Aktion zur Rettung des Waldes

Rosemarie Tillessen

Von Rosemarie Tillessen

Mi, 28. Oktober 2020

Waldshut-Tiengen

Geburtstagsgäste pflanzen kleine Bäumchen / Gerry Meyer-Schierholz aus Waldshut hofft auf Nachahmer.

. Es sollte ein großes Fest werden: Zu ihrem runden Geburtstag hatte die Waldshuterin Gerry Meyer-Schierholz bereits im Februar 99 Gäste eingeladen: Sie alle sollten junge Bäume pflanzen, um den durch Borkenkäferbefall zerstörten Wald neu aufzuforsten. Fast alle sagten zu. Doch dann kam Corona. Die Auflagen wurden seither fast wöchentlich strenger. Zum Schluss waren jetzt im Freien noch zehn Menschen als Gruppe erlaubt.

Doch Gerry Meyer-Schierholz ließ sich nicht klein kriegen: Sie verteilte ihre nun noch 50 Gäste – viele aus Norddeutschland hatten inzwischen abgesagt – in sechs Kleingruppen à zehn Personen. Jeweils zwei Gruppen wurden von der Bezirksförsterin des Stadtwaldes Waldshut, Carmen Kellermann, und ihrem Mitarbeiter Marco Müller betreut und bei der Pflanzaktion nahe beim Wildgehege angeleitet. Und selbst Petrus hatte an diesem Wochenende ein Einsehen und schenkte Wärme und strahlende Sonne.

Und die Gäste – auch Kleinkinder und ein Hund – waren mit Feuereifer dabei. Einige hatten sogar eigene Spaten mitgebracht, die andern wurden von der Forstverwaltung gestellt. Die Försterin erläuterte die Lage: Spätestens der Sturm und anschließend der heiße und trockene Sommer 2018 habe den vorher geschlossenen Fichtenwald zerstört. Die Borkenkäfer fanden reiche Beute: "Rund 150 Fußballfelder wurden hier im Stadtwald kahl gefressen. Wir müssen dringend aufforsten und nachpflanzen. Das ist dringend, weil auch der natürliche Nachwuchs bereits vom Wildverbiss betroffen ist." Anschließend demonstrierte Marco Müller die Arbeit: den Platz aussuchen, das Loch ausgraben, den jungen Baum einpflanzen und mit einer Schutzhülle vor Wildverbiss sichern. Anschließend einen Stock verkeilen, damit das Bäumchen vor Sturm geschützt ist.

Die Gruppen teilten sich jetzt auf. Man konnte sich zwischen Spitzahorn und Kirsche entscheiden. Die Grabung war teils schwer, weil Brombeerwuchs, Wurzeln und Steine beseitigt werden mussten. Aber man half sich gegenseitig. Anschließend beschriftete man stolz sein eigenes Bäumchen und begann mit der nächsten Aktion. Bis zu zehn Bäumchen schaffte ein ganz Eifriger. Jede Gruppe stärkte sich anschließend mit Brezeln, während ein anwesender Jäger das Jagdhorn blies.

Das Ergebnis aller Gruppen beträgt rund 150 Neupflanzungen, schätzt die Försterin: "So eine Aktion haben wir in dieser Art noch nie gemacht. Eher mal mit Schulklassen." Und das strahlende Geburtstagskind ergänzt: "Vielleicht zur Nachahmung empfohlen?"

Gerry Meyer-Schierholz wurde 1940 in Bremen geboren. Nach einer Schneiderlehre studierte sie Textilingenieurwesen, arbeitete in einem Verlag und erweiterte im Ausland ihre Sprachkenntnisse. Durch ihre Verbindung von Textilwissen und Erfahrungen im Verlagswesen übernahm sie vielseitige Aufgaben, darunter auch für den Otto-Versand, wo sie ihren Ehemann Hans Meyer kennenlernte. 1980 zog die Familie in den Küssaberger Ortsteil Rheinheim. Dort engagierte sie sich im Zonta Club, verkaufte handgewebte Stoffe aus Guatemala oder produzierte Perlenketten. Nach dem Tod ihres Ehemannes zog Gerry Meyer-Schierholz 2017 nach Waldshut und hat inzwischen zwei Romane veröffentlicht.