Acht Kandidaten kämpfen um fünf Stadtratssitze

Valentin Zumsteg

Von Valentin Zumsteg

Mi, 05. Mai 2021

Rheinfelden / Schweiz

In Rheinfelden (Schweiz) zeichnet sich bei den Wahlen im Juni ein Krimi ab / Und bei den Grünliberalen ist richtig Feuer unterm Dach.

. In der Schweizer Schwesterstadt zeichnet sich bei den kommenden Stadtratswahlen im Juni ein echter Krimi ab: Acht Kandidaten kämpfen um fünf Sitze – und bei den Grünliberalen (GLP) ist richtig Feuer unterm Dach.

Bei der Mitgliederversammlung im Februar hat die Partei ihren bisherigen Stadtrat Dominik Burkhardt für die kommenden Gesamterneuerungswahlen vom 13. Juni nominiert – als einzigen Kandidaten. Damit nicht einverstanden ist Michael Derrer, seit zehn Jahren ebenfalls Mitglied der GLP. Er möchte auch Stadtrat werden und wollte eigentlich für die Partei antreten – doch diese versagt ihm die Unterstützung.

Davon lässt sich Derrer, der für die Partei auch schon auf der Wahlliste für den Großen Rat und den Nationalrat stand, aber nicht abbringen, er kandidiert nun als Parteiloser. Derrer betont, dass er eigentlich nicht die Absicht hatte, aus der Partei auszutreten, ihm jedoch Parteipräsidentin Béa Bieber ein Ultimatum von 24 Stunden gesetzt habe, um selbst zu gehen. Danach werde er ausgeschlossen. Michael Derrer ließ diese Frist verstreichen und spricht jetzt von einem in der GLP herrschenden "Feudalsystem" mit Parteipräsidentin Bieber an der Spitze, die ihre "Vasallen" fördere. "Ich habe andere Wertvorstellungen: Eine zu starke Machtkonzentration läuft unserer Demokratie zuwider", kritisiert Derrer die Parteipräsidentin.

Wenig erfreut über das Vorgehen von Michael Derrer ist die Parteileitung. "Diese Kandidatur ist eine klare Missachtung von Abmachungen. Wir schließen Michael Derrer aus der Partei aus. Das Vertrauensverhältnis ist nicht mehr gegeben", erklärt Béa Bieber. Die Partei habe sich klar für die Strategie entschieden, nur mit einem Kandidaten anzutreten. Die Wahl von Dominik Burkhardt vor vier Jahren habe der GLP und ihrer Strategie recht gegeben. Weiter betont sie, dass die Entscheide in der Partei breit abgestützt seien und von einem Feudalsystem keine Rede sein könne. "Die Mitgliederversammlung ist das oberste Organ", so Bieber. Dass Derrer nun als Parteiloser kandidiert, will Bieber nicht im Detail kommentieren. Nur so viel sagt sie: "Jeder ist frei zu tun, was er will."

Der Parteiausschluss von Michael Derrer erscheint auch unter einem anderen Aspekt interessant: Seit 2013 ist er Bezirksrichter, von der GLP unterstützt. Ob er bei einer nächsten Richterwahl wieder auf die Unterstützung der Partei zählen kann, scheint unwahrscheinlich. Würde er hingegen als Stadtrat gewählt, müsste er das Richteramt sowieso abgeben.

"Ich möchte mich für das Städtchen einsetzen. Ich habe viele Ideen. Ich finde, das Gewerbe und die Kleinunternehmen sollten unterstützt werden", sagt Derrer (Jahrgang 1967) zur Motivation für seine Stadtratskandidatur. Beruflich ist er Dozent, Unternehmer und Bezirksrichter. Mit seiner Firma begleitet er Schweizer Firmen bei ihrer Expansion in osteuropäische Länder. Kultur, Soziales, Wirtschaftsfragen und Standortförderung sind Themen, die ihn kommunalpolitisch besonders interessieren.

Mit Derrers Kandidatur sind nun acht Bewerberinnen und Bewerber für die fünf Sitze im Rheinfelder Stadtrat bekannt. Neben den vier Bisherigen Franco Mazzi (FDP), Walter Jucker (SVP), Susanna Schlittler (FDP) und Dominik Burkhardt (GLP) treten vier Neue an: Michael Derrer (parteilos), Claudia Rohrer und Tom Steiner (beide SP) sowie Claus Pfisterer (parteilos).