BZ-Interview

Zu wenige Sänger: Männergesangverein Rust setzt auf Kooperation

Alena Ehrlich

Von Alena Ehrlich

Do, 30. Juni 2022 um 19:32 Uhr

Rust

Die 14 Sänger wollen ihr Hobby weiterverfolgen. Daher wird mit MGV Sängerlust aus dem benachbarten Oberhausen kooperiert. Was sagt der stellvertretende Ruster Vorsitzende Stefan King dazu?

BZ: Herr King, der MGV Rust kooperiert seit einiger Zeit mit dem MGV Oberhausen. Wie laufen die gemeinsamen Proben?
Stefan King: Im Moment ist es noch ein Probelauf. Aber es läuft bislang sehr gut. Der Dirigent ist super und die Kameradschaft untereinander entwickelt sich. Wir sind auf einem guten Weg.

BZ: Warum war eine Kooperation mit einem benachbarten Verein notwendig?
King: Hintergrund ist, dass wir zu wenige aktive Sänger zusammenbringen. Und Oberhausen hat genau dasselbe Problem. Wegen Corona mussten wir unsere Chorleiterstelle aufgeben. Wir konnten während der Pandemie nicht proben und natürlich auch nicht auftreten, da fehlten die Einnahmen.

BZ: Gab es auch Vorbehalte gegen die Idee, zu kooperieren?
King: Klar, anfangs schon. Es gab so manche Diskussionsrunde, zum Beispiel weil wir für die Proben nun teilweise nach Oberhausen fahren müssen. Das hat sich aber mit Fahrgemeinschaften eingespielt.

BZ: Nicht jeder Verein findet eine solche Möglichkeit, weiterzubestehen. Der MGV in Ringsheim hat erst kürzlich entschieden, sich aufzulösen. Hat sich der MGV Rust mit der Kooperation vor einem solchen Schicksal gerettet?

King: Nein, ich denke nicht. Früher oder später kommt das wohl auch auf uns zu. Die Altersstruktur ist überholt, junge Leute kommen kaum nach. Mit 60 Jahren gehöre ich zu den jüngsten Mitgliedern, der Schnitt liegt bei etwa 67. Wir versuchen, den Chor gemeinsam mit Oberhausen so lange wie möglich zu erhalten.

"Um jeden Verein ist es schade, weil Kulturgut verloren geht."


BZ: Wie nehmen Sie Nachrichten wie die Auflösung des MGV Ringsheim auf?
King: Um jeden Verein ist es schade, weil Kulturgut verloren geht. Und weil überall Menschen dahinter stechen, die ein Hobby pflegen wollen. Das Problem ist aber, dass man durch einen Verein auch gebunden ist. Man hat Termine und Proben, die man einhalten muss. Dazu sind viele heute nicht mehr bereit – wahrscheinlich, weil es zu Hause auf dem Sofa bequemer ist.

BZ: Das Ruster Straßenfest war für den MGV Rust immer die wichtigste Einnahmequelle. Wie geht es dort weiter?
King: Wir haben das Straßenfest abgesagt. Wir schaffen es einfach nicht mehr, den großen Stand aufzubauen, selbst mit dem MGV Oberhausen zusammen würde das nicht funktionieren.

BZ: Wie wollen Sie diese fehlenden Einnahmen abfedern?
King: Wir werden nicht umhinkommen, die Mitgliedsbeiträge zu erhöhen. Und wir müssen schauen, dass sich die Kosten tragen. Vielleicht wäre ein kleineres Gartenfest denkbar. Aber auch das ist oftmals mit hohen Auflagen verbunden. Für kleine Vereine wird es immer schwerer, Veranstaltungen auszurichten. In der Reingießenhalle können wir zum Beispiel nichts mehr machen – allein die Hallenmiete können wir nicht stemmen.

BZ: Welche Pläne gibt es mit dem MGV Oberhausen?

King: Im Oktober hat der Verein ein Konzert zur zehnjährigen Zusammenarbeit mit Dirigent Zsolt Sandor geplant. Dort möchten wir unterstützen, das wird der erste große gemeinsame Auftritt.

Stefan King ist 59 Jahre alt und lebt in Rust. Er ist seit 40 Jahren aktiver Sänger im MGV und seit mehr als 20 Jahren stellvertretender Vorsitzender.