Offene Grenzen

Zoll auf Ansturm von Schweizer Einkaufstouristen ab Montag vorbereitet

Michael Neubert

Von Michael Neubert

Do, 11. Juni 2020 um 19:12 Uhr

Kreis Waldshut

Am Montag fallen die Einreisebeschränkungen für Einkaufstouristen aus der Schweiz. Am Prozedere bei der Verzollung wird sich nichts ändern – beim Zoll bereitet man sich aber auf einen Ansturm vor.

Sie kommen zurück: Schweizer dürfen ab Montag, 15. Juni, wenn die Einreisebeschränkungen fallen, wieder in Deutschland einkaufen, die grünen Ausfuhrzettel stempeln lassen, und sie erhalten die Mehrwertsteuer zurück – nach drei Monaten der Grenzschließungen ein ungewohntes Bild. Wir haben nachgefragt, wie sich die Zollstellen entlang der Grenze am Hochrhein vorbereiten und mit welchem Ansturm sie rechnen.

Seit Mitte März waren die Grenzen dicht

Mitte März wurden die Grenzen dicht gemacht. Nur noch Berufspendler und Schüler durften ein- und ausreisen. Die Grenzkontrollen wurden drastisch verstärkt. Nach der ersten Lockerung durfte man mit einem triftigen Grund ein- und ausreisen. Die Zöllner haben nur noch stichprobenartig kontrolliert. Seit den 2. Juni stempeln sie wieder Ausfuhrkassenzettel ab. Schweizer, die einen triftigen Grund für die Einreise (Beruf, Schule oder Arztbesuche) hatten, durften auf dem Rückweg ihre Einkäufe erledigen. Nach Auskunft der Hautpzollämter Singen und Lörrach hätten allerdings wenige davon Gebrauch gemacht.

Keiner kann voraussagen, wie viele Schweizer ab Montag wieder nach Deutschland kommen, um in den grenznahen Geschäften einzukaufen, so der Tenor. Ob es wieder so sein wird wie vor de Grenzschließung? Klar ist: Das Coronavirus grassiert nach wie vor, Vorsichtsmaßnahmen und Hygieneregeln müssen beachtet werden.

"Zunächst bleibt abzuwarten, wie sich das Einkaufsverhalten nach der Grenzöffnung entwickeln wird." Mark Eferl
Am Montag dürfte es an den Grenzübergängen wieder weitaus lebhafter werden. Wie groß der Andrang sein wird, ob die Schweizer bereits Entzugserscheinungen haben und mit den Hufen scharren, darüber vermag im Moment keiner eine Aussage treffen. "Der Ansturm ist für uns nicht kalkulierbar", sagt Antje Bendel, Pressesprecherin des Hauptzollamts Lörrach. Auch ihr Singener Kollege Mark Eferl kann nichts voraussagen: "Zunächst bleibt abzuwarten, wie sich das Einkaufsverhalten nach der Grenzöffnung entwickeln wird."

Utz Geiselhart, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Südbaden, spricht von einem Blick in die Glaskugel: "Ob der Andrang von Anfang an in gewohnter Höhe kommt oder es erst einen Anlauf braucht, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen."Auf alle Fälle sind die Zollämter gut vorbereitet – auch personell. Eferl: "Sollte der Andrang sehr groß werden, kann seitens des Hauptzollamts Singen auch mehr Personal eingesetzt werden."

Alle erforderlichen Maßnahmen wurden getroffen

In Bereich der Lörracher Behörde würden die Zöllner an den Serviceschaltern wie zu Vor-Corona-Zeiten eingesetzt, erklärt Bendel. An den Zollämtern seien alle erforderlichen Maßnahmen getroffen. Eferl betont, dass der Schutz der Bürger und Beschäftigten für den Zoll "im Rahmen seiner gesetzlichen Aufgabenerfüllung" oberste Priorität habe. Bendel: "Wir haben an den Dienststellen bereits Maßnahmen getroffen, die das Infektionsrisiko für alle minimieren."

Es wird noch nicht alles so sein wie vor der Corona-Pandemie. Das Hauptzollamt Singen macht darauf aufmerksam, dass unnötig lange Aufenthalte in den Zollämtern oder Abfertigungsstellen vermieden werden sollten. "Die Ausfuhrbelege sind vor dem Betreten der Abfertigungsgebäude vollständig auszufüllen. Kugelschreiber und Plätze zum Ausfüllen stehen daher vor Ort nicht zur Verfügung", betont Eferl. Am Prozedere ändert sich derweil nichts. Die Belege müssten wie bisher vollständig ausgefüllt am Schalter vorgelegt werden. Die Zöllner stempeln sie ab. Sonderregelungen gebe es keine. Wie gehabt, müssten alle zur Ausfuhr angemeldeten Waren mitgeführt und nach Aufforderung vorgezeigt werden.

"Die Schweizer Kunden müssen sich daran gewöhnen, dass sie, anders als in der Schweiz, in den deutschen Geschäften Masken tragen müssen." Rita Schwarzelühr-Sutter
Erste Reaktionen gab es von Seiten der Politik. "Ich freue mich, dass meine Schweizer Kolleginnen und Kollegen auf die Aufhebung der Reisewarnungen der deutschen Bundesregierung reagieren und den Weg für eine vollständige Normalisierung in der deutsch-schweizerischen Grenzregion freimachen", erklärt die SPD-Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter in einer Pressemitteilung. Die Vorbereitungen sind getroffen.

Trotzdem müssen die Verordnungen und Regeln auch in den Geschäften eingehalten werden. "Die Schweizer Kunden müssen sich daran gewöhnen, dass sie, anders als in der Schweiz, in den deutschen Geschäften Masken tragen müssen. Das ist ein Prozess, der sich einspielen muss", erklärt Geiselhart.
Hygiene am Zoll

Plexiglasscheiben sind an den Schaltern montiert. Desinfektionsmittelspender stehen bereit. Bodenmarkierungen und Trennvorrichtungen regeln den Zutrittsverkehr. Zum Teil gibt es laut Aussage des Hauptzollamts Singen eine Einbahnstraßenregelung.

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