Zum Kullern

Claudia Füßler

Von Claudia Füßler

Do, 31. Dezember 2020

Neues für Kinder

Lachen ist toll, auch wenn einem dabei mitunter der Bauch wehtut.

Fragt der Lehrer in der Deutschstunde seine Schüler: "Heißt es der oder das Monitor?" Meldet sich Lukas: "Wenn Moni ein Tor schießt, heißt es das Monitor."

Und, habt ihr gelacht? Nur ein bisschen? Oder habt ihr so richtig losgeprustet? Mit den Witzen ist das so eine Sache: Nicht alle Menschen finden das gleiche lustig. Während der eine sich bei einem Witz schlapp lacht, kriegt der andere gerade mal ein müdes Lächeln zustande. "Das hängt oft davon ab, was für Erfahrungen wir schon gemacht haben", sagt Evelyn Ferstl, die an der Universität Freiburg zu Sprache forscht. So können sich Kinder zum Beispiel vor Lachen kringeln, wenn sie sich die Socken nicht über die Füße ziehen, sondern stattdessen auf den Kopf legen. Erwachsene finden das meist nicht soooo megalustig, einfach, weil sie in ihrem Leben schon viel mehr Quatsch erlebt haben als Kinder.

Witze funktionieren oft über Inkongruenz. Hä? Über was? "Das bedeutet, dass die Gedanken, die man hat, nicht mit der Realität übereinstimmen", erklärt Ferstl, "man stellt sich erst etwas vor, das dann am Ende des Witzes doch ganz anders ist – so entsteht Überraschung." In unserem Beispiel denkt man natürlich zuerst an einen Computerbildschirm, wenn man das Wort Monitor hört. Lukas erklärt es aber ganz anders, darüber staunen wir – und finden es vielleicht auch lustig.

Nicht nur Kinder lachen über andere Dinge als Erwachsene. "Männer finden häufig andere Sachen lustiger als Frauen", sagt Ferstl. Und in verschiedenen Ländern lacht man über verschiedene Dinge. Die Engländer sind zum Beispiel für ihren sogenannten schwarzen Humor bekannt. Sie machen gerne Witze über Sachen, die viele andere Menschen gar nicht lustig finden: Krankheit zum Beispiel oder Verbrechen.

Etwas, über das sehr viele Menschen auf der ganzen Welt und in jedem Alter lachen können, ist Slapstick. Ein Clown, der immer wieder über die eigenen Füße stolpert, oder ein Hund, der mit seiner Zunge über den Fernseher schlabbert, weil dort Futter gezeigt wird. "Wir lachen hier über die Tollpatschigkeit von anderen", erklärt Evelyn Ferstl, "aber Vorsicht, das kann schnell in Schadenfreude umschlagen." Damit ein Witz uns zum Lachen bringt, braucht es den Überraschungseffekt. Je unerwarteter die Auflösung am Ende ist, umso lustiger finden es die meisten Menschen. Das Komische ist: Auch in einem Horrorfilm passiert viel Überraschendes. In genau dem Moment, in dem niemand damit rechnet, taucht plötzlich ein Monster auf und erschreckt alle. Doch statt zu lachen, schreien wir. "Wie man so schnell erkennen kann, welche Inhalte lustig sind und welche zum Beispiel Angst machen, wissen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler noch nicht genau", sagt Evelyn Ferstl.

Aber man weiß, wie man einen Witz so erzählt, dass der auch funktioniert. "Das Wichtigste ist, das Ende nicht gleich zu verraten", sagt Ferstl, "sondern erst mal ein bisschen Spannung aufzubauen, wie bei einer guten Geschichte." Denn wenn man sich schon am Anfang verplappert, verpufft der Überraschungseffekt am Ende. Und ihr wisst ja: Keine Überraschung, kein Lachen. Und darauf wollen wir auf keinen Fall verzichten. Denn Lachen macht jeden Tag ein bisschen bunter. Außerdem stärkt es Atemwege und Immunsystem. Das können wir im Winter gut gebrauchen. Noch dazu in einem Winter wie diesem, in dem das Coronavirus bei vielen Menschen für schlechte Stimmung sorgt. Deshalb: Was sagt ein Pirat, wenn er trockenes Gras sieht? Ah, Heu.