Zwischenfälle

Affenlaute in Münster wie in Portugal – Rassismus überschattet Fußball-Wochenende

dpa

Von dpa

Mo, 17. Februar 2020 um 07:49 Uhr

Fussball

Der Zwischenfall beim Drittligaspiel in Münster hat große Aufmerksamkeit erfahren – auch weil das Publikum eine starke Reaktion zeigte. Am Sonntag folgte ein Rassismus-Eklat in Portugal.

Der Sieg von Bayer Leverkusens Europa-League-Gegner FC Porto bei Vitoria Guimarães ist von einem Eklat überschattet worden. Wenige Minuten nach seinem Siegtor zum 2:1 (1:0) in der 60. Minute verließ Torschütze Moussa Marega das Spielfeld und reagierte damit offenbar auf rassistische Beleidigungen, wie die Zeitung "Diario de Noticias" berichtete.



Mitspieler und Profis von Gastgeber Guimarães versuchten, den Fußball-Nationalspieler aus Mali zu beruhigen und offenbar zum Weiterspielen zu bewegen, der aufgebrachte 28-Jährige war jedoch in minutenlangen, erregten Diskussionen nicht dazu zu bewegen. Marega ließ sich auswechseln und streckte auf dem Weg in die Kabine mit Blick Richtung Tribüne beide Daumen nach unten. Sogar ein Sitz in seine Richtung sei zuvor geflogen, berichteten Medien. Für ihn kam in der 72. Minute Wilson Manafá auf das Feld.

Ermutigendes Zeichen in Münster

Laut Trainer Sérgio Conceição sei Marega seit dem Warmmachen von der Vitoria-Bank aus beleidigt worden. Medien berichten unter anderem über deutlich hörbare Affenlaute. "Wir sind eine Familie, unabhängig von Nationalität, Hautfarbe, Größe, Haarfarbe. Wir sind eine Familie. Wir sind Menschen. Wir verdienen Respekt", sagte Conceição.

"Eure Reaktion ist vorbildlich – Ihr könnt Euch gar nicht denken, was diese mir und auch allen anderen farbigen Spielern bedeutet." Leroy Kwadwo
Fans von Preußen Münster haben derweil ein vielbeachtetes und ermutigendes Zeichen gegen die anhaltende Hetze im deutschen Fußball gesetzt. Auf die Affenlaute und Beleidigungen eines Zuschauers gegen den Gäste-Profi Leroy Kwadwo reagierten sie am Freitag beim Drittliga-Spiel gegen die Würzburger Kickers nicht nur mit "Nazi raus"-Rufen. Darüber hinaus halfen sie den Ordnungskräften, den Mann ausfindig zu machen. Laut Polizei soll eine Anzeige wegen Volksverhetzung gestellt werden.

Dank dieser solidarischen Aktion empfand Kwadwo nach eigener Aussage bei aller Wut "auch schon fast eine Genugtuung". "Das hat mir geholfen, da noch ruhiger zu bleiben", sagte er im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF am Tag nach dem Vorfall. Schon zuvor hatte sich Kwadwo in einer ausführlichen Stellungnahme zu Wort gemeldet und das Verhalten der Fans in einem Beitrag bei Instagram gelobt: "Eure Reaktion ist vorbildlich – Ihr könnt Euch gar nicht denken, was diese mir und auch allen anderen farbigen Spielern bedeutet." Am Ende seines Eintrags schrieb er zudem: "Danke für Eure Menschlichkeit."



Nach Angaben der "Westfälischen Nachrichten" vom Samstag handelt es sich bei dem Zuschauer um einen 29-Jährigen aus Steinfurt. Dessen Beleidigung hatte Kwadwo "einfach nur traurig und wütend" gemacht. Wie der "Spiegel" berichtete, soll der Mann dem Spieler auch zugerufen haben: "Geh zurück in dein Loch." "Ich habe zwar eine andere Hautfarbe, aber ich bin hier geboren", schrieb Kwadwo. Der 23-Jährige forderte ein konsequentes Handeln aller Beteiligten: "Der Fußball hat eine große Macht. Wir sollten dann alle zusammenrücken, sagen, so geht es nicht weiter, dann spielen wir nicht."

Der deutsche Nationalspieler Antonio Rüdiger vom FC Chelsea twitterte: "Wahnsinn... und schon wieder ein Vorfall. Unfassbar. Aber Respekt vor den Reaktionen der Zuschauer."

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