbanker kein fester Zeitplan für Zinserhöhungen ableiten lasse. Auch beim Anleihekaufprogramm gebe es kein klares Timing. Die Fed werde die Märkte so gut und behutsam wie möglich auf Anpassungen vorbereiten. Trotz des starken Stellenaufbaus seit dem Einbruch des Arbeitsmarkts zu Beginn der Pandemie seien die USA noch deutlich vom Ziel der Vollbeschäftigung entfernt.

"Trotz der sich abzeichnenden Straffung des Zeitplans für den Exit setzt die Fed weiterhin darauf, dass sie es doch relativ langsam angehen kann", erklärte Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner. Dies sei aber nur dann realistisch, wenn die Notenbank mit ihrer Einschätzung recht behalte, dass die aktuell höhere Inflation von Sonderfaktoren getrieben werde und sich im nächsten Jahr wieder beruhige. "Dieser Ausblick ist damit die große Wette der Fed."