Zwei-Prozent-Ziel auf dem Prüfstand

Rolf Obertreis

Von Rolf Obertreis

Di, 14. Januar 2020

Wirtschaft

BZ-Plus Die Spitze der Europäischen Zentralbank denkt darüber nach, ob ihr 16 Jahre altes Ziel der Preisstabilität noch angemessen ist.

FRANKFURT. Wenn die Verbraucherpreise in Euroland um knapp zwei Prozent im Jahr steigen, nennt das die Europäische Zentralbank (EZB) Preisstabilität. Das ist seit 16 Jahren so. Ob dieses Ziel – das die Bank ziemlich regelmäßig verfehlt hat – noch angemessen ist, will die neue Zentralbank-Chefin Christine Lagarde in diesem Jahr prüfen.

In den vergangenen 16 Jahren hat sich nämlich das Umfeld massiv geändert. Von klassischer Geldpolitik – Zinserhöhungen, wenn die Wirtschaft läuft und die Inflation steigt, Zinsen runter, wenn es mit der Konjunktur hapert und die Inflation fällt – ist bei der EZB nicht mehr viel zu sehen. In der achtjährigen Amtszeit von Mario Draghi bis Ende Oktober 2019 hat es nicht eine einzige Zinserhöhung gegeben. Dafür hat die Notenbank den Leitzins auf null gesenkt, den Einlagezins für Banken mit minus 0,5 Prozent ins Negative gedrückt und über Anleihekäufe mehr als 2,6 Billionen Euro in den Markt gepumpt, um die Banken zur Vergabe von mehr Krediten anzuregen.
Die Erfolge sind ...

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