Allein in der Klasse

Claudia Füßler

Von Claudia Füßler

Sa, 13. August 2011

Neues für Kinder

ARBEITEN IN DER FERIENZEIT (2): Bertin Wendt geht auch in den Ferien zur Schule, denn er ist Hausmeister.

Bertin Wendt wohnt dort, wo eigentlich niemand wohnen will: in einer Schule. Genauer gesagt: in "seiner" Schule. Denn Bertin Wendt ist Hausmeister. Seit 1984 sorgt er an der Hebelschule im Freiburger Stadtteil Stühlinger dafür, dass alles seine Ordnung hat: Morgens vor der ersten Stunde schließt er die Schule auf, er hält den Schulhof und die Klassenzimmer in Ordnung und am Abend schließt er alle Türen ab. Früher musste Bertin Wendt auch die Milch an die Schüler verteilen und die Schule heizen. Heute kaufen sich die Schüler die Milch selber und die Temperatur im Klassenzimmer wird mit einer automatischen Heizung geregelt. Langweilig wird es dem Hausmeister trotzdem nicht: In die Hebelschule gehen 400 Schüler, da gibt es immer was zu tun.

Während der Schulzeiten beginnt der Arbeitstag von Bertin Wendt morgens um 7 Uhr mit einem Kontrollgang rund um das Schulgebäude. Sind irgendwo Fenster oder Türen beschädigt? Ist eingebrochen worden? "Meist muss ich ein paar Flaschen und Scherben aufsammeln, die auf dem Gelände rumliegen, aber was Größeres ist zum Glück noch nie passiert", sagt Bertin Wendt.

Um halb acht schließt er die Schule auf, die Zeit bis zum Mittagessen vergeht wie im Flug: Ein Schüler hat sein Federmäppchen verloren und fragt bei Wendt nach, ein anderer sucht seine Jacke, Lehrer brauchen diesen oder jenen Schlüssel, Handwerker kommen, die Post muss weggebracht, E-Mails müssen beantwortet werden, dann fragt jemand nach einem Schraubenzieher. . . Die beiden Treppenhäuser in der Hebelschule haben jeweils etwa 100 Stufen, und Hausmeister Wendt läuft sie ungefähr dreißig Mal hoch und runter – am Tag. Da müsste er eigentlich keinen Sport mehr machen. Tut er aber, er geht regelmäßig tanzen. Am liebsten hat er die klassischen Tänze.

Am frühen Nachmittag setzt sich Bertin Wendt Mund-, Ohren- und Sichtschutz auf und reinigt mit einem Laubsauger den Schulhof, die Straße und den Gehweg ums Schulgebäude. Außerdem muss er jede Woche überprüfen, ob die Spielgeräte auf dem Schulhof noch sicher sind oder sich vielleicht irgendwo eine Schraube gelöst hat. In den Ferien sieht ein Arbeitstag von Bertin Wendt ganz anders aus als während der Schulzeit. Er nutzt die Ruhe, um endlich mal all die Arbeiten erledigen zu können, für die während des Unterrichts keine Zeit bleibt. "Am ersten Ferientag der Sommerferien gehe ich durch jeden Raum, vom Dach bis in den Keller, und schreibe mir auf, was wo fehlt oder repariert werden muss", sagt Wendt. Am wichtigsten sind dabei die Dinge, die für die Schüler und Lehrer gefährlich werden könnten. Die werden zuallererst erledigt. Eine kaputte Steckdose in einem Klassenzimmer zum Beispiel hat Vorrang vor einer schiefen Schranktür.

Bertin Wendt wischt Schmierereien von den Wänden, reinigt die Flurleuchten und repariert kaputte Stühle. In den Ferien muss er das alles alleine machen, für die größeren Arbeiten kommen Handwerker in die Schule.

Während der Schulzeit bekommt der Hausmeister oft Hilfe von den Schülern. Natürlich nicht freiwillig. Wer etwas angestellt, etwa im Unterricht gestört hat, der bekommt keine Strafarbeit auf, sondern wird zu Bertin Wendt geschickt. Der hat für den Störenfried meist eine Spezialaufgabe, die er selber gar nicht gerne macht: das Unkraut aus den Rillen auf der Terrasse zupfen.