Freiburg

Abgeschoben: Im serbischen Niš lebt die Familie Ametovic im Elend

Adrian Hoffmann

Von Adrian Hoffmann

So, 01. März 2015 um 17:16 Uhr

Freiburg

Seit ihrer erzwungenen Rückreise aus Freiburg lebt eine junge Mutter mit ihren sechs Kindern im serbischen Niš im Elend – doch das größte Problem von Sadbera Ametovic ist ihr Mann. Die Situation scheint auswegslos.

Dejan schaut ungläubig, dann strahlt er und rennt auf Dajana Reiser zu. Er umarmt ihre Beine, höher kommt er nicht. Sie lacht, beugt sich vor und streicht ihm übers Gesicht. Ihr letzter Besuch hier ist zwei Wochen her – und Dejan (10), der Älteste von Sadbera Ametovic (29), ist für einen Moment wieder der Junge, der er in Deutschland war. In jenem anderen Leben – bevor ihm ein "Abgeschoben" in den Pass gestempelt wurde.

"Wie geht’s dir?", fragt Dajana. "Gut", schwindelt Dejan höflich. Er führt die Besucherin aus Freiburg, die ihn und seine Familie im vorigen Leben so lange unterstützt hat, über einen schmalen Pfad in sein neues Zuhause – eine Baracke am hintersten Ende einer Roma-Siedlung, wie es sie hier viele gibt. Gelegen am Rande der serbischen Großstadt Niš, hässlich und bitterarm, zweieinhalb Stunden Autofahrt südlich von Belgrad.

Die Familie lebt auf 20 Quadratmeter
Dajana Reiser, 51 Jahre alt und früher einmal selbst nur "geduldet" in Deutschland, betritt die etwa 20 Quadratmeter große Behausung der Familie. Drinnen wartet Sadbera, ein freudestrahlendes Häufchen Elend, fahl und eingefallen, mit ihren fünf anderen Kindern. Der kleine Dejan verzieht sich in den Nebenraum des Opas, wirft sich aufs Bett und weint.

Sadbera, ihr einjähriger Sohn Martin und die dreijährige Tochter Valerjia husten viel und lang. Sie sind alle krank, längst chronisch, hier kann man nur krank werden. Sadbera hat neben Hustenanfällen auch Hepatitis B. Kindergeschrei, alle krabbeln und toben um den Besuch herum. Alle haben Läuse. Die Mutter wirkt überfordert. Der Teppich auf dem Boden, auf dem die Kinder schlafen, ist nass; angeblich sind Rohre darunter kaputt. Auch aus der Decke tropft es, wenn es regnet. Die Luft ist stickig und warm wie in der Biosauna. Ein betagter Heizstrahler glüht, inzwischen haben sie Strom, der auf den Opa läuft. Warmes Wasser kommt nur aus dem Kochtopf, als Badewanne dient eine Blechschale. Allerdings gibt es ...

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