Zwei Ärzte fügten Leid zu

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 11. Juli 2020

Lörrach

Zwangssterilisationen im Kreis.

(BZ). Zwischen 1934 und 1945 wurden in Lörrach und in Schopfheim insgesamt 415 Menschen zwangssterilisiert. Darunter befanden sich auch Kinder, die beispielsweise an Schizophrenie, manischen Depressionen, "Fallsucht" (Epilepsie), Alkoholismus oder "angeborenem Schwachsinn" litten. Zwei Ärzte, Carl Keller und Friedrich Jutzler, haben sich bemüht, dass die beiden Städte Standorte der Zwangssterilisation werden. Auf Basis des Gesetzes zur "Verhütung erbkranken Nachwuchses" nahmen sie die Eingriffe vor. Für ihre Taten wurden sie nach dem Krieg nicht zur Rechenschaft gezogen. Das fand der Lörracher Arzt Johann Faltum bei Recherchen für seine Doktorarbeit heraus.

Carl Keller, Chefarzt des Städtischen Krankenhauses in Lörrach, sterilisierte 199 Menschen und Friedrich Jutzler, Chefarzt in Schopfheim, 216 Menschen – gegen ihren Willen. Auf Basis des Gesetzes zur "Verhütung erbkranken Nachwuchses", dem sogenannten "Erbgesundheitsgesetz", galten Menschen mit körperlichen oder geistigen Krankheiten oder solche, die nur im Verdacht standen, krank zu sein, als "minderwertig". Sie wurden verfolgt, ausgegrenzt und später teils ermordet.