Baden-Württemberg

Ärzte können ab Montag alle Patienten impfen – mit jedem Impfstoff

BZ-Redaktion, dpa

Von BZ-Redaktion & dpa

Mi, 12. Mai 2021 um 12:20 Uhr

Südwest

Ärztinnen und Ärzte in Baden-Württemberg können Medienberichten zufolge ab Montag frei entscheiden, wen sie impfen. Für Praxen soll die Impfpriorisierung für alle Impfstoffe aufgehoben werden.

Ab dem 17. Mai sollen nach einem Beschluss des Sozialministeriums Fund der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg die Priorisierung in der Impfreihenfolge in Praxen "komplett für alle Impfstoffe aufgehoben" werden. In den Impfzentren bleibt die Priorisierung allerdings erhalten. Hier sei sie weiterhin notwendig, um sicherzustellen, dass in den Impfzentren Menschen mit hohem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf oder mit hohem Ansteckungsrisiko zuerst geimpft werden, teilt das Sozialministerium mit.

Mediziner können dagegen von Montag an – sofern Impfstoff vorhanden ist – alle Patienten über 18 Jahren impfen. Der Impfstoff von Biontech kann außerdem bereits an Menschen über 16 Jahren geimpft werden. Ärzte sollen nach eigenem Ermessen entscheiden, welche Patienten besonders dringend mit einem Corona-Vakzin geimpft werden müssen. Sie müssen sich also nicht mehr an die vom Land vorgegebene Reihenfolge halten.

"Die Impfstoffmenge bleibt weiterhin begrenzt" Gesundheitsminister Manne Lucha
Die Ärzte hätten ihre Patienten aber im Blick, sagte Manfred King vom Landesverband der Mediziner. "Sie kennen die Leute am besten und wissen Bescheid, wen sie impfen", sagte der Sprecher, dessen Verband in Baden-Württemberg rund 4100 Hausärzte vertritt. Viele von ihnen vergeben laut King keine Termine an fremde Interessenten.



Gesundheitsminister Manne Lucha sagt dazu: "Auch wenn die Priorisierung in den Arztpraxen aufgehoben ist, so bleibt die Impfstoffmenge weiterhin begrenzt". Er bittet um Geduld und um Solidarität mit denen, die den Impfstoff dringend benötigen. Diese Woche wurde bekannt, dass tausende Menschen versucht haben, sich eine Impfung durch falsche Angaben zu erschleichen.

Mediziner rechnen mit großem Andrang

Vor dem Start der offenen Corona-Impfkampagne bei den Hausärzten ist das Interesse an Terminen für die von vielen ersehnte Spritze nach Einschätzung des Landesverbands der Mediziner bereits sehr groß. "Die Leute sind pandemiemüde, sie wollen diesen nächsten Schritt", sagte Manfred King. Allerdings sei der zeitraubende Diskussionsbedarf in den Praxen angesichts der Sorgen vor dem Wirkstoff Astrazeneca gewaltig.

Gegen das Präparat des britisch-schwedischen Pharmakonzerns gibt es teils erhebliche Vorbehalte. Es wird nach dem Auftreten von Blutgerinnseln im Gehirn bei jüngeren Geimpften nur noch für über 60-Jährige empfohlen. Andererseits gibt es viele Jüngere, die sich gern damit impfen lassen würden, aber in der Impfreihenfolge bisher noch nicht dran waren.

"Es muss erstmal genug Impfstoff da sein. Aber in der Regel haben die Hausärzte bislang nicht das bekommen, was sie erwartet haben." Manfred King
Das Problem werde letztlich aber nicht die Frage sein, ob Astrazeneca oder Biontech in die Spritzen aufgezogen werde, sagte King. "Es muss erstmal genug Impfstoff da sein. Aber in der Regel haben die Hausärzte bislang nicht das bekommen, was sie erwartet haben." Landessozialminister Manne Lucha (Grüne) hatte den Bund wiederholt aufgefordert, mehr Impfdosen zur Verfügung zu stellen. Der Hausärzteverband hatte sich dem angeschlossen.



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