Fridays for Future

In Offenburg gehen 2000 Menschen gegen den Klimawandel auf die Straße

Ralf Burgmaier

Von Ralf Burgmaier

Fr, 20. September 2019 um 17:59 Uhr

Offenburg

Es kamen so viele wie bislang noch nie bei Fridays for Future. Das lag auch daran, dass viele Erwachsene sich dem Schülerstreik anschlossen. Darunter auch Scientists for Future.

Rund 2000 haben am Freitag in Offenburg für eine Klimawende protestiert. Auch weil viele Erwachsene sich dem Schülerstreik von Fridays for Future anschlossen. Darunter auch Omas for Future und Scientists for Future. In Person von Professor Daniel Kray von der Hochschule beschränkten sich Letztere aber nicht auf Protest, sondern machten auch einen Vorschlag für eine klimaneutrale Landwirtschaft.

Los ging’s mit Beten. Die beiden Kirchen hatten auf 10.30 Uhr in die evangelische Stadtkirche eingeladen. Gegen Ausbeutung und Zerstörung der Schöpfung ließ Stadtpfarrer Christian Kühlewein-Roloff eine umgekehrte Schöpfungsgeschichte verlesen. Am Ende war die Erde "wüst und leer" wie eigentlich vor der Schöpfung und "in der Hölle erzählte man sich die Geschichte vom Menschen, der seine Zukunft in die Hand nahm". Das Gelächter habe bis zum Himmel hoch geschallt.

Von der Kirche ging’s zum Rathausplatz, wo die Offenburger Fridays for Future und Partner auf 11 Uhr zur Kundgebung eingeladen hatten. Da Schülerinnen und Schüler aus der ganzen Ortenau anreisten, verzögerte sich der Start. Jana Schwab und ihre Mitstreiter von Fridays zählten zunächst rund 1000. Am Ende sollten es rund 2000 werden, so viel wie noch nie und mit eine der größten politischen Demonstrationen der jüngeren Zeit. Nur getoppt von der "Käfersberg soll leben"-Demo 2006 auf dem Marktplatz. In Straßburg waren übrigens gleichzeitig nur rund 1000 auf der Straße.

Rednerin Jaana Hilberer von den Offenburger Fridays zeigte sich erfreut, dass auch viele Erwachsene dem Aufruf gefolgt waren. Schüler, die wegen ihres Schulstreiks Disziplinarmaßnahmen zu erwarten hätten, wurden aufgefordert, die Fridays-Aktivisten darüber zu informieren.

"Der Markt regelt es nicht, deshalb muss es die Politik tun." Jaana Hilberer

Die Reden der jungen Aktivisten haben sich seit dem Start der Bewegung im Februar radikalisiert. Sie haben mittlerweile eine klar antikapitalistische Tendenz. "Der Markt regelt es nicht, deshalb muss es die Politik tun", sagte Jaana Hilberer am Tag, da in Berlin das Klimakabinett tagte. Die klimapolitischen Ergebnisse wurden später als dürftig kommentiert. Hilberer erklärte den Individualverkehr, bei dem in einem Auto für fünf Personen eine sitzt, für "Schwachsinn".

Alternativen könnten nur ein gut ausgebauter ÖPNV, Carsharing und gut ausgebaute Fahrradinfrastruktur sein. Auch E-Autos würden den Individualverkehr nur in die Zukunft verlängern bei schlechter Ökobilanz. Das diene der Autoindustrie im Land, während andernorts die Produktion von Verbrennungsmotore weiterlaufe. Die Politik müsse dafür sorgen, dass Ressourcen geschont und fair verteilt würden. "Wir wollen doch bloß überleben", zitierte sie einen Politiker aus Polynesien. Eine weitere Rednerin erklärte: In diesem System könne man nicht auf eine bessere Klimapolitik hoffen.

Danach setzte sich der Demonstrationszug über Grabenallee, Weingarten-, Moltke-, Zeller Straße in Bewegung und wieder zurück zu Hauptstraße und Rathaus. Die Energie der jungen Demonstranten wirkte ansteckend. Polizei, Ordnungsamt und Demo-Ordner sorgten effektiv für einen möglichst behinderungsarmen Eingriff in den fließenden Verkehr.

Zurück vor dem Rathaus setzte Petra Rumpel vom BUND die Kundgebung fort. Sie zeigte sich erfreut, dass die junge Generation das Klimathema so kraftvoll auf die Straße bringe. Sie erinnerte an die Vorläufer, die Generation Tschernobyl, die Generation Waldsterben, zu der sie sich selbst zählte, und die Generation "Nai hämmer gsait", die vor 40 Jahren ein Kernkraftwerk am Kaiserstuhl verhindert habe. Diese Generationen hätten die Rauchgasentschwefelung vieler Fabriken und damit ein Ende des Sauren Regens, das Verbot von FCKW und damit ein Schließen des Ozonlochs, bleifreies Benzin und Katalysatoren sowie wieder saubere Flüsse durchgesetzt. Doch dieser Fortschritt habe eingelullt: "Wir konsumieren heute wie die Blöden!" Anders als die jungen Rednerinnen sagte sie, es gebe nicht den einen Schuldigen. "Wir selbst konsumieren Dinge, die wir nicht brauchen, mit Geld, das wir nicht haben, um Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen."

An die Politik gerichtet appellierte sie: "Löst euch vom Gängelband der großen Konzerne und der Lobbyisten! Traut euch, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Klimaziele einzuhalten, auch wenn sie weh tun und Kritik hervorrufen! Und gebt uns den Glauben an die Demokratie zurück!" Es könne kein unbegrenztes Wachstum in einem begrenzten System geben.